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Varianten werden diskutiert

Streckensuche beim Radschnellweg zwischen Karlsruhe und Ettlingen gestaltet sich schwierig

Durch Wohngebiete oder auf der grünen Wiese: Die Suche nach einer passenden Route für den Radschnellweg zwischen Karlsruhe und Ettlingen ist kein einfaches Unterfangen. Gegen jede der möglichen Varianten gibt es Bedenken.

Konfliktfeld: Die Straße Links der Alb wird von Radlern und Autofahrern genutzt. Der ADFC fordert deshalb den Bau eines Schnellwegs auf dem Grünstreifen. Foto: Jörg Donecker

Wer vom südlichen Fuß der Weiherfeldbrücke mit dem Fahrrad nach Ettlingen will, hat bislang die Qual der Wahl. Entweder über die Neckarstraße aus Weiherfeld hinaus und dann an den Hofläden vorbei in Richtung Bahngleise. Oder die Alb überqueren und dann über den Dammerstock und die Lange Straße in Rüppurr nach Süden.

„Die meisten Radfahrer fahren aber auf Weiherfelder Seite die Alb entlang und dann über den Friedhof Rüppurr nach Ettlingen“, sagt Moritz Dekorsy vom ADFC Karlsruhe. Deshalb sei die Strecke über die Straße „Links der Alb“ sowie den Reiherbach und die Felder für die Interessenvereinigung der Karlsruher Radfahrer derzeit auch die favorisierte Route für den geplanten Radschnellweg zwischen Ettlingen und Karlsruhe.

Für das Regierungspräsidium Karlsruhe ist diese Streckenführung nach den Erkenntnissen einer Machbarkeitsstudie ebenfalls die bevorzugte Variante. Entschieden ist aber noch nichts, denn derzeit werden beim Scoping-Verfahren die Vor- und Nachteile mehrerer möglicher Schnellweg-Varianten geprüft.

Bis Anfang Juli kann man Einwände einreichen

Noch bis 1. Juli können Bürger und Verbände Einwände einreichen und ihre Stellungnahme zu den einzelnen Vorschlägen abgeben. Die westliche Route führt über die Donaustraße an den Bahngleisen entlang nach Ettlingen, die östliche über die Straße „Rechts der Alb“ durch den Dammerstock und Rüppurrer Wohngebiete.

Radschnellweg zwischen Karlsruhe und Ettlingen. Foto: BNN

Dazu gibt es noch eine Variante über Wehrastraße und Gottlob-Schreber-Weg zum Bahndamm sowie die vom ADFC favorisierte Streckenführung. Von der Gemarkungsgrenze zwischen Karlsruhe und Ettlingen, wo alle Varianten münden, geht es dann entlang der Bahngleise zum Bahnhof Ettlingen-West.

Nicht alle Optionen erfüllen die Vorgaben für Radschnellwege

Dekorsy vom ADFC begründet seine Auswahl vor allem mit den Vorgaben an einen Radschnellweg. „Ein solcher Weg braucht eine eigene Fahrbahn, muss kreuzungsfrei sein und möglichst gerade zum Ziel führen. Das kann nicht bei allen Varianten erreicht werden“, sagt der Radschnellweg-Experte.

Die Straße „Links der Alb“ etwa könne nicht Radschnellweg sein. Deshalb müsse parallel dazu eine spezielle Fahrspur für Radler gebaut werden. „Der Grünstreifen zwischen Straße und Alb ist 125 Meter breit. Da gibt es noch genügend Platz für fünf Meter Radweg“, argumentiert Dekorsy.

ADFC lehnt Schnellwege durch Karlsruher Wohngebiete ab

Einen Radschnellweg auf einer Autostraße lehnt der ADFC wegen der programmierten Konflikte mit dem motorisierten Individualverkehr generell ab. Schon wenige Autos pro Stunde könnten brenzlige Situationen verursachen und den Radverkehr ausbremsen.

Und die Autos von den Straßen zu verbannen, sei wegen der Anlieger in den benachbarten Häusern nicht möglich. Deshalb sieht der ADFC Streckenführungen entlang der Donaustraße oder durch Rüppurrer Wohngebiete skeptisch.

Außerdem seien die beiden scharfen 90-Grad-Kehren bei der möglichen Wegführung von der Weiherfeldbrücke in die Donaustraße kaum mit den Zielen eines Radschnellwegs vereinbar, so Dekorsy.

