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Entsetzen über Scherbenhaufen

Schüsse auf Haltestellen in Karlsruhe: Wer ist für die Zerstörungswut verantwortlich?

Bürger, Polizei und Verkehrsbetriebe rätseln: Wer hat am Wochenende auf die Karlsruher Haltestellen geschossen? Besonders in der Nordweststadt ist das Entsetzen groß. Dort sind die meisten Glasfächen zersplittert.

Ein Scherbenhaufen: Die Haltestelle Kaiserslauterner Straße in der Nordweststadt ist durch den Anschlag mit einer Schusswaffe entglast. Foto: Jörg Donecker

Zerschossen und zersplittert: Ohne Scheiben stehen die Gerippe vieler Wartehäuschen an der Straße. Noch am Montag ist die Spur der Verwüstung in der Stadt zu sehen. Das Entsetzen bei den Bürgern und bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) ist groß. BNN-Leser Helmut Kornmayer schildert aufgebracht: „Ich bin sehr erschrocken über dieses Bild der Zerstörung, als ich am Sonntagmorgen durch die Hertzstraße fuhr: An jeder Haltestelle Glashaufen und der Boden voller Splitter.”

Schuss aus Kleinwagen

In der Nacht zum Sonntag haben unbekannte Täter viele Haltestellen zwischen Durlach und Neureut demoliert. Einschusslöcher und Zeugenaussagen belegen: Es wurde auf die Scheiben geschossen. Mehrere Hinweise von Bürgern über verschiedene Tatorte erreichen nach 0.30 Uhr in kurzer Folge die Polizei. Eine Frau sieht in der Nordweststadt einen schwarzen Kleinwagen, aus dem geschossen wird. Die Ordnungshüter haben auch am Montag noch keine Spur von den Tätern.

Inzwischen hat sich die Zahl der zerstörten Unterstände für Fahrgäste auch nach Angaben der VBK von 25 auf 30 erhöht. Am Montagmorgen wurde der Schaden in der Stadt von Polizisten und VBK-Leuten bilanziert. „Wir gehen jetzt von 30 000 Euro Schadenssumme aus”, berichtet Michael Krauth, Pressesprecher der VBK.

Am Nachmittag sollten Gefahrenstellen mit Flatterband abgesichert und anschließend die Scherbenhaufen beseitigt werden. „Es ist sehr erschreckend, was sich in jener Nacht ereignet hat”, sagt Krauth. „Eine Zerstörungswut in diesem Ausmaß kennen wir nicht.” Den VBK sei nichts bekannt, „dass diese „mutwillige Zerstörungswut” eine gezielte Aktion gegen die Verkehrsbetriebe ist”, erklärt er.

Keine Hinweise

„Es gibt keine neuen Hinweise”, sagt Polizeisprecher Dieter Werner. Auch sei weiterhin unklar, wo die Zerstörungstour begann und wo sie endete. Schwerpunkt ist die Nordweststadt mit den umgebenden Stadtteilen. Dabei spielt der Verlauf der Buslinie 70 von der Nordstadt durch die Heide und entlang der Hertzstraße bis zum Entenfang die herausragende Rolle.

Betroffen sind beispielsweise die Häuschen an diesen Stationen: Willy-Brandt-Allee, Moltkestraße/Adenauerring, Lilienthalstraße, Erzbergerstraße (Heidehof), Klammweg, Kaiserslauterner Straße, Schweigener Straße, Weißenburger Straße, Germersheimer Straße, August-Bebel-Straße. An folgenden weiteren Stellen wurde auf die Glaswände geschossen: Otto-Wels-Straße (Oberreut), Hauptbahnstraße (Durlach), Durlacher Allee (Oststadt) und Unterfeldstraße (Neureut).

Vermutlich unabhängig von dieser Zerstörungstour quer durch Karlsruhe knickten Unbekannte ebenfalls in der Nacht zum Sonntag am Erhardboulevard eine Straßenlaterne um und brachen einen Schaltkasten auf.

Außergewöhnliche Tat

Auch die Polizei sieht in dem Beschießen der Haltestellen eine außergewöhnliche Kriminalität. Lediglich im Winter 2016/2017 habe es Ähnliches im Süden Karlsruhes sowie in Malsch und Ettlingen gegeben. Damals hatten Jugendliche mit Gotcha-Spielwaffen auf Glasflächen geschossen. Eine alte Dame wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag 2016 in einer Straßenbahn beim Hauptbahnhof verletzt, nachdem eine Kugel die Fensterscheibe platzen ließ.

VBK-Sprecher Krauth berichtet, dass die Zahl der Sachbeschädigungen in den Bahnen wie das Aufschlitzen des Sitzpolsters oder das Zerkratzen von Scheiben abgenommen habe. Die Verkehrsbetriebe führen dies auf die Video-Überwachung in den Wagen zurück. Dagegen würden besonders um Silvester Fahrkartenautomaten beschädigt, wenn Randalierer Böller in die Schlitze stecken. Sonst aber habe man es im Gegensatz zu der „systematischen Zerstörung” vom Wochenende mit Einzelfällen zu tun, meint Krauth. VBK-Chef Alexander Pischon will Strafanzeige gegen die Täter stellen.

Die Polizei ist weiterhin auf der Suche nach Zeugen des Vorfalls. Zeugen und Hinweisgeber können sich unter der Nummer (0721)6 66 21 56 melden.

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