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Auf Abfall-Tour durch die Stadt

Spuren einer Partynacht: So viel Müll liegt in Karlsruhes Grünanlagen

Chips, Zigaretten, Bier und Hochprozentiges: Was Karlsruher Partygänger nachts in Karlsruhes Grünanlagen konsumiert haben, verraten ihre Hinterlassenschaften noch am nächsten Tag. Ein Samstagmorgen auf der Spur des Partymülls.

Müll-Stilleben: Dieser Abfalleimer beim Albufer nahe des Entenfangs wurde am frühen Morgen wohl schon ausgeräumt. Foto: Jörg Donecker

Noch relativ kühle Temperaturen locken an einem frühen Samstagmorgen Jogger, Angler und Fahrradfahrer an die Ufer der Alb. Was hier in der Nacht los war, lässt sich erahnen: Ziemlich deutliche Anhaltspunkte finden sich rund um die Mülleimer. Eine Corona-Party an der idyllischen Albkapelle in Grünwinkel? Zumindest suggeriert das der Markenname auf der Papphülle eines Sixpacks Bier des mexikanischen Herstellers, die dort herumliegt.

Ein Stück weiter Richtung Osten, bei dem kleinen Stauwehr, in dem tagsüber oft Kinder baden, steht bereits um kurz vor acht Uhr ein gefüllter Müllsack neben dem ebenfalls vollen Mülleimer. Doch in einem Radius von gut zwei Metern liegen Pizzakartons, eine Chipstüte, sogar ein paar klobige, quietschbunte Plastikschuhe herum. Unweit der Entenfang-Kreuzung in Mühlburg ein Stillleben aus Plastik- und Papierverpackungen: Eis, Zigaretten, Saft und Grillwürstchen, dazu diverse Hundekotbeutel rund um den Mülleimer.

Kippen, Bierdeckel und Scherben auf dem „Mount Klotz”

Auf Höhe des Karlsruher Eislauf- und Tennisvereins ein neueres Müll-Phänomen: eine hellblaue Einweg-Gesichtsmaske auf dunkelgrauem Asphalt. Schön ordentlich nebeneinander gestellt auf einem Steg unterhalb der Günther-Klotz-Anlage: zwei Weißweinflaschen.

Dort, wo in anderen Jahren das Partyvolk bei „Das Fest” vor der DJ-Bühne abtanzt, hat man in dieser Augustnacht offenbar vor allem gebechert. Große Trinkgefäße aus Pappe und leere Glasflaschen (ehemaliger Inhalt: Wodka oder Kräuterlikör) liegen um den Brunnen verteilt herum, ergänzt durch Zigarettenschachteln, Pappteller und leere Gläschen für Babynahrung. Quer über den „Mount Klotz” verteilen sich Kronenkorken, Zigarettenkippen und Glasscherben im stark verdorrten Rasen. Auf dem Gipfel liegt über dem Boden noch ein deutlicher Nikotingeruch, an herumliegenden Pappbechern tun sich Wespen und Hornissen gütlich.

Feiern ist ja okay, aber dann sollen die Leute wenigstens ihr Zeug wieder mitnehmen.
Klaus Klein, Schrebergarten-Besitzer

„Es ist Wahnsinn”, sagt Michael Kaspar. Auch im Beiertheimer Wäldchen beobachte er oft umher liegenden Müll. „Noch schlimmer ist es aber, wenn es nicht ganz so heiß ist wie zur Zeit.” Kaspar hilft seinem Schwiegervater Klaus Klein im Schrebergarten, der direkt an den Park anschließt. „Die feiern hier seit Jahren ihre Feste”, erzählt der. „Das ist ja okay, aber dann sollen sie wenigstens ihr Zeug wieder mitnehmen”, findet Klein.

Vor Jahren habe die Stadt einmal zusätzliche Müllcontainer aufgestellt, um der Lage Herr zu werden - doch die seien angezündet oder mit der Glut vom Grillen befüllt worden. „Die sind grade so zusammengeschmolzen”, sagt Klein. Das Müll-Management bei „Das Fest” sei aber vorbildlich: „Da gab es noch nie irgendwelche Probleme.” Die machten eher Elstern und Raben, die den Müll aus den Eimern herauszögen und in der Anlage verteilten.

Kurz nach neun Uhr ist die Karlsruher Innenstadt weitgehend aufgeräumt. Weder am Europaplatz noch in der Kaiserstraße sieht man noch Müll herumliegen - das Amt für Abfallwirtschaft hat ganze Arbeit geleistet. Auch der Friedrichsplatz ist zu dieser Zeit weitgehend frei von Verpackungsabfall. Rund um das Karlsruher Schloss dagegen findet sich wieder an vielen Stellen das bekannte Bild: Müll liegt nicht nur in, sondern vor allem rund um die Eimer herum.

Der Citypark Südstadt-Ost ist am nicht mehr ganz so frühen Samstagmorgen zwar schon sichtlich von der Sommerhitze beeinflusst, aber äußerst aufgeräumt. Ein grauhaariger Mann liest beim Gassigang mit seinen Hunden noch ein paar letzte Reste auf und wirft sie in einen Mülleimer. Es ist Andreas Gold, der in der Nähe der Anlage wohnt und sich auch für die Aufstellung von Spendern für Hundekotbeutel in der Stadt engagiert. „Wenn die Nachtschwärmer hier waren, ist es besonders sonntagsmorgens ganz schlimm”, findet er, „heute ging’s”.

Die bestellen sich sogar Pizza hierher. Aber der Schritt zum Mülleimer ist dann schon zu viel.
Andreas Gold, Anwohner Citypark Südstadt-Ost

Besonders oben an der Esplanade liege dann viel Müll herum. „Es ist halt auch schwer, einen eckigen Pizzakarton in einen runden Mülleimer zu quetschen. Der ist damit dann schon voll”, sagt Gold. Er hebt eine noch volle Sektflasche unter einer Sitzbank auf. „Da wird immer alles liegen gelassen. Die Leute kaufen im Supermarkt ein und setzen sich hierher, bestellen sogar Pizza in den Park. Aber der Schritt zum Mülleimer ist dann oft schon zu viel.”

Die Müll-Tour endet schließlich im Otto-Dullenkopf-Park. Dort stapeln sich mehrere Pizzakartons neben den Mülleimern - immerhin: ordentlich übereinander.

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