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Tödlicher Unfall

Er begleitete Karlsruhe auf dem Weg zur Fahrradstadt: Thomas Gentner von „KA-Radler“ ist gestorben

Mit seinem Blog war er vielen Karlsruhern bekannt – und in Radler-Kreisen auch über die Stadtgrenzen hinaus. Nun ist der Macher von „KA-Radler“ im Alter von 58 Jahren gestorben.

Er war „KA-Radler“: Thomas Gentner (Mitte) begleitete die Verkehrspolitik in Karlsruhe on- und offline. Foto: Christa Walter

In seinem letzten Blogpost warnte Thomas Gentner ausgerechnet vor einer gefährlichen Baustelle im Karlsruher Stadtgebiet. „Was ist, wenn hier etwas passiert...?“, ist der Beitrag überschrieben.

Gentner hatte als Autor des Blogs „KA-Radler“ seit vielen Jahren auf seiner Internetseite die fahrradpolitischen Belange in der Stadt begleitet und kommentiert – stets kritisch, aber genauso konstruktiv. Mitte August ist er bei einem Wanderunfall in der Schweiz tödlich verunglückt. Er wurde 58 Jahre alt.

Der Ingenieur, der in Karlsruhe lebte und arbeitete, war nicht nur selbst aktiver Radfahrer und -pendler, er setzte sich beispielsweise auch bei der monatlich stattfindenden Ausfahrt der Critical Mass (CM) für die gemeinsamen Ziele der Karlsruher Radfahrer-Gemeinschaft ein. „Er war eine großartige Persönlichkeit, menschlich und politisch“, sagt Christa Walter von der CM.

Thomas Gentner hat sich für das Miteinander im Verkehr eingesetzt

Gentner habe stets die Schwächsten eingebunden: So organisierte er beispielsweise eine Tour zusammen mit einem Jugendlichen, der kaum sprechen kann. „Ihm war keine Mühe zu viel, um ein besseres Miteinander zu schaffen“, sagt Walter, „im Menschlichen wie auch im Straßenverkehr.“

Engagiert für den Radverkehr: Thomas Gentner hielt Reden und leitete Touren der Critical Mass in Karlsruhe. Foto: Christa Walter

Thomas Gentner stand immer wieder in Kontakt mit dem Rathaus, den Medien und der Öffentlichkeit, um etwa Verbesserungen für Radwege anzuregen, Beispiele aus anderen Städten zu präsentieren oder aktuelle Trends rund ums Rad aufzuzeigen.

Seit vielen Jahren war er stets informiert über neue Gesetze oder Straßenschilder in der Stadt – und wusste sie immer aus Radlersicht zu bewerten. Fast 4.000 Beiträge auf Twitter hat Gentner formuliert, mehrere Hundert Aufrufe hatte sein Blog jede Woche.

Mit konstruktiven Vorschlägen an die Stadtverwaltung und akribischen Foto-Dokumentationen von fehlender oder veralteter Infrastruktur trug Gentner dazu bei, dass die ein oder andere Stelle in Karlsruhe fahrradfreundlicher umgestaltet wurde.

Er legte auch immer Wert darauf, neben mahnenden Worten auch Lob und Dank zu formulieren. Und er beschränkte sich nicht aufs Radfahren: Der öffentliche Personennahverkehr war ebenso häufig Thema auf seinem Blog wie die Belange von Fußgängern und eine nachhaltige Verkehrspolitik allgemein.

Der „KA-Radler“ brachte Critical Mass, Fridays for Future und Studierende zusammen

„Thomas stand immer mitten im prallen Leben“, schreiben die Critical-Mass-Organisatoren auf ihrer Internetseite. „Er engagierte sich, schaute, wo gibt es was zu verbessern, war immer ein hilfsbereiter und kompetenter Mensch.“

Christa Walter schätzt vor allem sein Engagement für junge Leute: So knüpfte Gentner Kontakte zu Karlsruher Studierenden und zur Fridays-for-Future-Bewegung, wodurch die CM kräftig anwuchs. Mehr als 700 Teilnehmende kamen zu einer rekordverdächtigen Tour 2019.

Er war der Motor in der Gruppe.
Christa Walter, Organisatorin der Critical Mass Karlsruhe

„Er war immer da“, erinnert sich Christa Walter. Auch nach der langen, Corona-bedingten Pause: „Thomas wollte unbedingt wieder loslegen. Er war der Motor in der Gruppe, wir haben ihn alle sehr bewundert.“

Gentner habe sich gut gelaunt in seinen Wanderurlaub verabschiedet. Während der CM am vergangenen Freitag wollte er eigentlich die Schweizer Berge genießen. Stattdessen gedachten die mehr als 200 Teilnehmer in Karlsruhe seiner mit einer Schweigeminute.

„Wir werden an ihn denken, wann immer wieder eine Critical Mass durch Karlsruhe rollt“, schreiben die Aktivisten. „In Gedanken ist er auf jeden Fall dabei.“

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