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Von der Stadt Karlsruhe ignoriert?

Vorsitzender des Mühlburger Bürgervereins verärgert wegen neuem Radstreifen

Wenn es um seinen Stadtteil Mühlburg geht, ist Massimo Ferrini jedes Mittel recht. Seinen Ärger über einen Radstreifen an der Rheinstraße stellt der Vorsitzende des Bürgervereins Mühlburg deshalb im Internet online. Die Stadt kann die Aufregung aber nicht verstehen. Hätte Ferrini in die Zeitung geschaut, hätte er von den Planungen erfahren.

Viel Platz: Ein neuer Radweg führt entlang der Rheinstraße stadtauswärts. Manche Mühlburgern ist der Fahrstreifen allerdings zu breit. Foto: Jörg Donecker

Massimo Ferrini ist wütend. Stinkwütend sogar. Vor einigen Wochen waren dem Vorsitzenden des Bürgervereins Mühlburg die provisorischen Markierungen an der Rheinstraße ins Auge gefallen. Daraufhin hat er bei der Stadtverwaltung nach dem Grund für diese Maßnahme gefragt. Eine Antwort hat Ferrini noch nicht erhalten. Dafür wurde er vor vollendete Tatsachen gestellt.

An der Rheinstraße ist nun stadtauswärts nämlich ein Fahrstreifen für Fahrräder aufgebracht. Und der ist dem Bürgervereinsvorsitzenden viel zu breit. „Es ist ja schön und richtig, dass Fahrradwege eingerichtet werden. Aber das ist doch zu viel des Guten“, schimpft Ferrini.

Dem Ärger auf Facebook Luft gemacht

Zu allem Überfluss stand der Bankangestellte auf dem Weg mit dem Auto von seinem Büro in der Innenstadt nach Daxlanden in dieser Woche auf Kaiserallee und Rheinstraße noch im Stau. „Der Rückstau ging bis zur Händelstraße. Da kam man nur noch im Schritttempo vorwärts“, sagt Ferrini. Auch daran trage der breite Fahrradstreifen eine Teilschuld, schließlich hätten die Autos auf der Rheinstraße nun noch weniger Platz als bisher.

Seinen Unmut hat er auch schon auf Facebook kundgetan. „Der Bürgerverein Mühlburg wurde mal wieder übergangen. Eigentlich bräuchten wir keine Bürgervereine mehr“, schrieb Ferrini. Auf Zustimmung musste er nicht lange warten. Ein halbes Dutzend Unterstützer beschwerten sich ebenfalls über den ihrer Ansicht nach überflüssigen Radweg. „Es kann doch nicht angehen, dass bei so einer Entscheidung die Bürgervereine nicht gefragt werden“, sagt Ferrini im Gespräch mit den BNN. „Wir sind doch nicht nur dazu da, um der Stadt Beifall zu spenden.“

Stadt kann Ärger nicht verstehen

Im Rathaus wurden Ferrinis Facebook-Tiraden bereits registriert. Richtig verstehen kann man dort die Aufregung des CDU-Politikers allerdings nicht. Der Fahrradstreifen auf der Rheinstraße wurde schließlich von langer Hand vorbereitet und in diesem Sommer im Gemeinderat und im Planungsausschuss behandelt. Immer im Gemeinderat anwesend ist Helmut Rempp, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine. Dadurch ist für die Stadtverwaltung der Informationsfluss vom Gemeinderat Richtung Bürgervereine garantiert. Im Amtsblatt der Stadt Karlsruhe wurde der Radweg ebenfalls thematisiert. Außerdem ist der neue Fahrradstreifen die logische Fortschreibung eines Radwegekonzepts für Mühlburg, welches bereits 2007 mit der Einrichtung eines Fahrradwegs auf der gegenüberliegenden Seite der Rheinstraße begann.

Damals wurde der Radstreifen übrigens wegen zahlreicher Beschwerden von Geschäftsleuten und aus der Politik eingerichtet. Die Händler beschwerten sich über die vielen Radler auf den Bürgersteigen, die Politiker über das fehlende Radwegekonzept für Mühlburg. Der Erfolg gab der Stadtverwaltung recht. Innerhalb von nur sechs Wochen hatte sich der Anteil der Radfahrer um 50 Prozent erhöht.

Außerdem habe ich meistens einen Aktenkoffer und andere Unterlagen bei mir. Die kann ich nur mit dem Auto transportieren.
Massimo Ferrini, Vorsitzender des Bürgervereins Mühlburg

Dass der neue Radweg deutlich breiter ist als der alte, liegt übrigens an den Änderungen in der Straßenverkehrsordnung. Mittlerweile gilt beim Bau von Radwegen das Prinzip „Sicherheit vor Leistungsfähigkeit“. Weil Autofahrer beim Überholen von Radfahrern einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten müssen, werden Radwege – sofern genügend Platz vorhanden ist – heute deutlich breiter gebaut als vor einigen Jahren.

Ferrini will kein „Fahrradhasser“ sein

Nicht zuletzt sind die Radwege Teil eines auf mehrere Jahre angelegten Sanierungsprozesses, durch den Mühlburg attraktiver und moderner werden soll. Die offizielle Antwort der Stadt auf seine Anfrage wird Ferrini in diesen Tagen zugestellt. Den Vorwurf, dass die Stadt die Bürgervereine nicht ernst nehme, weist die städtische Pressesprecherin Helga Riedel entschieden zurück. „Der Austausch mit den Bürgervereinen ist der Verwaltung natürlich ein wichtiges Anliegen. Deshalb sind die Vereine unter anderem auch zu Gremiensitzungen eingeladen.“

Vielleicht sei er ja ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen, räumt Ferrini ein paar Tage nach seiner virtuellen Schimpftirade ein. „Aber ich kann nicht jeden Bericht aus dem Gemeinderat lesen“, fügt er gleich hinzu. „Ich habe schließlich auch noch einen Job.“ Allerdings wolle er auch nicht als „Lautsprecher“ oder „Fahrradhasser“ dastehen. Ihm gehe es lediglich um eine Kommunikation auf Augenhöhe.

Bleibt die Frage, warum er eigentlich nicht mit dem Fahrrad in die Innenstadt fährt. Wo es jetzt doch so breite Fahrradstreifen in Mühlburg gibt. „Von den Fahrradverkehrsplanern lasse ich mich auf keinen Fall umerziehen“, sagt Massimo Ferrini und grinst. „Außerdem habe ich meistens einen Aktenkoffer und andere Unterlagen bei mir. Die kann ich nur mit dem Auto transportieren.“

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