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Radfahrstreifen mindestens zwei Meter breit

Für Lastenräder und Anhänger: Karlsruhe will breitere Radwege bauen

Wer mit Anhänger, Ladefläche oder Transportbox unterwegs ist, passt oft nicht durch enge Durchfahrten oder auf schmale Verkehrsinseln. Die Stadt Karlsruhe möchte Abhilfe schaffen.

Manuel Quinting, Sarah Meyer-Soylu und Christian Büttner von der Lastenrad-Initiative testeten schon 2017 verschiedene Lastenrad-Modelle in Karlsruhe. Foto: Marc Winkelmann/ADFC Karlsruhe

Die Stadt fördere Lastenräder, hinkt aber bei den Wegen dafür hinterher: So bringt es Norbert Möllers auf den Punkt. Der passionierte Radfahrer ist viel in der Fächerstadt unterwegs. Schon mit zwei Rädern wird es auf manchen Verkehrsinseln oder schmalen Schutzstreifen zu eng, berichtet er. Richtig schwierig sei es aber, wenn Lastenrad-Fahrer mit noch ein paar Rädern – und vielen Zentimetern Länge oder Breite mehr – unterwegs sind.

Das bestätigt Christian Büttner vom Ausleih-Angebot Lastenkarle. „Alte Radwege sind oft sehr eng, insbesondere wenn sie noch mit auf dem Gehweg sind”, berichtet Büttner. Seltener sei aber die Breite das Problem, sondern eher die Länge der Cargo-Bikes. „Wegen des größeren Wendekreises kommt man um manche Ecken nicht herum oder nicht in enge Einfahrten.” Schon seit vielen Jahren klagen Nutzer von Fahrrad-Anhängern über solche Stellen. Mit der steigenden Zahl von Lastenrädern, die von der Stadt Karlsruhe sogar gefördert wurden, vergrößert sich auch die Zahl der Kritiker.

Optionen für Lastenradler: Querstellen oder in die Straße ragen

Zu enge Verkehrsinseln behindern beispielsweise Lastenkarle-Vorstand Sarah Meyer-Soylu im Alltag häufig. Spontan fällt ihr da die Überfahrt der Durlacher Allee am südlichen Ende der Haltestelle Durlacher Tor ein. „Hier kann man sich, wie an anderen Stellen, oft nur entscheiden sich quer zu stellen und anderen Radfahrern somit Platz wegzunehmen”, sagt Meyer-Soylu. „Oder vorne in die Straße hineinzuragen oder mit dem Hinterteil auf die S-Bahnschienen zu kommen. Beides keine gute Lösung.”

Weitere enge Übergänge kennen Meyer-Soylu, Büttner und Möllers beispielsweise in der Fiduciastraße, bei der Tullastraße, in der Ettlinger Straße, im Hirtenweg, zwischen den Fahrbahnen der Brauerstraße oder in der Elfmorgenbruchstraße.

Schon für ein normales Fahrrad ist die Querungshilfe in der Elfmorgenbruchstraße gerade breit genug. Mit einem Lastenrad wird es richtig eng. Foto: Kirsten Etzold

Auch eine Einfahrt in der Nähe des Alten Jüdischen Friedhofs an der Ostendstraße macht Probleme: „Hier ist es ohne Absteigen und Hochheben des Rades nicht möglich, in den Park mit Spielplatz zu kommen”, so Meyer-Soylu. Gleiches gelte für einige Grünanlagen und Spielplätze in der Südstadt.

Im Stadtzentrum muss ich immer lange nach einem Platz suchen, wo ich das Rad anschließen kann.
Christian Büttner, Lastenkarle

Und sind Lastenrad-Fahrer erst einmal am Ziel angekommen, warten weitere Probleme: „Im Stadtzentrum muss ich immer lange nach einem Platz suchen, wo ich das Rad anschließen kann”, erzählt Christian Büttner. Viele von der Stadt verbaute Abstellanlagen seien „nicht sehr lastenradfreundlich.” Würde er beispielsweise um die Ecke vom Europaplatz an den Fahrradständern der Postgalerie parken, würde er mit seinem langen Zweirad den gesamten Gehweg versperren. „Da müsste man Schrägparkplätze einrichten”, fordert Büttner und verweist auf positive Beispiele aus Berlin.

