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Im Ausland springen oft Sponsoren ein

Teure Kulturbauten: Nicht nur in Karlsruhe galoppieren die Kosten davon

In Karlsruhe fürchten Kommunalpolitiker einen neuen Kostensprung bei Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters. Andernorts sah und sieht es bei vergleichbaren Projekten nicht anders aus.

Privat finanziert: In Kopenhagen wurde im Januar 2005 nach vier Jahren Bauzeit die 350 Millionen Euro teure neue Oper eröffnet. Foto: Lars Schmidt

Bei der einst mit 490 Millionen Euro kalkulierten Kombilösung haben sich die Kosten im Bau bis heute verdreifacht.

Bei der Erweiterung und Sanierung des Badischen Staatstheaters wird indessen schon vor dem richtigen Baustart deutlich, dass dieser Faktor nicht reicht: Nach Sprüngen von 125 auf 325 und weiter auf 500 Millionen Euro in der Planung ist klar, dass absehbar ein weiterer Batzen obendrauf kommt.

Karlsruhe steht mit diesem Phänomen nicht alleine da. Landauf, landab gibt es Beispiele für ähnliche Preisexplosionen.

Köln

„Es dauert länger. Und es wird nochmals teurer.“ Es ist erst wenige Tage her, dass Köln mit diesen Fakten zur Sanierung der Bühnen für Schlagzeilen sorgte – mitten im Baugeschehen wohlgemerkt.

Die Arbeiten starteten im Sommer 2012, damals rechnete man mit Kosten in Höhe von 250 Millionen Euro und einer Wiedereröffnung von Opernhaus und Schauspielbühne im Jahr 2015. Daraus wurde nichts. Nach mehreren Preissprüngen geht man nun von einem Neustart 2024 aus und kalkuliert Ausgaben von bis zu 644 Millionen Euro. Wie in Karlsruhe sind dabei die Kosten für die Interimslösung nicht enthalten.

Noch etwas kommt in Köln dazu: Rechnet man nämlich die Finanzierungskosten von 260 Millionen Euro hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten auf 878 Millionen Euro.

Rückblickend spricht man in Köln von „eklatanten Fehlleistungen“ in den ersten drei Jahren der Generalüberholung. Große Teile der technischen Ausrüstung mussten wieder ausgebaut werden. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zieht eine Lehre für die Zukunft: „Erst planen, dann bauen.“

Gefragt, ob die Stadt in Anbetracht dieser Kosten Oper und Schauspiel überhaupt noch brauche, antwortete sie: „Ich sage Ihnen mit voller Überzeugung: Ja, Köln braucht Oper und Schauspiel.“ Auch wenn die Bühnen nicht glänzten wie die Elbphilharmonie, würden sie doch strahlen.

Hamburg

Kräftig nach oben kletterten im Bauprozess auch in Hamburg die Kosten für die Elbphilharmonie, die jedoch kein reiner Kulturbau ist: Es sind Eigentumswohnungen und ein Hotel integriert.

Damit können Einnahmen erzielt werden und es gibt andere Möglichkeiten, die Finanzierungskosten zu verteilen. Grundsteinlegung war im Frühjahr 2007. Damals kalkulierte die Stadt mit Kosten in Höhe von 272 Millionen Euro. In den Folgejahren kam es zu Auseinandersetzungen mit Vertragspartnern.

Nachtragsverhandlungen führten zu einem Preissprung auf 495 Millionen Euro. Im April 2013 war nach weiteren Problemen auf dem Bau eine Neuordnung des Projekts nötig. Am Ende landete man durch diese Veränderung bei 789 Millionen Euro. Ende 2016 wurde die Elbphilharmonie an die Stadt übergeben.

Stuttgart

Nicht nur im hohen Norden, auch in der Landeshauptstadt Stuttgart galoppieren die Kosten davon, bevor es überhaupt losgeht. Dort beziffert man die Sanierung des Opernhauses inzwischen mit einer Milliarde Euro.

Auf das Opernhaus mit moderner Bühnentechnik entfallen 260 Millionen Euro, der Neubau des Kulissengebäudes schlägt mit 200 Millionen Euro zu Buche, Umstrukturierung und Öffnung bestehender Gebäude sollen 90 Millionen Euro kosten. Das macht 550 Millionen Euro. Man wolle aber mit „realistischen Annahmen“ an die Sache rangehen, heißt es in Stuttgart.

Deshalb kalkulierten Fachleute des Landes, was bei einem so großen Projekt an Unwägbarkeiten kommen kann. Ihrer Rechnung nach sind das 165 Millionen Euro zusätzlich. Baukostensteigerungen kommen kalkuliert auf zehn Jahre mit 243 Millionen Euro hinzu. Das macht dann rund 960 Millionen Euro.

Damit der Betrieb auch während der Bauzeit möglich ist, braucht es für die Aufführungen von Oper und Ballett und die 1.400 Arbeitsplätze eine Übergangslösung. Deren Kosten von 85,4 Millionen Euro kämen dazu.

Außerdem errichtet die Stadt für 84,1 Millionen Euro zwei Gebäude, die nach Nutzung für die Interimsoper dauerhaft erhalten und genutzt werden sollen.

Kopenhagen

International gesehen war nicht immer der Steuerzahler am Zug, wenn es um den Bau oder die Sanierung der Bühnen ging. Beispiel Kopenhagen: Mit dem dortigen, 2005 eröffneten Opernhaus wurde eine vormals militärisch genutzte Insel im Hafen im östlichen Teil des Stadtgebiets als neuer Kulturstandort erschlossen.

Kostenpunkt: etwa 350 Millionen Euro. Das gesamte Projekt wurde von Reeder Mærsk Mc-Kinney Møller aus seinem privaten Vermögen finanziert. Er bestimmte auch direkt, ohne Vergabeverfahren, das dänische Büro Henning Larsen zu den Architekten des Hauses und behielt sich ein weitgehendes Mitspracherecht in Detailfragen vor.

Athen

Ähnlich stellte sich die Sache in Athen dar: Dort kämpften die Griechische Nationaloper und Nationalbibliothek in überalterten Gebäuden mit Platzmangel. Auf Initiative der von dem gleichnamigen Reeder eingerichteten gemeinnützigen Stavros Niarchos Foundation (SNF) entstand ein neues Kultur- und Bildungszentrum.

Beide Institutionen sind an dem neuen Standort Teil eines großstädtischen Spiel-, Sport- und Bildungsparks. Die Stiftung hat die gesamten Baukosten des im Februar 2017 übergebenen Zentrums übernommen. Es ging um 600 Millionen Euro.

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