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Trotz steigender Fallzahlen

Alkoholverbot am Karlsruher Werderplatz bleibt für weitere zwei Jahre bestehen

Das sommerliche Alkoholverbot soll helfen, die Kriminalität in der Südstadt einzudämmen. Das gelingt nur bedingt, wie die Zahlen zeigen. Am Verbot wird dennoch vorerst nicht gerüttelt – auch wegen einer gewissen Ratlosigkeit im Rathaus.

In der Wintersonne trinken einige Männer bereits am frühen Nachmittag Bier auf dem Werderplatz. Im Sommer ist das tagsüber verboten. Foto: jodo

Von April bis Oktober ist werktags zwischen 11 und 20 Uhr das Trinken von Alkohol auf dem Werderplatz in der Karlsruher Südstadt untersagt. Das bleibt auch weiterhin so: Der Hauptausschuss hat am Dienstag die Beibehaltung des Verbots bis zum Herbst 2023 beschlossen.

Lüppo Cramer (KAL/Die Partei) stimmte als einziger gegen den Vorschlag der Verwaltung, die weitere Entwicklung am Werderplatz mit den bisher gültigen Regeln abzuwarten und im nächsten Jahr erneut zu evaluieren. „Wir haben befürchtet, dass sich die Gesamtsituation nicht wesentlich verbessert und das zeigt sich ja auch“, so Cramer.

Tatsächlich war die Zahl der Straftaten mit und ohne Alkoholeinfluss im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 stark angestiegen. Es finde eine Verlagerung der Szene statt, so Cramer.

Ratlosigkeit im Rathaus: Wie kriegt man die Kriminalität vom Werderplatz weg?

Der „erste Effekt“ des im Jahr 2018 beschlossenen Alkoholverbots sei positiv gewesen, betonte Friedemann Kalmbach (FW/FÜR), im vergangenen Jahr habe es jedoch eine Rückwärtswelle gegeben.

Genau wie Kalmbach sprach auch Lukas Bimmerle (Linke) von einer Ratlosigkeit, wie man den Werderplatz weiter befrieden und Straftaten verhindern könnte. Er enthielt sich als einziger. „Uns ist wichtig, dass das Verbot kein permanenter Zustand für zwei Jahrzehnte wird“, appellierte Bimmerle.

Lob bekam das Konzept der Stadtverwaltung von Grünen, SPD, CDU und FDP. Grünen-Stadträtin Jorinda Fahringer hob vor allem die Mischung aus Alkoholverbot auf der einen Seite und dem Alkoholkonsumraum A³ hervor: „Das zeigt, wie sinnvoll die Kombination aus Ordnungspolitik und Sozialarbeit ist.“

Laut Yvette Melchien von der SPD sprechen die Deliktzahlen nicht dafür, das Alkoholverbot auszuweiten, sondern es in seiner jetzigen Form beizubehalten. Dem schlossen sich auch Detlef Hofmann (CDU) und Thomas H. Hock (FDP) an – wobei letzterer die Verlagerung des Polizeipostens in die Augartenstraße 2015 kritisierte.

„Aus unserer Sicht war es ein Fehler, den Posten am Werderplatz abzuschaffen. Nun ist die Frage, ob man darüber nicht noch mal nachdenken kann.“ Die Situation auf dem bei Alkoholabhängigen und Drogensüchtigen beliebten Platz sei schließlich trotz sommerlichen Trinkverbots „nicht ok“.

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