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Leserfragen beantwortet

Vorfahrt, Überholen und Tempo: Welche Regeln auf Fahrradstraßen gelten

Fahrradstraßen sind besonders für Fahrradfahrer da, so viel ist klar. Aber wer darf sonst noch dort fahren? Und wie schnell? Dürfen Radler nebeneinander unterwegs sein? Wir beantworten die wichtigsten Fragen der Radreporter-Leser.

Auf dieser reinen Fahrradstraße am Karlsruher Friedrichsplatz dürfen nur Radler fahren. Foto: A3386 Uli Deck

Egal, mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist: Die Fahrschule oder das Fahrrad-Training im Grundschulalter sind in den meisten Fällen schon lange her.

Nach unserem Artikel über die einzige reine Fahrradstraße Karlsruhes haben sich mehrere Radreporter-Leser mit dem Wunsch an uns gewandt, die Regeln auf solchen Straßen noch einmal erklärt zu bekommen. Die Tatsache, dass manche Karlsruher Fahrradstraßen regelrechte Unfallschwerpunkte sind, stützt die These, dass nicht alle Verkehrsteilnehmer mit den Vorschriften vertraut sind.

Ob Fußgänger, Fahrradfahrer, Autofahrer oder Stubenhocker: Diese fünf Vorschriften sollten Sie kennen.

1. Fahrradstraßen sind nur für Fahrradfahrer – eigentlich

Neben Radlern dürfen immer auch Nutzer von Elektrokleinstfahrzeugen – also E-Scootern – weiterfahren, wenn sie ein Fahrradstraßen-Schild erspähen. Alle anderen Verkehrsmittel sind prinzipiell verboten, werden aber häufig durch ein Zusatzzeichen erlaubt. Das kann zum Beispiel ein Schild mit Auto- und Motorradsymbol und dem Wort „frei“ sein oder auch der Hinweis „Anlieger frei“.

Fußgänger müssen die Wege rechts und links der Fahrradstraße nehmen. Ein gemütliches Schlendern auf der Fahrbahn am Karlsruher Friedrichsplatz ist also streng genommen nicht erlaubt.

In Karlsruhe werden Fahrradstraßen an Kreuzungen oder Einmündungen immer per Schild aufgelöst und beginnen dahinter neu. Selbst wo dies nicht so ist, dürfen Autos und andere Verkehrsarten eine Fahrradstraße an einer Kreuzung aber überqueren. Das gilt auch, wenn die Straße für diese Verkehrsmittel nicht freigeben ist.

2. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 km/h – für alle

Autos und andere Fahrzeuge dürfen auf der Fahrradstraße maximal 30 Stundenkilometer schnell sein. Das gilt auch für Radfahrer selbst.

Radler dürfen weder gefährdet noch behindert werden. Wenn es eng oder brenzlig wird, müssen Autofahrer langsamer fahren.

3. Radler dürfen nebeneinander fahren – jederzeit

Seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung ist es Radlern zwar prinzipiell überall erlaubt, nebeneinander zu fahren. Auf den meisten Straßen gilt dies aber nur, solange andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert werden.

Anders ist das auf der Fahrradstraße: Hier dürfen Fahrradfahrer jederzeit zu zweit nebeneinander unterwegs sein. Kann ein Autofahrer aus Platzmangel nicht überholen, muss er hinter den Radlern herfahren. Seit Ende April müssen Autos beim Überholen von Radlern innerorts mindestens 1,5 Meter Abstand einhalten.

4. Autos können Vorfahrt haben – auch gegenüber Radlern

„Im Übrigen gelten die Vorschriften über die Fahrbahnbenutzung und über die Vorfahrt“, lautet der letzte Satz in der Straßenverkehrsordnung zur Bedeutung des Fahrradstraßen-Schildes.

Das heißt: Gibt es keine Ampeln oder Vorfahrtsschilder, gilt an Kreuzungen rechts vor links. Und zwar auch, wenn beispielsweise ein Auto von rechts auf eine freigegebene Fahrradstraße einbiegen will. In diesem Fall muss der von links kommende Radler warten.

5. Seit April sind ganze Fahrradzonen möglich – mit den gleichen Regeln

Ende April ist die neue Fassung der Straßenverkehrsordnung in Kraft getreten. Seitdem können Kommunen neuartige Fahrradzonen einrichten. Hier gelten die gleichen Regeln wie in Fahrradstraßen. Die Zone kann sich jedoch, wie eine Tempo-30-Zone auch, über mehrere zusammenhängende Straßen erstrecken.

In Fahrradzonen dürfen zusätzlich auch Elektrokleinstfahrzeuge jederzeit nebeneinander fahren.

Stand: 3. Juli 2020

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