Skip to main content

BNN-Leserfragen

„Siebe Hügele” zwischen Ettlingen und Rüppurr sollten den Feind abhalten

Ein paar unscheinbare Hügel im Wald zwischen Rüppurr und Ettlingen als Relikte eines blutigen Krieges? Tatsächlich liegen die Ursprünge der „Siebe Hügele” im 18. Jahrhundert. Sie waren Teil einer großen Verteidigungsanlage.

Ort mit Geschichte: Nicht jedes Fahrrad übersteht bei den „Hügele“ die ganze Strecke. Auch Reinhard Hausch war hier früher unterwegs. Foto: Ulrich Krawutschke

Von unserem Mitarbeiter Ulrich Krawutschke

I hätt do mol e Frog: „Woher stammen genau die als „Siebe Hügele“ bekannten Befestigungen im Wald zwischen Ettlingen und Rüppurr?“, wollte BNN-Leser Reinhard Hausch wissen. Und auch, ob sie im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 stehen. Die Badischen Neuesten Nachrichten haben nachgeforscht.

Bollwerk von Dobel bis zum Rhein

Die „Siebe Hügele“, die im Hardtwald im Gebiet Oberer Hertel im Zwickel zwischen Erlengraben und L605 liegen, sind zwar nahe bei Rüppurr, wo sie „Siwwe Hubbele“ genannt werden, aber sie liegen auf Ettlinger Gemarkung. Die „Hubbele“ sind Teil der sogenannten „Ettlinger Linie“, die 1707 während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) erbaut wurde.

Die Linie führte von der Nordschwarzwaldlinie bei Dobel bis zum Rhein und bestand teils aus Gräben und Erdwällen wie bei den „Hubbele“ und teils aus Palisaden und Redouten.

Auslöser des Krieges war der Tod des spanischen Königs Karl II. im Jahr 1701. Er gehörte der spanischen Linie der Habsburger an. Der habsburgische Kaiser Leopold I. wollte seinen Sohn Erzherzog Karl als neuen spanischen König krönen, was aber dem französischen König Ludwig XIV. gar nicht gefiel, da dieser lieber seinen Enkel Philipp von Anjou auf dem Thron sehen wollte.

Unerwarteter Durchbruch bei Bühl

Der Beginn der Kriegshandlungen im Südwesten Deutschlands erfolgte im Frühjahr 1702 durch Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, den sogenannten Türkenlouis, durch eine Belagerung der von den Franzosen besetzten Festung in Landau, die er auch zurücktrieb.

Nachdem der Türkenlouis am 4. Januar 1707 in Rastatt gestorben war, gelang es dem französischen Marschall Villars, die für uneinnehmbar geltende Bühl-Stollhofener Linie zu durchbrechen, weil diese zu schwach besetzt war.

Im gleichen Jahr ließ der neue Oberbefehlshaber der Reichsarmee, Kurfürst Ernst Georg von Hannover, späterer König von Großbritannien, als Ersatz für die Stollhofener Linie die rund 70 Kilometer lange Ettlinger Linie anlegen. Sein Feldzeugmeister Börner baute diese, so schreibt es Professor Karl Lang schon 1905/06 im Heft „Die Ettlinger Linien“ für das Großherzogliche Gymnasium zu Karlsruhe.

Die Schrift wurde 1907 von der G. Braunschen Hofbuchdruckerei neu aufgelegt, ist praktisch aber nicht mehr zu erhalten. Deshalb hat sie die Heimatgeschichtliche Kommission Ettlingen unter P. H. Stemmermann 1965 erneut aufgelegt.

Ettlinger Linie in späteren Kriegen ausgebaut

Die Ettlinger Linie wurde in späteren Kriegen, wie dem Polnischen Erbfolgekrieg (1733 bis 1738), verstärkt und ausgebaut. Während die Linie in freier Flur nicht mehr zu sehen ist, ist sie im Hardtwald verschiedentlich noch erkennbar, auch bei den „Siwwe Hubbele“. Die Ettlinger Linie durchbrach am 4. Mai 1734 bei der Spessarter Redoute eine französische Kolonne während eines nächtlichen Gewittersturmes.

Die „Hubbele“, die über eine Brücke über den Erlengraben am Ende des Brunnenstückweges in den Rüppurrer Wiesen erreichbar sind, haben zwar schon längst ihre militärische Bedeutung verloren, aber für viele Ettlinger und Rüppurrer Kinder und Jugendliche sind sie schon seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine beliebte Spielwiese.

„Wir Kumpels haben die Räder als Grundschüler Anfang der 70er Jahre die Buckel hochgeschoben und sind dann runtergerast“, erinnert sich Reinhard Hausch: „Die Trichter sind uns wie riesige Steilwände und nahezu mystisch vorgekommen.“ Aber nicht nur mit den Rädern waren die „Hubbele“ eine beliebte Spielwiese, „wir haben dort auch Räuber und Indianer gespielt“.

Vom Bollwerk zur Fahrradpiste

Albert Kleiber, der historisch bewanderte Enkel von Karlsruhes Ehrenbürgerin Kunigunde Fischer, die von 1919 bis 1933 dem Badischen Landtag angehörte, hat viel über die Historie der Ettlinger Linie vermittelt. Er erinnert sich aber auch selbst daran, mit seinem Sohn im Kindersitz mit dem Fahrrad durch die „Hubbel“ gedüst zu sein. „Das war ganz schön leichtsinnig“, meint er heute zurückblickend.

Die Hubbele erfreuen sich zudem auch großer Beliebtheit bei Mountainbike-Liebhabern, die in Internet-Foren zu treffen und Rennen dort aufrufen und zusätzlich zu den Hügeln auch Sprungrampen angelegt haben. Zudem sind die „Siwwe Hubbele“ auch ein beliebter Ort für Partys, entsprechend viel Müll wird dort zurückgelassen.

Wir recherchieren für Sie

Dieser Artikel ist Teil einer neuen BNN-Serie. Wo sollten wir in Ihrer Region unbedingt einmal nachhaken? Wir gehen für Sie auf Recherche. Vielleicht können wir nicht jede Frage beantworten, aber wir werden uns alle ansehen und uns Gedanken machen.

Füllen Sie dazu einfach das unten stehende Formular aus und stellen Sie uns Ihre Frage so präzise wie möglich. Bitte beachten Sie, dass es dabei um ein lokales Thema gehen soll. Falls es einen konkreten Bezug zu einem bestimmten Ort gibt, nennen Sie diesen.



nach oben Zurück zum Seitenanfang