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Containersammlungen

Stadt Karlsruhe: Mit Altkleidern lässt sich kaum noch Geld machen

Die Altkleidersammlung ist nicht mehr lukrativ. Seit Jahren nimmt die Qualität der Kleiderspenden ab, das wirkt sich auf die Abnahmepreise aus. Statt satter Gewinne lassen sich in Karlsruhe nur noch die Kosten decken. Abbauen will man die über 200 Container trotzdem nicht.

Schwieriges Geschäft: Mehr als 200 Container für gebrauchte Textilien hat die Stadt Karlsruhe aufgestellt. Die Sammlung und Verwertung ist aber nicht mehr so lukrativ wie noch vor einigen Jahren. Foto: Peter Sandbiller

Von unserem Mitarbeiter Patrick Hehmann

Gut 200.000 Euro wollte die Stadt mit der Altkleidersammlung jährlich verdienen, als sie diese 2013 selbst in die Hand nahm. Heute ist davon keine Rede mehr. Die Verantwortlichen sind froh, wenn sich die Kosten noch decken lassen. „Die Marktlage hat sich seit dem Jahr 2013 tendenziell verschlechtert.

Ab April 2020 ist der Markt für alte Textilien coronabedingt fast ganz eingebrochen. Wir müssen daher davon ausgehen, dass wir ab diesem Zeitpunkt keine Erlöse mehr für Alttextilien von unserem Entsorger erhalten“, teilt die Stadt auf Nachfrage der BNN mit.

Stadt hat Container und Fahrzeuge für über 200.000 Euro gekauft

Vor gut sechs Jahren hatte das Amt für Abfallwirtschaft (AfA) die Altkleidersammlung von einem privaten Anbieter übernommen. Damals kaufte die Stadt für 150.000 Euro Sammelcontainer und für weitere 70.000 zwei Fahrzeuge. Dazu kommen noch die laufenden Personalkosten. In vielen anderen Städten werden die Sammelstellen durch gemeinnützige oder private Träger betrieben. In Karlsruhe geht man einen anderen Weg, auch um die Entsorgung unabhängig von den Marktpreisen sicherzustellen, heißt es aus dem Rathaus.

An den eingeworfenen Mengen liegt der Einbruch der Einnahmen nicht. Während des Corona-Lockdowns sind in Karlsruhe deutlich mehr Altkleider als sonst üblich in den Containern gelandet. „Mittlerweile haben sich die Altkleidermengen aber wieder auf das für die Jahreszeit übliche Maß reduziert“, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.

Ab April 2020 ist der Markt für alte Textilien coronabedingt fast ganz eingebrochen.
Stadt Karlsruhe

Seit einigen Monaten landet allerdings auch mehr Müll in den insgesamt 241 Sammelcontainern. Dies führt dazu, dass die gespendeten Kleidungsstücke öfter verschmutzt oder beschädigt sind und nicht mehr getragen werden können. Weitgehend halte man sich aber an die Vorgaben, betont ein Sprecher der Stadt. „So ist beispielsweise die Mehrzahl der Schuhe wirklich paarweise gebündelt im Textilcontainer vorzufinden und auch die Bekleidung ist meist in einem ordentlichen Zustand.“

Nach Angaben der Stadt wird mehr als die Hälfte der gesammelten Textilien als Secondhand-Ware wiederverwendet. Das geschieht allerdings über die Firma Texaid, die mit dem AfA einen Vertrag zur Weiterverarbeitung der gesammelten Altkleider hat. Wer sichergehen möchte, dass Jacken und Hosen bei Bedürftigen landen, gibt sie besser direkt bei Hilfsorganisationen wie der Bahnhofsmission, der Flüchtlingshilfe oder dem Diakonischen Werk ab.

Qualität der eingeworfenen Textilien nimmt seit Jahren ab

32 der über 200 Sammelcontainer im Stadtgebiet verantwortet das Deutsche Roten Kreuz (DRK) Karlsruhe. Die Sortierung und Weiterverarbeitung übernimmt die Firma Hotex aus Rheinland-Pfalz. Um ungefähr 25 Prozent sind dort die angelieferten Kleidungsmengen während der Corona-Zeit angestiegen.

„Allerdings nimmt die Qualität der Kleidung seit Jahren, unabhängig von Corona und den dadurch entstandenen Mengen, kontinuierlich ab“, wie ein Mitarbeiter im Gespräch mit den BNN erläutert. „Manche Textilien sind aufgrund ihres hohen Synthetikanteils nicht einmal mehr für die Herstellung von Putzlappen geeignet. Diese können nur noch verbrannt werden, was das Recycling im Ganzen immer unattraktiver macht.“

Wenn die Marktlage aber so schlecht bleibt, müssen wir uns langfristig überlegen, ob wir sie nicht abstoßen.
Jörg Biermann, Kreisgeschäftsführer DRK

Das DRK beurteilt die Situation auf dem Altkleider-Markt als sehr schwierig. Im Moment beabsichtigt man zwar nicht, die Container in Karlsruhe loszuwerden. „Wenn die Marktlage aber so schlecht bleibt, müssen wir uns langfristig überlegen, ob wir sie nicht abstoßen“, so Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann. „Gut erhaltene Kleidung sollte besser in unserer Kleiderkammer oder dem Sozialkaufhaus abgegeben werden.“

Karlsruhe stellt die Containersammlung nicht in Frage

In einigen Städten, zum Beispiel in Hamburg, hat man mittlerweile Sammelstellen und Container für die Abgabe von Alttextilien teilweise abgeschafft. In Karlsruhe ist das aktuell kein Thema. „Die Erfassung von Altkleidern durch den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger wird unter anderem durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz bestimmt. Insoweit beabsichtigt die Stadt, die Erfassung über Depotcontainer weiterhin aufrecht zu erhalten.“

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