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Krankenhäusern droht in der Corona-Pandemie der Kollaps

Städtisches Klinikum in Karlsruhe schlägt Alarm: Droht der Corona-Kollaps?

Das Städtische Klinikum Karlsruhe schlägt wegen der drohenden Überlastung durch Covid-19-Patienten Alarm. Schon jetzt liegen dort acht Corona-Infizierte auf der Intensivstation. Erste Einschnitte bei der Versorgung anderer Patienten werden vorgenommen.
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Aufgrund der anhaltend hohen Infektionszahlen geht Michael Geißler, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums, davon aus, dass in ein bis zwei Wochen der Katastrophenfall eintreten kann. „Wir müssen jetzt schon bei Herzkatheter-Untersuchungen streichen“, berichtet Geißler. Nur ein schnelles Eingreifen der Politik mit klaren Regeln für die Verteilung von schwerkranken Covid-Patienten im ganzen Bundesgebiet könne die Lage entspannen, sagt Geißler.

„Wir geraten sonst in eine zunehmende Unterversorgung, dahin darf kein Krankenhaus in Deutschland kommen. Aber wir sind kurz davor“, meint er. Damit das Klinikum „nicht zwangsläufig kollabiert“, dürfe es in diesem Winter kein Tabu sein, dass Covid-Intensivpatienten aus Karlsruhe und der Region mit dem Hubschrauber zu freien Betten in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein transportiert werden.

Kritik an der Politik

Er kritisiert auch Politiker, die von anhaltend großen Kapazitäten bei den Intensivbetten in Deutschland für Covid-Kranke sprechen. Sie ließen völlig außer acht, dass der überwiegende Teil dieser Betten weiter für Herzinfarktpatienten oder Krebskranke zur Verfügung stehen müsse. Wenn aber 40 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt würden, breche die Maximalversorgung in den Krankenhäusern zusammen. Derzeit liegt man im Klinikum bereits bei 20 Prozent. Im ganzen Klinikum hat man aktuell 43 Intensivbetten. In einer weiteren Ausweitung der Covid-Behandlung kann man 67 Intensivbetten, im äußersten Notfall 77 Betten bereitstellen.

Begrenzender Punkt ist dabei aber auch besonders der Mangel an Intensivpflegekräften. Und die Behandlung ist extrem personalintensiv. Man rechnet mit drei Kräften für die Betreuung eines Patienten rund um die Uhr. Wenn man aber die Intensivbetten zu 40 Prozent mit Covid-Patienten belegen müsse, „dann läuft sonst nichts mehr“, macht der Experte klar. Und das dürfe nicht sein, weil ethisch nicht vertretbar.

Momentan hat das Klinikum 32 stationäre Covid-Patienten, darunter acht in Intensivbetten. „Schon bei zehn wird die Stufe drei getriggert, und die Katastrophe ist da“, warnt er. „Zehn bis 15 Prozent der Covid-Patienten im Krankenhaus kommen nach rund zwei Wochen auf die Intensivstation und dort bleiben sie im Schnitt drei Wochen“, ergänzt Martin Bentz, Klinikdirektor der Infektiologie. Bereits jetzt sind drei Normalstationen mit Covid-Patienten belegt.

Gegen rasche Lockerungen

Klinikum-Chef Geißler befürwortet unbedingt ein Festhalten am Teil-Lockdown zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Wenn man zu früh Lockerungen vornehme, „dann garantiere ich, dass der Spuk nach Weihnachten und Silvester wieder los geht, und dann schlimme als zuvor“, sagt er. Der Experte meint, „wir müssen den ganzen Winter durch“ mit der Pandemie kämpfen.

Der Anstieg der Corona-Infektionen spiegelt sich auch in den Patientenzahlen der ViDia Kliniken Karlsruhe wider. Am Freitag wurden 48 Covid-Patienten stationär behandelt, „davon sechs Patienten auf der Intensivstation, von ihnen sind fünf beatmungspflichtig“, berichtet ViDia-Sprecherin Melanie Barbei. „In unserem Krisenstab haben wir die Eskalationsstufe zwei beschlossen und einzelne Stationen zu Isolierbereichen für Corona-Patienten umgewandelt“, erklärt Karl-Jürgen Lehmann, Vorstand der ViDia Kliniken.

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