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Bauprojekt

Alte Dampfschreinerei in der Karlsruher Südweststadt wird zum Coworking-Space

Mitten in der Karlsruher Südweststadt steht ein ungewöhnliches Bauwerk: Eine alte Dampfschreinerei. Die soll nun endlich einen neuen Sinn verpasst bekommen - und dabei doch ihren Charme behalten.

Ein Stück Stadtteilgeschichte: Die alte Dampfschreinerei in der Roonstraße wurde um 1900 errichtet. Nach verschiedenen Nutzungen die vergangenen 120 Jahre wird sie nun umgebaut. Das Bild zeigt den Zustand vor dem Beginn der Bauarbeiten im Juni 2019 Foto: Swen Carlin

Versteckt, mitten in der Südweststadt, stößt man auf ein von seiner baulichen Anordnung her kurioses, ungewöhnliches Bauwerk. Die Baustelle auf dem Gelände über der Roonstraße/Klauprechtstraße/Ecke Boeckhstraße verspricht Zukunft. Hier in der Roonstraße 23 a befindet sich die Alte Dampfschreinerei aus dem Jahr 1900.

Der Industriecharme der alten Fabrik habe ihn fasziniert, sagt Dirk Siebels, Architekt mit Schwerpunkt Städtebau. Er ist der Projektentwickler der „Alte Dampfschreinerei GmbH & Co. KG“, die Eigentümerin des Gebäudes ist. Seit August des vergangenen Jahres wird das Gebäude umgebaut. „Als wir uns über mögliche Nutzungen Gedanken gemacht haben, kamen wir auf das Thema Coworking. Wir fanden, das Gebäude mit seinem Industriecharme, der dem des Areals Alter Schlachthof ähnelt, ruft geradezu danach“, so Siebels. „Die großen Räume, die rauen Materialien und die spürbare Geschichte regen die Kreativität an, genau das Richtige für Coworker.“

Elementar im Coworking-Space sind Orte für den Austausch untereinander. So gibt es von kleinen Kommunikationsinseln über Besprechungsräume unterschiedlichster Größe bis zum multifunktionalen Veranstaltungsbereich ein breites Angebot. „Auch einen separaten Gastronomiebetrieb wird es geben, sodass man morgens im Bistro einen Kaffee trinken, später sein Mittagessen bestellen und abends, wenn man möchte, noch ein Glas Wein trinken kann“, berichtet Siebels.

Dreh- und Angelpunkt ist der Hof mit seinen Eingängen. „Vom Baukonzept her haben wir geschaut, dass wir den Industriecharme ganz vorsichtig herausarbeiten. Wir spielen sehr mit dem Gegensatz von rauen Materialien und moderner Technik. Vieles sieht sehr alt aus, ist aber hoch technisiert. Um die Arbeitszeit interessant zu machen und auf individuelle Wünsche eingehen zu können, wollen wir möglichst viele Atmosphären schaffen“, so Siebels.

Betritt man die verschiedenen Ebenen des im Umbau befindlichen Gebäudes, bekommt man davon unmittelbar einen Eindruck. Jedes Stockwerk versprüht seinen eigenen Esprit und seine eigene Atmosphäre. Unverputzte Wände, sichtbare Stützen und ein eingefärbter Sicht-Estrich, von der Oberfläche her fein geschliffen und versiegelt, unterstreichen den Industriecharme. „Wir wollen einen Ort anbieten für Inspiration und Kooperation“, berichtet Siebels weiter.

Viel Arbeit: Künftig soll der alte Speicher ganz oben in der Fabrik mit hellen Oberflächen ganz abstrakt gestaltet werden. Dort soll man wie in einer Bibliothek oder einem ruhigen Wohnzimmer sitzen können Foto: Swen Carlin

Einst hatte Ludwig Meinzer, damals noch mit seinem Baugeschäft in der Gartenstraße ansässig, den gesamten Block gekauft und in der Mitte die „Schreinerei und Glaserei mit Dampfbetrieb“ errichtet. „Ein paar Jahre später ab etwa 1904 und 1905 ist die Südweststadt drum herum gewachsen“, schildert Siebels die städtebaulichen Entwicklungen.

Nachdem die Erben des früh verstorbenen Ludwig Meinzer das Unternehmen nicht weiterführen konnten, stand die Fabrik zunächst leer. Hier fand das Baugeschäft „Billing und Zoller“ vorübergehend eine neue Heimat, da deren Fabrik in der Südstadt einem Großbrand zum Opfer gefallen war. Von 1912 bis 1957 befand sich dann die von J. B. Rombach gegründete Firma zur Herstellung von Gaszählern, die J.B. Rombach GmbH, im Gebäude.

Das Gebäude haben Siebels und seine Kollegen energetisch saniert. Ein Nachbar hatte in dem Zusammenhang den Kontakt zum Naturschutzbund (Nabu) hergestellt.

Nistkästen für Fledernäuse und Vögel

Dabei kam die Idee auf, an den Dächern Nistmöglichkeiten für Fledermäuse und Mauersegler zu schaffen. Weil heutzutage neue Dächer winddicht sein müssen, stehen weniger Ritzen und Verstecke als Nistmöglichkeiten für die Tiere zur Verfügung. Der Nabu wird hier neue Nistmöglichkeiten schaffen und zwar deutlich mehr als vorher.

Helmut Leopold hat entsprechende Nistkästen entworfen und wird diese aufbauen. Dieser ermutigt Gebäudebesitzer, Architekten, Baufirmen und Wohnbaugesellschaften, dass diese „ohne jeden Aufwand mit einem Gerüst am Haus die Bemühungen des Nabu zum Schutz und Erhalt der Biodiversität unterstützen“ könnten. „Die vielen Sanierungen von alten Gebäuden müssen nicht angemeldet werden, ergo bekommen die Gebäudebesitzer keine Informationen zum Thema Artenschutz an Gebäuden überreicht.“ So legt er nahe, sich umgehender zum Thema zu informieren, damit „nicht jedes Jahr weiterhin unzählige lang genutzte Nistplätze zerstört werden – ohne Sanktionen.“

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