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Probebetrieb angelaufen

So ist die Fahrt mit der U-Strab in Karlsruhe

Es rollt was im Karlsruher Tunnel. Über zehn Jahre wird an der U-Strab gebaut. Und jetzt läuft der Probebetrieb mit zwei Bahnen am Tag auf Fahrt durch die Röhre. Die BNN begleiten eine unterirdische Tour durch die City.

Im Tunnel: Andreas Gänger lässt den U-Strab-Wagen durch die Röhre unter der Kaiserstraße rollen. Foto: Jörg Donecker

Es wird dunkel. Jetzt rattert das gleich ganz anders als oben am Tageslicht. Der Wagen 897 hat die hell erleuchtete Station „Lammstraße” verlassen. Er bewegt sich 14 Meter unter der Kaiserstraße mit Tempo 50 in der Richtung Kronenplatz leicht gebogenen Röhre.

Für Andreas Gänger, seit 30 Jahren Wagenführer bei den Verkehrsbetrieben, ist es der zweite Tag auf Probefahrt im Tunnel unter der Kaiserstraße. Selbst für den Routinier auf den Gleisen sind es ganz besondere Momente: Endlich, nach mehr als zehn Jahren Bauzeit, hat zumindest für ihn schon das U-Strab-Zeitalter begonnen, wenigstens als Testfahrer.

Viele hundert Tunnelerprobungen mit Zügen stehen noch bevor. „Für Frühjahr 2021 ist der Stresstest mit 1.000 Fahrten angesetzt”, berichtet Ralf Messerschmidt, Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), von der Nagelprobe für die Betriebsgenehmigung.

Vom Kronenplatz zur Durlacher Allee im Untergrund

„Es ist phänomenal, ein historisches Ereignis”, schwärmt Gänger auf dem Fahrersitz. Sein U-Strab-Wagen passiert die dunkle Haltestelle „Kronenplatz”. Kein Mensch ist zu erspähen hinter den Absperrgittern auf dem Bahnsteig, nur Plattenstapel und Säcke.

Kabelstrippen baumeln in der düsteren Leere. Der Passagier auf Testfahrt im Karlsruher Untergrund fühlt sich in die Zeit vor der Wende von 1989 versetzt, als die vom Westen betriebene S-Bahn durch die zugemauerten Geisterbahnhöfe unter Ostberlin fuhr. Doch in der Karlsruher Unterwelt kommt sofort wieder Licht am Ende des Tunnels.

Taghell scheint die U-Strab-Station „Durlacher Tor”. Dort verschaffen gleißende Röhren fast oberirdische Verhältnisse. Sie werden von einem filigranen Drahtgespinst gehalten, das mit den Oberleitungen einen Kabelverhau unter der Decke der „unterirdischen Kathedrale” nahe Sankt Bernhard bildet.

Kurz beschleunigt– ungebremst von den Verkehrskreuzungen an der Oberfläche – und schon taucht der Stadtbahnwagen kurz vor der Lutherkirche beim Gottesauer Platz am östlichen Tunnelmund wieder auf. Schnell sind auch die 200 Meter Rampe geschafft.

Noch wundern sich die Leute an der Durlacher Allee über den Anblick. Sie kennen die U-Strab eben nur als Dauerbaustelle. Doch jetzt hat die lange Phase der Inbetriebnahme begonnen. Allerdings müssen sich die VBK dafür auf Zeitfenster beschränken, denn die Kasig hat gleichzeitig noch über viele Monate den Innenausbau der U-Strab-Röhre zu komplettieren, bestätigt Kasig-Chef Frank Nenninger.

Erste Fahrt für Presse und Oberbürgermeister

Zum ersten Mal haben die U-Strab-Verantwortlichen der Presse und Oberbürgermeister Frank Mentrup am Dienstagnachmittag den Tunnel in Betrieb vorgeführt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit war die allererste U-Strab vor drei Wochen unter Hochspannung der Hauptakteure – der Tunnelbauherrin Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig) und des Tunnelbetreibers Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) – durch die Röhre gerollt.

Danach war das Aufatmen groß: Die Bahn passt nicht nur durch den Stollen, auch die Bahnsteige haben exakt die geforderte Höhe. Nach zehneinhalb Jahren mit vielen Verspätungen und Verzögerungen im Bauablauf scheint nun also im Probebetrieb mit der U-Strab alles zu stimmen. Bis kurz vor Weihnachten in einem Jahr haben die VBK nach dem aktuellen Plan noch eineinviertel Jahre Zeit, bis die U-Strab ihre Zulassung hat und das Personal mit der unterirdischen Fahrt problemlos zurechtkommt.

Im Interesse der Leser baten die BNN, möglichst schnell eine Tunnelfahrt mitmachen zu können. Doch ohne den urlaubenden OB, der unbedingt mitfahren wollte, war dies nicht möglich. Nun hat der Vorwahlkämpfer Mentrup seinen Sommerurlaub beendet und kann auch aus einer rollenden U-Strab in die Karlsruher Röhre schauen. „Sehr beeindruckt” ist der Mann, der gleich zu seinem Amtsantritt 2013 den Stadtumbau zur Chefsache machte. „Es ist spektakulär unspektakulär”, freut er sich über darüber, wie die U-Strab auf Probe rollt.

VBK-Chef Alexander Pischon ist immer noch die Erleichterung von der ersten U-Strab-Fahrt anzusehen: „Die Wagen passen überall im Tunnel durch, auch bei Gegenverkehr.” Jetzt laufen die Signalfahrten mit allen Typen. Da leuchten auch im Tunnel die Ampeln. Aus Brandschutzgründen bekommen alle Wagen, die durch den Tunnel rollen dürfen, neue Sitzpolster: Sie leuchten in Feuerrot.

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