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Was wird aus dem roten Riesen?

Thermoselect-Anlage in Karlsruhe ist nur noch Schrott

Das Thermoselect-Gelände im Karlsruher Rheinhafen ist ein Sahnestück, die Anlage selbst nichts mehr wert. Doch warum wird das Zeichen technischer und finanzieller Schmach nicht endlich abgerissen? Es liegt am Schrottpreis.

Ein Filetstück unter Karlsruhes Immobilien-Grundstücken ist das Thermoselect-Gelände im Rheinhafen. Doch es kann noch dauern, bis die Anlage abgerissen und das Grundstück wieder genutzt wird. Foto: Photographer: Foto Fabry Foto-Fabry.de

Wie ein schwerer und vor allem teurer Klotz am Bein der EnBW hängt nach wie vor die Thermoselect-Anlage im Karlsruher Rheinhafen. Doch über 16 Jahre nach dem endgültigen Erkalten des Müllreaktors scheint sich rund um die Ruine etwas zu tun. Zumindest ein Teil des Geländes am Wasser könnte schon bald anderweitig genutzt werden.

Die Affäre ist laut EnBW juristisch mittlerweile abgeschlossen

Über 16 Jahre nach dem offiziellen Aus ist das juristische Gerangel zwischen dem baden-württembergischen Energieversorger und dem schillernden Erfinder offenbar ausgestanden. Die EnBW sagt, juristisch sei die Affäre weitestgehend abgeschlossen. „Alle wichtigen Verfahren wurden erfolgreich für uns beendet“, lässt eine Unternehmenssprecherin wissen.

Für den unbebauten Teil des großen Grundstücks interessiert sich seit Jahren schon die Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen GmbH. „Wir haben den Kauf der Teilfläche neben der Thermoselect-Anlage im Prinzip endverhandelt. Wir müssen nur noch zum Notar gehen“, sagt Hafenmeisterin Patricia Erb-Korn. „Das Nachbargrundstück gehört uns schon und mit dem jetzt verhandelten Stück geht es um die letzte große freie Fläche im Rheinhafen. Die würden wir gerne vermarkten.“

Das Grundstück ist ein Sahnestück
Norbert Sturm, EnBW-Grundsücksverwaltung

Nicht verkauft wird nach ihren Angaben der Rest des Grundstückes und die darauf stehende Müllverbrennungsanlage. „Das bleibt nach wie vor im Beritt der EnBW.“ Das bestätigt Norbert Sturm, Chef der EnBW-Grundstücksverwaltung.

„Das Grundstück ist ein Sahnestück. Es liegt verkehrstechnisch ideal mit Anschluss an den Rhein, an die Eisenbahn und das Straßennetz. Es hat einen 10.000-Volt-Stromanschluss und einen großen Gasanschluss. Laut Vorstandsbeschluss gehört das Grundstück zur taktischen Reserve.“

Hochgesteckte Erwartungen hat Thermoselect jäh enttäuscht

Und das Gebäude? Das bleibt so lange stehen, bis man das Grundstück anderweitig nutzen will oder der Schrottpreis ein Zerlegen der Anlage interessant macht.

Die Technik, mit der das einstige Badenwerk ganz groß in die Müllentsorgung einsteigen wollte, hat hochgesteckte Erwartungen jäh enttäuscht. Der schicke Müllofen wurde für das Unternehmen zum Millionengrab. Nach eigenen Angaben hat die EnBW 167 Millionen Euro in die Anlage investiert. Alles in allem kostete das Abenteuer wohl über 400 Millionen Euro.

Mitte der 90er-Jahre kaufte das Badenwerk die Thermoselect-Technik als schlüsselfertige Anlage beim Erfinder des Verfahrens, dem damals in Italien ansässigen deutschen Ingenieur Günther Kiss. Als sich die EnBW als Nachfolgeunternehmen des Badenwerks 2004 endgültig vom versprochenen Wunderofen verabschiedete, überzogen sich Käufer und Verkäufer der Technik gegenseitig mit Klagen.

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