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Bald fällt das Dach

Spitznamen für Bagger? So läuft der Haupttribünen-Abriss im Karlsruher Wildpark

Im Karlsruher Wildpark fällt Stück für Stück die Haupttribüne. Zwei Männer sitzen am Steuer der größten Abbruch-Geräte, die sie liebevoll Steffi und Hannah nennen. Jetzt heißt es vorwärts gehen, ehe die Fledermäuse kommen.

Zeigen Flagge: Marco Vollet (links) und Arndt Fränkle brechen im Karlsruher Wildpark mit schwerem Gerät die Haupttribüne ab. Arndt Fränkle taufte sein Fahrzeug „Steffi“ und versah es mit einer KSC-Fahne. Foto: Jörg Donecker

Die Bagger haben die Haupttribüne im Karlsruher Wildpark schon angeknabbert. Ab nächster Woche fällt das Dach – mit Hilfe von Steffi und Hannah. Diese Namen tragen die beiden schwersten Geräte auf der Baustelle. „Jedes dieser Kettenfahrzeuge wiegt 85 Tonnen“, erklären Arndt Fränkle und Marco Vollet, die diese Riesen tauften und steuern.

Traumberuf seit Kindertagen

Ihr Arbeitsauftrag ist klar: Das Dach muss trotz Eis, Kälte und Schnee sowie einem Heimspiel des KSC bis Ende Februar abgerissen sein, damit im Frühjahr keine Fledermäuse zwischen den Balken einziehen.

Sechs Tage die Woche läuft der Abbruch im Stadion. Und die Augen der Baugeräteführer leuchten, wenn sie von ihrem Geschäft erzählen. Beide sind sich einig: „Das ist unser Traumberuf. Und man sieht abends, was man geschafft hat.“ Arndt Fränkle meint lachend: „Mir wurde diese Leidenschaft vererbt.“

Sein Vater sei 40 Jahre lang Bagger gefahren. „Mit fünf Jahren saß ich erstmals in so einem Gerät“, erinnert sich der heute 47-Jährige. Auch sein in Kehl aufgewachsener Kollege Marco Vollet erlag früh der Faszination des großen Geräts: „Meine Oma fuhr mit mir im Kinderwagen zu Baustellen. Ich lutschte zwei Stunden Daumen und bestaunte die Arbeiten“, so der 35-Jährige.

Seine heute sechsjährige Tochter Hannah war neun Monate alt, als er sie das erste Mal in den Bauriesen mitnahm und dort auf dem Schoß hielt. Auch wenn sie die Namenspatin ist, entfachte die Maschine in ihr keine riesige Begeisterung. „Das muss ja auch nicht sein“, sagt der Vater.

Namenspatin von Kettenfahrzeug Steffi ist die Lebensgefährtin von Arndt Fränkle. Sie hat ein Faible für Miniatur-Laster, über diese Schiene lernte sich das Paar kennen. Arndt Fränkle ist mit seiner Maschine für die Höhe – im Wildpark sind das bis zu 27 Meter – und das Filigrane zuständig. Aktuell transportiert er vorwiegend Material vom Entkernen der Haupttribüne ab.

Man muss immer voll konzentriert sein.
Marco Vollet, Baugeräteführer

Marco Vollet nennt sich den Panzer, der sich den Beton vornimmt. „Grundsätzlich kann man nicht einfach mit einer Abrissbirne in die Gebäude reingehen“, betonen die Männer. Es gelte beim Abbruch, die Statik zu beachten, auch Entsorgungsfragen spielen eine Rolle. „Und man muss natürlich das Drumherum auf der Baustelle im Blick behalten“, sagt Marco Vollet.

Wenn er nach zehn Stunden heimkomme, sei er schon kaputt, wobei die Arbeit weniger körperlich anstrengend sei. „Man muss immer voll konzentriert sein.“ Schneefall oder Regen seien in der Fahrerkabine dabei kein Problem. „Das hat sogar Vorteile, es staubt weniger“, erklärt Marco Vollet.

Im Wildpark ist der Rasen heilig

Dabei bringe jede Baustelle ihre eigene Herausforderung mit sich. „Ich habe mal mit einem 40-Tonner ein Feuerwehrhaus abgerissen. Das hatte einen Klinkerboden, der erhalten werden musste“, erinnert sich Marco Vollet. Er sagt: „Brückenabbruch mag ich auch gerne.“

„Im Wildpark ist der Rasen heilig“, urteilen die Männer, die seit Oktober im Stadion zusammen Dienst tun und der Haupttribüne zu Leibe rücken. Seither verfolgen sie auch das sportliche Geschehen. „Montags ist es immer das erste Gespräch, wie der KSC gespielt hat. Im Moment ist das ordentlich“, sagt Marco Vollet.

KSC-Trainer Christian Eichner sei ein guter Typ, wobei die Arbeiter ihn und die Spieler nur vom Vorbeilaufen kennen. „Wir haben hier auch schon den Mannschaftsbus von Hannover 96 gesehen“, erzählt der 35-Jährige. Sein im Malsch lebender Kollege Arndt Fränkle kaufte zu Beginn seines Einsatzes in Karlsruhe im KSC-Fanshop eine Fahne. Sie weht seither am 85-Tonner Steffi. „Ich bin schon Fan, aber nicht so, dass ich zu den Spielen gegangen wäre“, so Arndt Fränkle.

Baustellenwechsel bedeutet Schwertransport

„Ein Stadionabbruch ist etwas besonderes“, da sind sich die beiden Mitarbeiter der in Malsch beheimateten Firma Oettinger einig. Dabei ist es für Arndt Fränkle keine Premiere. In seinen 27 Berufsjahren brach er schon in Frankfurt und Köln Stadien ab, zudem in Hinterzarten die Skischanze. Für Marco Vollet hingegen ist es der erste Einsatz dieser Art.

Die Männer arbeiten nicht auf jeder Baustelle zusammen. Nicht überall braucht es gleich zwei Maschinen dieser Größe. „Bis März, April haben wir hier sicher noch zusammen zu tun“, sagen die Arbeiter voraus.

Marco Vollet weiß im Gegensatz zu seinem Kollegen schon, wohin es für ihn danach weiter geht: „In Ludwigshafen brechen wir mitten in der Stadt einen Bunker ab.“ Der Mann, der heute in Grünwinkel lebt, kann mit seiner Hannah aber nicht einfach vom Wildpark raus Richtung Pfalz fahren. „Ein Standortwechsel ist immer ein Schwertransport, der nachts erfolgt.“

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