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Viele Covid-Patienten

Corona-Lage in Karlsruhe bleibt ernst: Kliniken fordern dringend finanzielle Unterstützung

Die Zahl der Intensivbetten wird knapp – zulasten der Non-Covid-Patienten. Nicht notwendige OPs werden verschoben. Das Personal in den Karlsruher Kliniken befindet sich in einem „ethischen Dilemma“. Jetzt fordern die Verantwortlichen Unterstützung.

Intensivbetten werden knapp: Vor allen in der jüngeren Bevölkerung steigt die Zahl der Covid-19-Fälle. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

„Als Infektiologe hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass wir – trotz Impfung – in der gleichen Lage wie vor einem Jahr sind. Die Sterblichkeit liegt aktuell bei 36 Prozent. Das ist draußen noch nicht ganz angekommen“, beklagt Michael Geißler, der Medizinische Direktor des Städtischen Klinikums, am Freitagvormittag die aktuelle Corona-Lage beim Bulletin.

Eher sei die Klinik – momentan in Pandemiestufe 3 – noch schlechter dran, obwohl fast 67 Prozent gegen Covid-19 geimpft seien. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet für den Freitag mit 37.120 Neuinfektionen, vorwiegend in den jüngeren Bevölkerungsgruppen, einen neuen Höchstwert am zweiten Tag in Folge.

Ein sprunghafter Anstieg sei bei der 7-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe zwischen zehn und 14 Jahren von 240 auf 365 und in den Altersgruppen zwischen fünf und 24 Jahren sowie zwischen 40 und 44 Jahren von über 200 jeweils pro 100.000 Einwohner zu beobachten. In Karlsruhe beträgt der Inzidenzwert 143,6, im Landkreis 185,7.

Städtisches Klinikum Karlsruhe ist in der aktuellen Corona-Welle stark belastet

„90 Prozent Ungeimpfte liegen auf den Intensivstationen, deshalb Druck machen und 2G-Modell einführen“, so Geißler weiter, der sich dringend für eine höhere Impfrate ausspricht. Im Cluster Karlsruhe seien nur noch acht von 158 Intensivbetten frei, was zulasten der Non-Covid-Patienten ginge. Bei denen würden – wie in der Vergangenheit – nicht notwendige OPs verschoben. In Baden-Württemberg sei jeder fünfte auf Intensivstationen ein Covid-Patient.

Wir sind stark belastet und fordern zeitnah Unterstützung.
Michael Geißler, Städtisches Klinikum

Von der Landesregierung sei es „nicht gewünscht“, Covid-Patienten ins Nachbarland Rheinland-Pfalz nach Landau oder Ludwigshafen zu verlegen. Grund sei eine Art Prestige-Gedanke im Sozialministerium, „es auch so hinzubekommen“. Geißler warnt: „Wir sind stark belastet und fordern zeitnah Unterstützung, auch außerhalb des Clusters Patienten verlegen zu können.“

Notaufnahme in Karlsruhe wird mit Patienten überrollt

Pflegedirektorin Elvira Schneider fehlen derzeit 22 Pflegekräfte – „eine Abwärtsspirale“. Sie schildert ein „ethisches Dilemma“: einerseits den ungeimpften Mensch zu versorgen, der andererseits einem Non-Covid-Patienten das Bett wegnehme. Mit einem neuen Personalkonzept versuche sie, finanzielle Anreize zu schaffen. In der Entgeltstufe P8 ergebe das einen Zusatzverdienst von rund 700 Euro. 30 Rückmeldungen lägen bereits vor.

„Unsere Notaufnahme wird derzeit mit 5.000 Patienten monatlich überrollt von Menschen mit leichter Erkältung, was zulasten schwerer Fälle geht“, benennt Geißler einen Trend. Und appelliert: „Gehen Sie bei Schnupfen bitte zum Hausarzt.“ Zudem entstünden der Klinik als Maximalversorger mit hohen Vorhaltekosten finanzielle Defizite. „Wir brauchen finanzielle Hilfe von Bund und Land“, so Geißler.

Kliniken in Karlsruhe fordern finanzielle Unterstützung

Auch Karl-Jürgen Lehmann, Vorstandsmitglied der ViDia Kliniken, fordert von der Politik „Mehrkosten zu refinanzieren“. Zudem träfen 26 nachgewiesene Covid-Patienten auf eine reduzierte Personalbesetzung, die in der lang andauernden Pandemie mit wiederkehrender Mehrarbeit und Überlastung erschöpft sei. Lehmann appelliert an die Bevölkerung, das Angebot der Booster-Impfung anzunehmen. Nur mit einer ausreichend hohen Immunität lasse sich das Infektionsgeschehen in der Region eindämmen.

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