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Eisenbahner mit Leib und Seele

Vater des Karlsruher Modells: Dieter Ludwig mit 81 Jahren gestorben

Der „Nahverkehrspapst” Dieter Ludwig ist am Donnerstag gestorben. Er war der Vater des Karlsruher Modells und prägte dadurch den ÖPNV in der gesamten Region.

Dieter Ludwig im U-Strab-Tunnel. Foto: Jörg Donecker

Wenn der Ausbau des Nahverkehrs in der Region Karlsruhe einen Namen hat, so ist es der von Dieter Ludwig. Dass in der Stadt vor 50 Jahren die Straßenbahnen weiterfuhren, als andernorts andere Lösungen gesucht wurden – sein Verdienst.

Die Nutzung von außerhalb der Stadt liegenden Gleisen der Deutschen Bahn und deren Verknüpfung als „Stadtbahn“ mit dem Netz der Verkehrsbetriebe Karlsruhe – die Zweisystemfahrzeuge waren Ludwigs Vision und Erfindung und machten ihn in der Branche weltbekannt.

Jetzt ist Ludwig am Donnerstag, einen Tag nach seinem 81. Geburtstag, gestorben. Dies vermeldet der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) auf seiner Facebook-Seite. Beim KVV heißt es: „Sein Lebenswerk wird uns immer in Erinnerung bleiben.“

Zuvor schon hatte die Gruppe „KVV Fahrgäste” über den Tod des Karlsruher Ehrenbürgers und KIT-Ehrendoktors Dieter Ludwig, der als „Nahverkehrspapst“ weithin geachtet war, berichtet.

Dieter Ludwig kam während einer Zugfahrt zur Welt

Ludwigs Lebenswerk ist der Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs in der Region Karlsruhe. Die Liebe zur Bahn wurde ihm in die Wiege oder besser in den Waggon gelegt, denn Ludwig kam 1939 während einer Zugfahrt zur Welt. Später studierte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe.

Sein Taschengeld verdiente er sich als Aushilfsfahrer bei der Bahn. 1967 kam er zur Albtal-Verkehrsgesellschaft, 1976 wurde er Chef der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, 1978 der AVG. Geschäftsführer war er auch beim 1993 gegründeten KVV und seit 2003 bei der Kasig, der Infrastrukturgesellschaft der Stadt. In den Ruhestand ging er 2006.

Ludwig war Eisenbahner mit Leib und Seele. Diesbezüglich gibt es von ihm viele Geschichten. Dass er bei Streckeneinweihungen, wie sie nach der Eröffnung der ersten Stadtbahnstrecke Karlsruhe – Bretten ab 1992 fast Routine wurden, gerne vorne in der Fahrerkabine saß, ist bekannt.

Nicht wenige Karlsruher berichten davon, wie sie am Wochenende mit der Straßenbahn unterwegs waren und der Chef selbst das Triebfahrzeug steuerte.

Der große Erfolg Ludwigs war das Stadtbahnsystem, das heute noch den Nahverkehr im weiteren Raum Karlsruhe prägt. Bahnen fahren auf innerstädtischen Gleisen genauso wie auf denen der Deutschen Bahn. Möglich machen dies die Zwei-System-Fahrzeuge, die für Gleich- und Wechselstrom ausgerüstet sind.

Ohne ihn würden wir nicht da stehen, wo wir heute sind. Er ist uns Vorbild.
Alexander Pischon, Nach-Nachfolger

Mit ihnen wurde die direkte Fahrt aus Bretten, Pforzheim, der Hardt, der Südpfalz oder dem Murgtal in die City des Oberzentrums Karlsruhe möglich. Schließlich steuerte er angesichts der durch den Erfolg des „Karlsruher Modells“ überlasteten Kaiserstraße Karlsruhe in Richtung Untertunnelung der Innenstadt.

Ludwigs Bedeutung würdigt sein Nach-Nachfolger Alexander Pischon: „Ohne ihn würden wir nicht da stehen, wo wir heute sind. Er ist uns Vorbild.“

Mit der Bahn durch den Kaiserstraßentunnel zu fahren, wie er sich gewünscht hat, war Dieter Ludwig nicht mehr vergönnt.

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