Tatsächlich haben Städte mittlerweile die Möglichkeit, eine Abstellanlage mit einem Schild – schwarzes Lastenradsymbol auf weißem Grund – für Lastenfahrräder vorzusehen. Dieses Schild allein hat allerdings nur informierenden Charakter, an solchen Stellen dürften auch andere Fahrräder parken.

Die Stadt Karlsruhe plant, reguläre Parkplätze – die bereits mit weißem „P” auf blauem Grund ausgewiesen sind – um das Lastenradschild zu erweitern. Dann dürften dort nur noch Lastenräder abgestellt werden. Allerdings wartet das Rathaus dafür noch auf die Verwaltungsvorschrift zur neuen Straßenverkehrsordnung.

Stadtplaner wollen Wege breiter machen

Schon seit einigen Jahren beobachten die Stadtplaner im Karlsruher Rathaus den Lastenrad-Boom. „Wir haben das als Anlass für eine Neubewertung der Anforderungen für den Radverkehr genommen”, sagt Johannes Schell vom Stadtplanungsamt. Habe früher die Mindestbreite für Radfahrstreifen 1,6 Meter betragen, so würden neue Anlagen nun immer mit einer Breite von mindestens zwei Metern geplant.

Auslöser dafür waren allerdings nicht nur die breiteren Lastenräder, sondern auch die steigende Zahl von Pedelecs, die dazu führt, dass schnelle E-Radler häufiger langsamere Fahrer überholen müssten. Bei zwei Meter Nettobreite soll dafür ausreichend Platz sein.

Pop-up-Radspuren oder Schutzstreifen als Lösung?

Eine Nachrüstung von bestehenden Radwegen ist allerdings schwierig – und dafür Gehwege anzufassen, ist teuer. „Wir müssen uns noch Gedanken machen, wie es im Bestand umzusetzen ist”, sagt Schell. Eine denkbare Möglichkeit sei die Umwandlung von Autospuren in Radspuren, wie es auf der Siemensallee, der Rheinstraße oder auch der Hans-Thoma-Straße denkbar wäre.

Eine andere denkbare Lösung: Bestehende Radfahrstreifen, also benutzungspflichtige Wege mit durchgezogener Linie, in Schutzstreifen umzuwandeln. Diese Spuren, die nur mit gestrichelter Linie von der restlichen Fahrbahn abgetrennt sind, dürfen beim Überholen verlassen werden, falls es ansonsten zu eng wird. „Das müssen wir aber noch bewerten”, stellt Schell klar. Die Stadtplaner hätten noch keine feste Meinung von dieser Möglichkeit.

Es gibt immer wieder Situationen, wo wir nicht anders können, als Kompromisse zu schließen.
Johannes Schell, Stadtplanungsamt

„Manchmal ist der öffentliche Raum zu schmal für alle Nutzungen”, erklärt Stadtplaner Johannes Schell. „Es gibt immer wieder Situationen, wo wir nicht anders können, als Kompromisse zu schließen.”

In der Karlstraße südlich des Karlstors hätte man beispielsweise Gehweg, Fahrbahn und Straßenbahnhaltestelle auf engem Raum unterbringen müssen. Im Ergebnis ist die Haltestelle entlang der Gartenstraße für Lastenradfahrer kaum zu überqueren, weil sogenannte Umlaufgitter im Weg stehen.

Umlaufgitter an Bahnübergängen sollen anders bemessen werden

„Wir müssen solche Umlaufgitter in Zukunft neu bemessen”, räumt Schell ein. Er erinnert aber auch daran, dass nicht jeder Gleisübergang und jede Verkehrsinsel dafür gedacht sind, mit dem Rad überquert zu werden.

Diejenigen, die befahren werden dürfen, werden aber laut Schell in Zukunft so geplant, dass auch Fahrräder mit Anhängern darauf passen. Oder eben Lastenräder.

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