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Obdachlose suchen Zuflucht

Aus verlassenen Gartenhütten in Karlsruhe raucht es noch immer

Die Kleingarten-Anlage südlich der Stuttgarter Straße steht zu großen Teilen leer. Zuletzt verstecken sich dort Obdachlose. Doch jetzt schreitet die Stadt ein, weil sie das Areal für über 70 Millionen Euro neu gestalten will.

Vor dem Abriss: Die Hütten in den ehemaligen Kleingärten an der Stuttgarter Straße müssen weichen. Noch haben in einigen davon allerdings Obdachlose Zuflucht gesucht. Foto: Bernhard Frey

Aus den Kaminen einiger Gartenhütten am südwestlichen Ende der Stuttgarter Straße raucht es zur Zeit immer wieder einmal. Eigentlich sind die Kleingärten seit Jahren verlassen, die ehemaligen Besitzer längst ausgezogen. Das Gartenbauamt hat vor Kurzem mit dem Abriss begonnen.

In den Hütten hatten in den vergangenen Monaten allerdings Obdachlose Zuflucht gesucht. Lange wurde das von der Stadtverwaltung geduldet. Jetzt muss sie handeln. Die Polizei hat sie schon eingeschaltet.

Die Bauleitung habe die Bewohner der Hütten schon im Sommer auf die Gefährlichkeit und Unrechtmäßigkeit ihres Handelns hingewiesen, sagt die städtische Pressesprecherin Helga Riedel. Aufgrund der Lebenssituation der Betroffenen sei man bis zum Beginn der Abrissarbeiten nicht eingeschritten.

Viele Anwohner und Passanten hatten sich zuletzt gewundert, warum sich in dem eigentlich abgezäunten Gelände Menschen aufhalten. „Es sieht aus wie in einem Slum“, sagt einer im Gespräch mit den BNN.

Sozialarbeiter suchen andere Unterkünfte, Stadt stellt vorsorglich Strafantrag

Seit vor rund einem Monat an der Stuttgarter Straße die Bagger rollen, hat sich die Lage auf dem Gelände grundlegend verändert. Das Gartenbauamt ist dabei, im zweiten von drei Bauabschnitten zur millionenschweren Neugestaltung des ehemaligen Kleingarten-Areals Bäume und Sträucher zu fällen und die Gartenhütten abzureißen. Man habe die angetroffenen Personen „eindringlich auf die Gefährdung hingewiesen und zum Verlassen des Geländes aufgefordert“, so Riedel.

In den nächsten Tagen wird die Sozial- und Jugendbehörde der Stadt Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen. Man wolle Lösungen besprechen und alternative Unterbringungsmöglichkeiten anbieten.

Für den Fall, dass sich manche trotzdem weigern, die Hütten zu verlassen, ist die Stadt aber vorbereitet. Sie hat Strafantrag gestellt. „Damit besteht eine rechtliche Handhabe für die Polizei, die unrechtmäßigen Bewohner zur Vermeidung körperlicher Schäden von der Fläche zu weisen“, erklärt Riedel.

Der Abriss der von den ehemaligen Besitzern oft aus unterschiedlichen Baustoffen zusammengeschusterten Hütten stellt das Gartenbauamt vor Herausforderungen. Getrennt nach Material stapeln sich auf dem Gelände mehrere Schutthaufen, die auf ihre Entsorgung warten. In den nächsten Wochen will man die Oberfläche komplett reinigen, danach stehen Boden- und Kampfmittelarbeiten an.

Später sollen dort über 200 neue Kleingarten-Parzellen entstehen. Im östlichen Bereich wird die ESG Frankonia ein neues Vereinsgelände bekommen. Das Projekt soll rund 74 Millionen Euro kosten und Ende 2024 abgeschlossen sein.

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