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Verblüffende Betrugs-Masche

Spektakulärer Betrugsfall: Bank zahlt 80.000 Euro an falschen Kunden aus

Mit einer ungewöhnlichen Masche hat sich in den vergangenen Monaten ein Mann im Anzug mehrere hunderttausend Euro ergaunert. Zuletzt suchte er eine Bank im Karlsruher Stadtgebiet heim.

Diesen Betrüger sucht die Polizei. Foto: Polizei

Die Betrugsmasche des Herrn im blauen Anzug verblüfft selbst erfahrene Ermittler: Der etwa 55 Jahre alte Brillenträger betritt die Schalterhalle der Innenstadt-Bank, er zückt den Personalausweis und begehrt unter Nennung der IBAN die Abhebung von 80.000 Euro.

Die Bankangestellte checkt seine Kennkarte und gleicht die Daten ab mit den bei dem Institut hinterlegten Konto-Informationen, ein weiterer Bank-Angestellter überprüft unterdessen, ob der momentane Kontostand die Auszahlung des Betrags überhaupt gestattet. Alles scheint zu passen: Das Lichtbild auf dem Personalausweis lässt keinen Zweifel daran, dass der Kunde tatsächlich der Konto-Inhaber ist, die Nummer ist korrekt, und das Guthaben stimmt.

Böses Erwachen für Konto-Inhaber

Dennoch bitten die Bankleute den Kunden noch um etwas Geduld: Zuerst müssen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Bargeldbestände auffüllen. Bereitwillig nimmt der Kunde Platz, dann zahlt man ihm die gewünschten 80.000 Euro aus.

Das Geld verstaut der groß gewachsene Mann in einer Aktenmappe, bedankt sich höflich und verlässt die Bank. Ein Routine-Vorgang für die Angestellten - so hat es den Anschein.

Tags darauf jedoch kontrolliert ein anderer Mann gleichen Namens und ähnlichen Aussehens seine Kontobewegungen. Und fällt aus allen Wolken. Ausweislich des Kontoauszugs soll er 80.000 Euro in bar abgehoben haben. Hat er aber nicht.

Recherchen im Netz?

Wer dann? Diese Frage bearbeitet die Kriminalpolizei mit Hochdruck. „Dem Betrüger ist es gelungen, die Bankmitarbeiter von seiner falschen Identität zu überzeugen”, sagt Kriminalhauptkommissar Toni Neumann. Doch wie? Woher wusste der Unbekannte beispielsweise die Bankverbindung seines Opfers, woher kannte er die Höhe des Guthabens?

Der Ermittler will darüber aus taktischen Gründen keine Auskunft geben. Manches spricht jedoch dafür, dass gut zugängliche Informationen aus dem Internet die Operation erleichtert haben könnten. So ist der rechtmäßige Konto-Inhaber - er wohnt nicht in Karlsruhe - leicht zu googeln und als begütert bekannt.

Kriminalist Toni Neumann spricht von einem klassischen Dreiecksbetrug: Dabei ist der Getäuschte - in diesem Fall die Bank - nicht identisch mit dem Geschädigten, also dem Kontoinhaber. Dass dieser auf dem Schaden sitzen bleibt, steht kaum zu erwarten. Wahrscheinlich wird die Bank den Schaden ersetzen: so war es zumindest bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit.

Hohe Schaden-Summe

Apropos ähnlich: Der in Karlsruhe in Erscheinung getretene Betrüger kommt auch für eine Reihe anderer Taten nach identischem Strickmuster in Betracht. Foto-Aufnahmen aus Überwachungskameras legen nahe, dass der Täter seit Mitte vergangenen Jahres mit dieser Masche in Stuttgart, Heilbronn, Neckarsulm, Ludwigsburg, Freiburg, Düren und Berlin unterwegs war. Teilweise erbeutete er sechsstellige Beträge.

Die Schadensumme liegt laut Polizei bei mehreren hunderttausend Euro. Doch auch der Aufwand war beträchtlich: Für jede einzelne Tat musste der Unbekannte ausführlich recherchieren und einen entsprechend gefälschten Personalausweis bereithalten.

Dieser war offenkundig in allen Fällen von ordentlicher Qualität: Keinem der betroffenen Bankmitarbeiter fiel auf, dass man es nicht mit dem echten Bankkunden zu tun hatte.

Abgebrühter Täter

In einem Fall ging der Täter laut Ermittler Neumann besonders abgebrüht zu Werke. Er erschien zunächst persönlich, um die baldige Abhebung zu avisieren und dafür zu sorgen, dass sich bei der eigentlichen Betrugs-Tat genug Bargeld in der Kasse befindet. Die Transaktion verlief dann in der Tat ohne Komplikationen.

Die Polizei bittet mögliche Hinweisgeber, sich unter Telefon (07 21) 6 66 55 55 zu melden. Die Fahndung mit den Bildern des Betrügers sind auf der Fahndungsseite der Polizei abrufbar: h ttps://fahndung.polizei-bw.de/tracing/karlsruhe-betrug/

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