Skip to main content

Abschied in Salem

Trauerfeier für den Markgraf: Ohne Charles, aber trotzdem mit König

Max von Baden war vor seinem Tod mit vielen Adelshäusern Europas verbunden. Zu seiner Trauerfeier zeigten sich deshalb viele bekannte Gesichter des europäischen Hochadels. Ein wichtiges Königshaus aber fehlte.

König Philippe von Belgien und Fürst Albert II. von Monaco (rechts) kommen zu der Trauerfeier von Max Markgraf von Baden. Die Trauerfeier ist für den Familienkreis, befreundete Häuser sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur gedacht.
König Philippe von Belgien und Fürst Albert II. von Monaco (rechts) kommen zu der Trauerfeier. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Dame in der gelben Daunenjacke ist nicht enttäuscht. Für sie hat sich der Ausflug an den Bodensee mehr als gelohnt. „Ich habe Caroline von Monaco gesehen. Jetzt bin ich ganz glücklich“, sagt sie und strahlt. Um die Prinzessin von Hannover und Monaco live zu sehen, ist die Promibegeisterte aus Donaueschingen an diesem Morgen extra nach Salem gereist.

Die Trauerfeier für den am 29. Dezember verstorbenen Max Markgraf von Baden bot gute Chancen, ein paar hochkarätige Blaublüter zu Gesicht zu bekommen. Zumal der Verstorbene eng mit den wichtigsten europäischen Adelshäusern verwandt war.

In ganz direkter Linie steht da zum Beispiel das englische Königshaus. König Charles III. ist der Cousin ersten Grades des Verstorbenen. Sein Vater und Max‘ Mutter waren Geschwister. Die Hoffnungen der vielen Zaungäste, einen regierenden englischen Royal vor die Handykamera zu bekommen, waren also nicht ganz abwegig. Und wenn schon nicht den König persönlich, dann vielleicht doch wenigstens seine Schwester Anne oder seinen Sohn William?

Buckingham Palace hatte Vertreter bestimmt

Buckingham Palace hatte für diesen Freitag, den 13. leider anders entschieden. Der Hof ließ die britischen Royals durch deutsche Verwandte vertreten, die aber nicht annähernd so illuster sind. Für King Charles etwa kam Landgraf Donatus von Hessen nach Salem, die „Princess Royal“ Anne wurde durch den Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg vertreten, und für Bruder Edward, Earl von Wessex, war seine großherzogliche Hoheit Berthold von Baden geschickt worden.

Alles in allem umfasste die Gästeliste der geschlossenen Trauerfeier für Max Markgraf von Baden genau 452 Personen. Der zweite Tag der Beerdigungsfeierlichkeiten war ausschließlich der Familie des Toten sowie wichtigen Vertretern aus Politik und Gesellschaft vorbehalten. Zu den bekanntesten Trauergästen gehörten Fürst Albert II. von Monaco und König Philipp von Belgien, die gemeinsam in das Münster der Schlossanlage von Salem schritten.

Prinzessin, Ministerpräsident und Oberbürgermeister

Caroline Prinzessin von Hannover und Monaco zeigte sich mit ihrem Sohn Pierre Casiraghi. Aus den deutschen Häusern erwiesen unter anderem Georg Friedrich Prinz von Preußen, der Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers, Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe und Prinz Leopold von Bayern dem Verstorbenen die letzte Ehre.

Baden-Württembergs Landesregierung war durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit seiner Ehefrau Gerlinde repräsentiert. Aus Karlsruhe und Baden-Baden waren jeweils die Oberbürgermeister Frank Mentrup und Dietmar Späth angereist.

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und seiner Frau Gerlinde kommen zu der zweiten Trauerfeier für den Max Markgraf von Baden.
Letzte Ehre: Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und seine Frau Gerlinde kommen zu der Trauerfeier. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Auch der ehemalige Karlsruher Oberbürgermeister Heinz Fenrich hörte die Predigt im prächtigen Salemer Münster. An seiner Seite: Robert Mürb, ehemaliger Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa, und dessen Nachfolger Peter Köhler.

Liebevolle Worte der Landesbischöfin

Sehr liebevolle Worte für den Verstorbenen fand die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, Heike Springhart. Sie würdigte den Verstorbenen als einen Mann der Tat und zog Parallelen zum barmherzigen Samariter. „Max von Baden wusste, worauf es ankam im Leben und im Sterben.

Nachrufe gehörten für ihn nicht dazu“, sagte sie. Heike Springhart erinnerte an das Engagement des Verstorbenen in vielen Ehrenämtern und Schirmherrschaften unter anderem für das Deutsche Rote Kreuz, für die Landessynode der Evangelischen Kirche, für die Flüchtlingshilfe genauso wie die Denkmalpflege.

Max von Baden wurde geboren, wo er 89 Jahre später auch starb. „Kaum 80 Meter trennen den Ort, an dem Markgraf Max hier im Schloss Salem das Licht der Welt vor fast 90 Jahren erblickte, und den Ort, an dem er friedlich an der Seite seiner lieben Frau seinen letzten Atemzug tat“, sagte die Landesbischöfin in ihrer Würdigung des Lebens von Max.

Farbenfrohe Trachten- und Gardegruppen standen Spalier

Vor der Kirche bot sich den ankommenden Gästen und den etwa 500 Zaungästen ein farbenfrohes Bild. Über 200 Männer und Frauen aus Trachtenvereinen und historischen Garden hatten sich zum Spalier aufgestellt. Aus Karlsruhe waren dazu auch sieben Mitglieder der historischen Bürgerwehr unter ihrem Hauptmann Karl Leis gekommen. Leis erinnert sich an viele Begegnungen mit dem Verstorbenen.

Er sei anderen Menschen gegenüber immer sehr leutselig und freundlich gewesen. Auch Robert Mürb hat den Markgrafen als sehr umgänglichen Zeitgenossen in Erinnerung. „Er war sehr wohlwollend. Insbesondere denen gegenüber, die Baden vertreten.“

Nach der Schulzeit in Salem und Schottland studierte Max von Baden in Heidelberg und München Volks- und Forstwirtschaft. 1966 heiratete er Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit Valerie von Österreich (81), die die Urenkelin von Kaiserin Sisi ist. Mit ihr hat er vier Kinder: Marie Louise Prinzessin von Baden (53), Bernhard, der neue Markgraf von Baden (52), Leopold Prinz von Baden (51) und Michael Prinz von Baden (46). Zudem hinterlässt er vier Enkelkinder.

Die Familie und viele ehemalige Angestellte der markgräflichen Unternehmungen hatten bereits am Donnerstagabend Gelegenheit gehabt, sich zu verabschieden. Zum Abschluss dieser Trauerfeier mit etwas intimerem Charakter wurde von dem Chor und der Gemeinde eines der Lieblingslieder von Max von Baden gesungen: „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius.

nach oben Zurück zum Seitenanfang