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Letzter Piks

Gemischte Gefühle bei der Schließung des Karlsruher Kreisimpfzentrums

Mit einem letzten Piks schließt das Karlsruher Kreisimpfzentrum seine Pforten. Nun müssen sich niedergelassene Ärzte um den Impffortschritt kümmern - doch die beklagen schon jetzt den bürokratischen Aufwand.

Letzter Piks: Impfärztin Esma Terlemez verabreicht Christian Rieger eine Corona-Schutzimpfung. Foto: Jörg Donecker

Von den Aufräumarbeiten um sie herum lässt sich Esma Terlemez ebenso wenig stören wie vom Medienrummel in der ehemaligen Hauptfeuerwache. Routiniert zieht die Impfärztin die Spritze auf und verabreicht Christian Rieger eine Dosis mit dem Vakzin von Biontech: Rieger ist um 19 Uhr einer der letzten Impflinge im Kreisimpfzentrum Karlsruhe, nur wenige Minuten später beginnt dort für alle medizinischen Mitarbeiter eine kleine Abschiedsfeier.

„Das Kreisimpfzentrum hat einen wichtigen Beitrag für den Kampf gegen die Corona-Pandemie geleistet“, sagt Bürgermeisterin Bettina Lisbach. Fast 400.000 Menschen haben dort in den vergangenen zehn Monaten ihre Schutzimpfung erhalten.

Bereits Ende Januar wurde in der Schwarzwaldhalle eine zentrale Anlaufstelle für impfwillige Menschen eingerichtet. Weil die Messehalle für die Auszählung der Bundestagswahl benötigt wurde, musste das Kreisimpfzentrum für die letzten sieben Tage noch einmal umziehen.

Gemischte Gefühle

Bei Andreas Ruf, medizinischer Leiter des Impfzentrums, sorgt die Schließung des Karlsruher Kreisimpfzentrums für gemischte Gefühle. „Speziell für Karlsruhe wird das ein echter Einschnitt“, betont der Transfusionsmediziner des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Im Sommer blieb der Andrang zwar etwas hinter den Erwartungen zurück, doch spätestens nach der Schließung des Zentralen Impfzentrums in der Messe Karlsruhe habe das Kreisimpfzentrum einen Schub erhalten.

In den letzten Wochen kamen dort täglich noch 500 bis 600 Menschen zum Impfen vorbei, am letzten Tag bildeten sich kurz vor Betriebsschluss noch lange Schlangen.

Niederschwelliges Angebot wird fehlen

„Ein derart niederschwelliges Impfangebot wird sicherlich fehlen“, so Ruf. Denn in den Kreisimpfzentren konnten die Impflinge spontan einen Termin vereinbaren und sich das Vakzin ihrer Wahl spritzen lassen.

Allerdings sei die Nachfrage nach einer Impfung in den vergangenen Wochen nicht in allen Impfzentren so groß gewesen wie in Karlsruhe.

Politisch hält Ruf die Entscheidung zur Schließung der Impfzentren deshalb für vertretbar. „Die Kapazitäten für die Impfung sind trotzdem da“, sagt der Experte.

Allerdings seien Terminvergabe und Disposition der Impfstoffe bei den Hausärzten nicht mehr ganz so unkompliziert wie in den Impfzentren. Weil Corona-Impfstoffe nur begrenzt haltbar sind, kann nicht jeder niedergelassene Arzt genügend Dosen von sämtlichen zugelassenen Vakzinen bereithalten.

Hoher bürokratischer Aufwand

„Wir können nicht morgens 35 Spritzen aufziehen und dann auf Patienten warten“, sagt der Grünwettersbacher Arzt Otmar John.

Die Impfstoffe müssten 14 Tage im Voraus bestellt werden und schon deswegen seien Verteilung und die Terminvergabe mit einem „wahnsinnigen bürokratischen Aufwand“ verbunden. Derzeit werden in Johns Praxis vor allem Auffrischungsimpfungen verabreicht. „Patienten, die eine Erstimpfung wollen, haben die schon gekriegt“, sagt der Mediziner.

Um möglichst viele noch nicht geimpfte Leute von der Notwendigkeit einer Schutzimpfung zu überzeugen, will die Landesregierung nach der Schließung der Kreisimpfzentren auch verstärkt auf mobile Impfaktionen setzen.

Doch Angebote für spontane Aktionen sind in Karlsruhe derzeit eher rar gesät, das zeigt der Blick auf die städtische Corona-Seite im Internet.

Pandemie ist noch nicht vorbei

Vorüber ist die Pandemie nach Andreas Rufs Einschätzung noch lange nicht. „Die Impfquote ist immer noch zu niedrig“, sagt er. Außerdem hätten immer noch zu viele Menschen aus den besonders gefährdeten Gruppen keinen wirksamen Schutz gegen einen schweren Covid-19-Verlauf.

Panik sei deshalb trotzdem nicht angebracht. „Durch die Geimpften haben wir in diesem Jahr ein erhebliches Sicherheitspolster. Deshalb ist die Last auf den Krankenhäusern auch geringer“, sagt Ruf.

Ob die derzeitigen Maßnahmen ausreichen oder wieder verschärft werden müssen, hänge von der künftigen Infektionsquote sowie der Auslastung der Intensivstationen ab.

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