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Start-up-Idee aus der Südstadt

TSV Bulach schafft sich Sportbox an: Schrank voller Sportgeräte – für jeden zugänglich

Einen Fußball, eine Hantel oder eine Joga-Matte: Das finden Sportbegeisterte in Karlsruhe künftig in einer Box im öffentlichen Raum. Jeder kann zugreifen - zum Nulltarif.

Ein Schrank im Freien: Die Sportbox, die sich per App öffnen lässt, ist gefüllt mit allerhand Sportgeräten, die kostenlos genutzt werden können. Foto: Jonas Kinski

Lust auf Kicken, aber keinen Fußball dabei? In Karlsruhe gibt es bald schon eine Lösung für dieses Dilemma: Im öffentlichen Raum werden Boxen voll mit Sportgeräten aufgestellt – und jeder, der ein Smartphone dabei hat, kann kostenfrei zugreifen.

„Sportbox“ ist das Konzept überschrieben, das seinen Anfang in der Südstadt nahm, wo Leon van Dijk kein Fußball, sondern ein Basketball fehlte. Der Produktdesigner schaute von seiner Wohnung in der Luisenstraße auf einen Basketballplatz. Und er überlegte: Wäre es nicht praktisch, wenn dort ein Ball zu finden wäre?

Der Gedanke ließ ihn nicht los. Weihnachten 2017 diskutierte er darüber mit dem Sportwissenschaftler Philipp Gießelmann und dem Technikexperten Timo Wozniak. Die Idee für das Start-up „Sportbox – app and move“ war geboren, das seitdem vom hessischen Kirchhain aus deutsche Städte erobert.

Sportbox-Konzept: Per App öffnet sich der Schrank

In Mannheim steht eine Sportbox im Luisenpark, in Bonn eine vor der Beethovenhalle. Münster, Marburg und Augsburg haben bereits geordert. Nun schlägt auch Karlsruhe zu – die Geburtsstadt der Idee. Es ist nicht die Verwaltung selbst, die bestellt. „Der TSV Bulach macht den Anfang“, sagt Sportbürgermeister Martin Lenz (SPD).

Ende Mai soll die Box auf dem Vereinsgelände in Betrieb gehen. Das Angebot richtet sich an jedermann. Wer ein Sportgerät möchte, lädt zunächst die App auf sein Handy. Online wird über einen Kalender der Termin gebucht, per Signal öffnen sich dann die Türen der Betonbox. Was sich darin befindet, entscheidet der Käufer der Box: Das Kirchhainer Start-up befüllt sie je nach Order mit Fuß- oder Medizinbällen, mit Gymnastikmatten, Hanteln, Frisbees, Yoga-Gürtel, Skater-Hütchen...

Was das Sportlerherz begehrt: Die Sportbox kann mit verschiedenen Geräten befüllt werden – je nachdem, was der Kunde ordert. Foto: Jonas Kinski

Der Kostenpunkt pro Box liegt bei rund 15.000 Euro, die technische Betreuung für zwei Jahre inklusive. In Karlsruhe, wo bis Ende April zwei weitere Exemplare bestellt werden sollen, übernehmen Stiftungen die Hälfte der Summe. „25 Prozent Zuschuss gibt die Stadt, wir begreifen das als förderfähiges Sportgerät“, sagt Lenz. 25 Prozent bezahlt bei Box Nummer eins also der TSV Bulach.

Ein Aspekt ist, dass nicht jeder jedes Sportgerät selbst kaufen muss.
Philipp Gießelmann, Sportwissenschaftler

„Der 1,375 Meter breite und 1,25 Meter hohe Schrank bietet außen Platz für Werbung, womit man Einnahmen generieren kann“, erläutert Gießelmann. Stromkosten fielen nicht an, der 800 Kilogramm schwere Kasten verfügt über Solarzellen. Nachhaltigkeit ist dem Start-up wichtig. „Ein Aspekt ist, dass nicht jeder jedes Sportgerät selbst kaufen muss“, so Gießelmann.

Das Trio will Alt und Jung zum Sport motivieren. Es gehe gleichzeitig um Integration und Inklusion. Für Schwäbisch Hall bestücke man gerade eine Box mit Geräten, die der psychomotorischen Frühförderung dienen.

Stadt Karlsruhe will selbst Sportboxen anschaffen

Sportbürgermeister Lenz kann sich vorstellen, dass Sportboxen in Karlsruhe künftig von Wohnungsbaugesellschaften angeschafft werden, ergänzend zu den bekannten Angeboten wie Schaukelpferd oder Kletterwand. Bei Jugendtreffs, im Bad, bei Calisthenics-Anlagen oder auf dem Campingplatz könne das Angebot interessant sein. „Wir könnten als Stadt selbst Boxen anschaffen“, so Lenz. Die Günther-Klotz-Anlage, die Europahalle oder der Citypark seien mögliche Standorte.

„Denkbar sind ebenso rein private Initiativen, etwa von Firmen.“ Lenz sieht - verstärkt durch Corona - einen gesellschaftlichen Trend zum freien Sport. Der ist für Lenz eine von drei Säulen - neben dem Sport im Verein und dem kommerziellen in Studios. Das sei kein Gegen-, sondern ein Nebeneinander. Kooperationen habe es immer schon gegeben, etwa beim Sport im Park, bei dem Vereine im Sommer Stunden für jedermann anbieten.

Vereine oder Studios können zu bestimmten Zeiten Kurse anbieten.
Martin Lenz, Sportbürgermeister

„Eine tolle Sache“, sagt Lenz. Aber er wünscht sich mehr davon. Er möchte deshalb die Boxen nicht einfach in den Park stellen und fertig. Lenz gefällt die Idee, dass jemand zuständig ist für das Angebot. „Vereine oder Studios können zu bestimmten Zeiten Trainer zur Box senden und Kurse anbieten.“ Dafür wäre dann wohl eine Gebühr fällig, während ansonsten das Sportgerät kostenfrei gebucht werden kann.

Kamera dokumentiert den Inhalt der Sportbox beim Schließen

In den zweieinhalb Jahren, in denen das Start-up am Markt ist, sei noch nie etwas geklaut worden, bilanziert Gießelmann. Eine Sicherheit ist eingebaut: Wenn sich der Schrank schließt, dokumentiert eine Kamera den Inhalt. Sportbox kooperiert dabei mit dem Fraunhofer-Institut.

Auch an Hygiene ist gedacht: „Wir verwenden beim Schrank einen speziellen Lack, auf dem Viren und Bakterien absterben“, erklärt Gießelmann. Die Dokumentation der Nutzer erfolgt über die App. Und zum Schrankinhalt gehöre immer Desinfektionsmittel. „Insofern ist der Schrank auch in Corona-Zeiten gut nutzbar.“

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