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Oberbürgermeisterwahl Karlsruhe

Vanessa Schulz: Die Extremistin der Mitte von „Karlasruhe“

Zwei Frauen und vier Männer bewerben sich um den Chefsessel im Karlsruher Rathaus. In den Wochen vor der Wahl am 6. Dezember stellen die BNN die Kandidaten in kurzen Porträts vor. Hier die Bewerberin Vanessa Schulz („Die Partei“).

Die Pyramide an der Alb: Mit ihren Händen formt die Kandidatin Vanessa Schulz die Spitze der Pyramide. An der Alb gefällt es ihr, auch mit etwas Spaß will sie zur Spitzenkraft der Stadt gewählt werden.
Die Pyramide an der Alb: Mit ihren Händen formt die Kandidatin Vanessa Schulz die Spitze der Pyramide. An der Alb gefällt es ihr, auch mit etwas Spaß will sie zur Spitzenkraft der Stadt gewählt werden. Foto: Jörg Donecker

Sie formt mit den Fingerspitzen eine Spitze. Es ist nur die halbe Raute, mit der Angela Merkel in Bauchnabelhöhe bei öffentlichen Auftritten ihr Zeichen setzt. Vanessa Schulz will auch nicht Kanzlerin von Deutschland werden. Aber Oberbürgermeisterin von Karlsruhe, das könnte ihr schon so passen. Selbstbewusst zeigt die Kandidatin mit der Pyramidenspitze als ihrem Symbol, wo sie hin will: An die Spitze ihres geliebten Karlsruhes.

Das ist durchaus von ihr Ernst gemeint und gleichzeitig versucht die Kandidatin von „Die Partei“, der „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“, mit Satire die Aufmerksamkeit der Wähler zu gewinnen. „Das ist ein Spagat“, bekennt die 39-Jährige. Wer sie sieht und ihr zuhört, der erkennt schnell, dass diese ehrliche Haut versucht, zusammen zuführen, was nicht so einfach zusammengehört.

Eine Moralistin scherzt

Vanessa Schulz ist eine ernsthafte Humanistin, die die Welt ganz pragmatisch verbessern will. Reden kann sie auch gut. Sie spricht konkret Mängel und Probleme an. Mit frecher Satire aber hat es die Frau, die im niedersächsischen Osnabrück aufgewachsen ist, nicht so. Es sprudelt nicht aus ihr. Sie formuliert überlegt, leicht bewegt sie sich in den politischen Argumentationsmustern eines links angehauchten Moralismus. Doch der Scherz kommt ihr nicht so leicht von den Lippen.

Um so mehr freut sie sich über ihren satirischen Volltreffer im Corona-Wahlkampf um den Karlsruher OB-Sessel. Wenn sie Oberbürgermeisterin von Karlsruhe wäre, dann würde sie es gern ganz schnell zu „Karlasruhe“ machen. Mit diesem Sprachgenderspaß trifft sie ins Schwarze. Mit diesem Slogan löst sie was aus: Falten des Lachens oder des Zornes. Da schmunzelt die Neu-Politikerin, und erklärt dann doch gleich wieder ausführlich, dass „Karlasruhe“ programmatisch für ihr Gerechtigkeitsdenken steht.

Video: Der Mensch hinter der OB-Kandidatin Vanessa Schulz

Die Kandidatin aus dem Chatroom

Wie in Vanessa Schulz selbst spielen Scherz, Satire oder gar Ironie und tiefere Bedeutung in ihrem politischen Denken nur eine Nebenrolle. Schließlich ist sie in „Die Partei“ auch erst im Sommer eingetreten, weil die Satiriker sie beim Kandidaten-Casting aufs Schild hoben. Überhaupt hätte Vanessa Schulz, die vorher nie einer Partei angehörte, auch anderswo landen können.

Die engagierte Humanistin, die sich seit 20 Jahren in den Chatrooms der digitalen Welt zur Kommunikatorin entwickelt hat, wollte vor allem, dass Amtsinhaber Frank Mentrup nicht so einfach ohne Gegenkandidaten durchkommt. Glaubt man ihr, übernahm sie nur die Rolle der Herausforderin, weil sich im Sommer noch keine andere Alternative abzeichnete.

Als radikale Demokratin, als Rigoristin der Mitte, tritt sie nun mit satirischer Unterstützung an, um die Debatte zu beleben und Wurzeldemokratie zu demonstrieren. Eine Linke ist sie nicht, sie will nur nicht rechten Hetzern das Feld der Protestwähler gegen die etablierte Politik überlassen. „Ich bin extreme Mitte“, bekennt sie. Schulz zeigt in der Sache Flagge.

Die Frau, die Karlsruhe aus der Perspektive der Radfahrerin erfährt, kneift nicht: Gegen querdenkende Corona-Leugner demonstriert sie am Schlossplatz bei den sogenannten Mitdenkern für den konsequenten Pandemieschutz per Einschränkungen zum Wohle der Alten und der Risikopatienten.

Normala in der Herzensheimat

Von ihrer Wohnung in der Südstadt aus erradelt sie sich mit ihrem Ehemann die Karlsruher Welt, am liebsten immer an der Alb lang. In der Südstadt, nach sieben Jahren in Karlsruhe auch dank ihrer Socialmedia-Gruppen gut vernetzt, lebt sie ein ganz normales Leben: Die Kauffrau arbeitet als Projektassistentin bei einer großen Karlsruher Firma, geht gerne essen und genießt den Karlsruher Kulturbetrieb.

In Corona-Zeiten des Verlusts von öffentlichem Leben kann die Moderatorin von vier Karlsruher Netzgruppen besonders auf ihre medialen Fähigkeiten bauen: Die einstige Nachwuchshoffnung des Schachsports trifft sich virtuell mit ihren Freunden zu anderen Brettspielen. Und so fühlt sich der Mensch Vanessa Schulz in der „Herzensheimat“ Karlsruhe, die sie sich doch auch wegen deren hoher Lebensqualität ausgesucht hat, pudelwohl.

Sie weiß, dass es im Weltmaßstab fast nur „Luxusprobleme“ in Baden gibt. Wenn da nicht die Politik wäre, an der ihr einiges nicht gefällt. Ihr fehlt vor allem „die Ehrlichkeit“. Und da hört für die Frau mit der Pyramidenspitze vor dem Bauch der Spaß auf. Sie fühlt sich berufen, dies zu ändern. Sie ergreift dazu „Die Partei“ und entdeckt selbst satirische Seiten an sich im Wahlkampf für ein besseres Karlsruhe, wo es ihr eigentlich so gut gefällt.

Hier gibt es alle Porträts der Kandidaten im Überblick

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