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Stadtentwicklung

„Ufo” ist noch nicht in Karlsruhe gelandet

Drei Veränderungen soll es am Ettlinger Tor geben. Die Planwerkstatt für den zentralen Verkehrsknoten in Karlsruhe endete aber nicht mit klaren Vorgaben für dessen architektonische Fassung. Erstens empfiehlt das Begleitgremium der Stadtpolitik nun lediglich, die Südseite des Platzes zu rahmen, unter dem sich die U-Strab und der Autotunnel unter der Cityhauptroute Kriegsstraße kreuzen.

Das „neue Gebäude” mit Blick auf den Lauterberg, von der Südachse kommend. Foto: MVRDV

Eine Vorentscheidung zur Zukunft des Ettlinger Tors ist gefallen. Das Begleitgremium der Planungswerkstatt legt auf mehrere Bausteine Wert – die Zukunft des Landratsamt-Hochhauses, die direkte Gestaltung des Ettlinger Tors selbst sowie den städtebaulichen Ersatz für das Postgiroamt an der Kriegsstraße. Dabei soll der „Ettlinger-Tor-Platz“ eine bauliche Fassung auf seiner Südseite bekommen.

Diesen Wunsch erfüllen nur zwei der vier Bürokonzepte – und zwischen diesen beiden hat sich die Jury nicht entschieden. Folglich ist offen, ob dort zwei nur fünfgeschossige Torhäuser an den Flanken der Ettlinger Straße entstehen, oder ein neues architektonisches Markenzeichen der Fächerstadt wie ein Ufo über der Kreuzung von Via Triumphalis und Boulevard Kriegsstraße hängt.

„Ufo”-Vorschlag hat Gegner aber auch glühende Anhänger

Wolfgang Riehle, Chef des Gremiums, erklärt, dass viele Bedenken gegen diese „schwebende Schüssel“ vorgebracht worden seien, sie aber auch glühende Anhänger gefunden habe. Nur indem man sich in dieser Streitfrage nicht festgelegt hat, fand man zu „einem ganz einvernehmlichen Ergebnis“, sagt Riehle. Damit ist das „Ufo“ nicht als auserwählter Entwurf bei der Stadtplanung gelandet, aber auch nicht völlig vom Tisch.

Entschieden war das Gremium gegen den Bau von Hochhaustürmen direkt am Ettlinger Tor, welche dann in der Sichtachse der Türme am Marktplatz stünden. Da man aber durchaus mehr Hochhäuser im „neuen Zentrum der Stadt“, so Baubürgermeister Daniel Fluhrer, haben möchte, sollen neue Karlsruher Wolkenkratzer auf dem Landratsamtsgelände und an Stelle des ehemaligen Postgiroamts entstehen. Dort sind Lösungen mit jeweils drei Hochpunkten, von denen dann einer mit 70 bis 90 Meter überragend sein kann, angedacht.

Die drei Bausteine – Landratsamt, Ettlinger Tor Südseite und Postgiroamt – will man unabhängig von einander angehen und verwirklichen. Landrat Christoph Schnaudigel sieht nun eine gute Entscheidungsgrundlage für die Zukunft des Landratsamts gegeben. Er erwartet in wenigen Wochen oder Monaten den Beschluss des Petitionsausschusses hinsichtlich des Denkmalschutzes.

So könne der Landkreis dann noch 2021 den Komplett- oder Teilabriss des alten Hochhauses konkret angehen. Dabei geht es dann einerseits um einen Architektenwettbewerb für das neue Ensemble und andererseits um ein Bebauungsplanverfahren der Stadt.

Bürgermeister Daniel Fluhrer, der den aus seiner Sicht kühnen Ufo-Entwurf für das Ettlinger Tor favorisiert, plädiert für eine Entscheidung des Gemeinderats zur Bebauung des Ettlinger Tors ebenfalls noch in diesem Jahr. Allerdings sollten sich die Fraktionen jetzt nicht zu früh festlegen, sondern die Sache von großer städtebaulicher Bedeutung für die Stadt reiflich überlegen.

„Ufo”-Vorschlag für Karlsruhe ist in der engeren Auswahl

Die Jury der städtebaulichen Planungswerkstatt hat also die Arbeiten des Büros Max Dudler (Zürich/Berlin) mit den Torhäuschen und von MVRDV (Rotterdam) mit der „schwebenden Schüssel“, auf deren rundem Fächerdach ein Wald wächst, ohne Festlegung als Vorschlag mit Alternative für die Stadtpolitik ausgewählt.

Was nun weiter geschieht, hängt stark davon ab, ob das Landratsamt abgerissen und durch ein neues Hochhaus ersetzt werden kann. Dies richtet sich entscheidend nach dem Votum des Denkmalschutzes, der sich mit seinem Spruch zu einer Bürgerpetition für den Erhalt der geschützten Turmarchitektur Zeit lässt. Zwei Büro- und Wohntürme oder gar ein ganzer Schwarm von 17 Hochhäusern am Südsaum des kommenden City-Boulevards Kriegsstraße beim Ettlinger Tor waren zwischenzeitlich in der Werkstatt entwickelt worden.

Auslöser des aufwendigen Denkprozesses war der weiter wegen des Denkmalschutzes keineswegs sichere Abriss des Landratsamtturms an der Kriegsstraße. Jedes Architektenbüro hat Vorschläge mit und ohne Landratsamt gemacht. Dabei gediehen Ideen für einen spektakulären Wurf: Einem Ufo gleich landete eine gigantische Fächerscheibe auf Stelzen am Ettlinger Tor.

Dieser Entwurf des Rotterdamer Büros MVRDV kristallisierte sich aber nur als ein sehr umstrittener Favorit heraus. Vor allem hinsichtlich der gewagten Konstruktion, ihrer Funktionalität, der Kosten, der langwierigen Umsetzung und der Akzeptanz beim Bürger setzt Beiratssprecher Riehle skeptisch dicke Fragezeichen.

Wie der Prozess in den nächsten Jahren weitergeht? Was wann Wirklichkeit wird, ist nun nach dem Ende der Werkstatt zum Ettlinger Tor fast so offen wie zuvor.

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