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Gedenkfeier im Gymnasium

Elf neue Stolpersteine erinnern an Schicksale von Karlsruher Juden

Knapp 300 Stolpersteine sind in Karlsruhe bereits verlegt worden – jetzt sind es elf mehr. Die neuen Messingplatten sollen die Geschichte von Karlsruher Juden für die Nachwelt erhalten.

In der Hirschstraße verlegt der Kölner Künstler Günther Demning die Stolpersteine vor dem Haus, in dem einst der jüdische Fabrikant Jakob Elias Kopilowitz mit seiner Familie wohnte. Foto: Jörg Donecker

Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt, das der Kölner Künstler Günter Demnig 1992 gestartet hat. Vor Häusern, in den Opfer des Nationalsozialismus wohnten, werden Messingplatten mit Namen und biografischen Daten in den Boden eingelassen.

Knapp 300 dieser Gedenktafeln sind bisher in Karlsruhe installiert worden, am Montagvormittag konnte Demnig elf weitere verlegen. Einer der Standorte ist das Haus Hirschstraße 101, vor dem es eine kleine von Schülern gestaltete Feierstunde gab.

Die Steine erinnern daran, dass hier der jüdische Fabrikant Jakob Elias Kopilowitz mit seiner Ehefrau Sophie wohnte. Das Ehepaar wurde 1940 in das Lager Gurs und zwei Jahre später nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Nachkommen von Opfer des Nationalsozialismus kommen zur Verlegung der Stolpersteine

Dem Sohn Kurt Theodor war 1934 die Flucht nach Palästina gelungen, wo er eine Familie gründet. Zu Verlegung der Stolpersteine waren nun seine beiden Töchter Asgad Alster und Yael Blankstein mit Kindern und Enkeln aus Israel nach Karlsruhe gekommen.

Wir sind total überwältigt, dass so viele Menschen, vor allem junge gekommen sind.
Eyal Kashdan, der Ehemann einer Enkelin

Wie emotional bewegend die Angehörigen die Feierstunde empfanden, beschreibt Eyal Kashdan, der Ehemann einer Enkelin von Theodor: „Wir sind total überwältigt, dass so viele Menschen, vor allem junge gekommen sind. Beide Länder müssen unsere Geschichte und das Schicksal der Familien kennen, dann haben wir auch eine gute gemeinsame Zukunft.“

Die Initiative, dass in Karlsruhe nach längerer Zeit wieder Stolpersteine verlegt wurden, war von der Brettener Altstadträtin Heidemarie Leins ausgegangen. Sie hatte den Kontakt zur Familie Kopilowitz hergestellt und in Karlsruhe Mitstreiter gefunden.

Dirk Lundberg, Lehrer am Kant-Gymnasium, gründete zusammen mit seiner Kollegin Barbara Groß eine Projektgruppe mit 13 Schülerinnen und Schülern der elften Klasse, die mit Unterstützung des Stadtarchivs das Leben der Betroffenen recherchierten. Zudem nahm die Gruppe im Vorfeld per E-Mail den Kontakt mit den Familien auf.

Verlegung weiterer Stolpersteine in Karlsruhe: Bürgermeister lobt Engagement der Schüler

Zur eigentlichen Begegnung zwischen den Angehörigen und den Schülern hatte Schulleiterin Gabriele Rupp am Nachmittag in die Aula des Kant-Gymnasiums eingeladen. Gemeinsamer Tenor aller Redebeiträge war der Dank an die Beteiligten für ihr großes Engagement.

Wir sehen uns verpflichtet, Verantwortung für die Erinnerung zu übernehmen.
Albert Käuflein, Bürgermeister

Solange Rosenberg, die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, fand es mehr als erwähnenswert, dass 76 Jahre nach dem Ende des Unrechtsstaats Lehrer, Schülerinnen und Schüler bereit sind, sich zu erinnern und zu mahnen. Bürgermeister Albert Käuflein (CDU) sieht in der Aktion ein gutes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement: „Wir sehen uns verpflichtet, Verantwortung für die Erinnerung zu übernehmen und jeglichem Vergessen entgegenzutreten.“

Dass dies Botschaft angekommen ist, bestätigte die Schülerin Julia Buchhammer: „Wir unterstützen die demokratische Gedenkkultur, um den Familien der Opfer wenigstens symbolisch etwa zu geben und wir wollen eine friedliche Zukunft gestalten.“ Am Dienstagabend wird Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) die Gäste aus Israel bei einem Empfang im Haus Solms begrüßen.

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