Fußgänger brauchen separate Wege

Für dieselbe Variante wie der ADFC plädiert Jens Görisch vom Grünen-Ortsverband Weiherfeld-Dammerstock. Eine Schnellverbindung entlang der Bahngleise habe zwar ebenfalls einen gewissen Charme, so Görisch, doch dafür müssten zahlreiche Kleingärten geopfert werden. „Natürlich geht auch bei anderen Routen immer etwas Fläche verloren“, betont Görisch.

Außerdem dürfe der Bau eines Schnellwegs auf keinen Fall zu Lasten der Fußgänger gehen. Deshalb müssten beim Ausbau bestehender Wege zur neuen Radroute parallel auch Wege für Fußgänger errichtet werden. Kein einfaches Unterfangen, weiß Görisch. „Aber es ist eine Investition in die Zukunft und ein Beitrag zur Mobilitätswende.“

In den kommenden Jahren sollen schließlich möglichst viele Menschen ihr Auto stehen lassen und stattdessen mit Fahrrädern oder Pedelecs von Ettlingen nach Karlsruhe pendeln. Es ist eine der landesweit vielversprechendsten Strecken dafür.

Bürgerverein will Grünstreifen an der Alb erhalten

Gegenwind erhalten ADFC und Grüne aus dem Bürgerverein Weiherfeld-Dammerstock. Der Vorstand sei mehrheitlich gegen eine Zerschneidung des Albgrüns im Wohngebiet und favorisiere deshalb die Variante über die Donaustraße, sagt der Vereinsvorsitzende Joachim Hornuff.

Außerdem sei die Albbrücke bei der Nürnberger Straße eine viel genutzte Verbindung von Weiherfeld nach Rüppurr und deren Untertunnelung mit einem Schnellradweg nur schwer vorstellbar.

Eine Radschnellverbindung entlang des Reiherbachs hält Hornuff aus ökologischen Gründen ebenfalls für nicht sinnvoll. Dort gebe es wegen des gebotenen Abstands zum Gewässer nur wenig Platz und schon heute regelmäßig Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern.

BUND will zusätzliche Varianten prüfen lassen

Ein Radweg entlang des Reiherbachs ist auch für Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe vom BUND Mittlerer Oberrhein nicht die bestmögliche Wahl. „Natürlich muss für den Radweg Fläche versiegelt werden“, stellt Weinrebe klar. „Und das muss uns die Mobilitätswende auch wert sein.“

Trotzdem müssten die positiven Auswirkungen für den Radverkehr und die negativen für den Umweltschutz in Einklang gebracht werden. „Eigentlich sollte die Prüfkulisse erweitert werden“, appelliert Weinrebe. Bisher vermisse er die Möglichkeit für den Rückbau einer Autospur auf der Bad Herrenalber Straße zu einem Radschnellweg sowie die Anbindung der Weiherfeldbrücke über Neckarstraße und Scheibenhardter Allee.

Bei seinen Vorschlägen ließ sich Weinrebe vom Fahrradland Niederlande inspirieren. Dort wurde der Ausbau eines viel beachteten Radwegenetzes durch den Umbau von Autostraßen vorangetrieben.

Wie geht es weiter in die Karlsruher Innenstadt?

Görisch und Dekorsy denken ebenfalls schon einen Schritt weiter und beschäftigen sich bereits mit der Anbindung des Schnellwegs ans innerstädtische Karlsruher Radverkehrsnetz. Bislang endet die Trasse am Fuß der Weiherfelder Brücke. Über die Brücke können Südtangente und Alb überquert werden. Und dann?

Die Stadt will zwar eine Ringroute rund um die Innenstadt bauen, doch wann diese kommt und wo sie genau verläuft, steht noch in den Sternen. Görisch bringt deshalb eine Verlängerung des Radschnellwegs über den Albtalbahnhof und dann auf oder neben der Beiertheimer Allee direkt in die Innenstadt ins Spiel. Dekorsy fordert dazu noch eine Weiterführung über die Günther-Klotz-Anlage Richtung Nordwesten.

Ettlingen will Industriegebiet anbinden

Auch in Ettlingen ist man mit dem Start- und Zielpunkts des Schnellwegs am Bahnhof noch nicht komplett einverstanden. „Wir wollen nicht, dass die Leute von der Bahn aufs Fahrrad umsteigen, sondern dass sie ihr Auto stehen lassen“, sagt Wassili Meyer-Buck. Deshalb hat der Leiter des Ettlinger Planungsamts während des Scoping-Verfahrens die Verlängerung des Schnellwegs ins Industriegebiet Ettlingen-West beantragt.

Pläne für eine gute Anbindung weiterer Ettlinger Quartiere und Stadtteile liegen ebenfalls bereits in Meyer-Bucks Schublade.

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