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Mit den Augen einer Katze

Karlsruher Katzenpsychologin: Die falsche Toilette sorgt oft für Probleme

Barbara Johanna Heller aus der Karlsruher Waldstadt ist Tierpsychologin. Ihr Spezialgebiet sind Katzen. Sie sagt: „Die Ursache vieler Probleme zwischen Mensch und Katze liegt oft darin, dass der Mensch die ‚Katzensprache‘ nicht richtig deuten kann.“ Was also tun, wenn eine Katze Probleme macht?

Die Karlsruher Tierpsychologin Barbara Johanna Heller mit ihrer Katze Luna. Bevor sie mit einer Behandlung beginnt, macht sie grundsätzlich einen Hausbesuch bei ihren Kunden, um das Umfeld der Katzen kennenzulernen. Foto: ARTIS - Uli Deck ARTIS - Uli Deck

Die junge Frau aus Heidelberg war ziemlich verzweifelt. Sie hatte zwei junge Kätzchen, aber die beiden wollten sich einfach nicht verstehen. Immerzu gab es Streit und Ärger zwischen ihnen. In ihrer Not wandte sie sich an Barbara Johanna Heller.

Die erfahrene Tierpsychologin aus Karlsruhe fand dann relativ schnell heraus, warum die beiden Samtpfoten gar nicht so samt waren, wie man sich das wünscht. „Die waren schlichtweg nicht ausgelastet“, sagte sie. Die Lösung war schnell gefunden: „Ich riet der Frau, ein Katzenlaufrad zu kaufen.“ Die Heidelbergerin beherzigte den guten Ratschlag und bedankte sich ein paar Wochen später bei Barbara Johanna Heller, indem sie ihr ein Foto der nun sehr zufriedenen Katzen schickte.

Kater Max gab den Ausschlag

Ein Fall von vielen, in dem die ehemalige EDV-Expertin aus der Karlsruher Waldstadt helfen konnte. Vor drei Jahren machte sie sich nach einem Fernstudium an der Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN) in der Schweiz selbstständig. Sie wollte beruflich noch einmal etwas ganz Anderes machen. Auf die Idee brachte sie ihr Kater Max.

„Der hatte, als ich ihn bekam, schon sehr viel Unangenehmes erlebt und war immer aggressiv.“ In der Tierheilpraxis von Pia Kabierske in Rheinstetten erhielt sie wertvolle Tipps für den weiteren Umgang mit dem Kater. „Das brachte mich auf die Idee, mich selbst in dieser Richtung weiterzubilden.“ Also absolvierte sie eine Ausbildung zur Tierpsychologin – Spezialgebiet Katze – an der renommierten ATN.

Videos statt direkte Tierbeobachtungen

Hier ging es zum einen um die Grundlagen der Verhaltenswissenschaften, zum anderen aber auch um die Themenbereiche „Denken und Erleben beim Tier“ oder die „Mensch-Tier-Beziehung“. Katzenrassen und deren spezifische Besonderheiten standen ebenso auf dem Stundenplan wie die Grundlagen der Persönlichkeitsforschung bei Katzen. Zahlreiche Videos ersetzten direkte Tierbeobachtungen. Die Lernunterlagen stammten zum Teil von Biologen und Neurowissenschaftlern, die in der Forschung oder Praxis tätig sind oder seit Jahren Tierbeobachtungen in der Wildnis betreiben.

Inzwischen hat Barbara Johanna Heller Kunden aus ganz Baden-Württemberg und dem benachbarten Ausland. „Die Ursache vieler Probleme zwischen Mensch und Katze liegt oft darin, dass der Mensch die ‚Katzensprache‘ nicht richtig deuten kann“, sagt sie. Doch wie deutet man die Sprache der Katzen?

„Zum Beispiel, indem man sie genau anschaut und auf Schnurrhaare, Ohren oder Schwanz achtet.“ Daraus lassen sich oft schon wichtige Erkenntnisse gewinnen. Andererseits weiß man natürlich auch, dass Katzen rätselhafte Wesen sind, die nur ungern Schwächen zeigen und zwar gerne miauen, wenn ein Mensch in der Nähe ist, sich aber halt nun mal leider nicht verständlich ausdrücken können. Was also tun, wenn eine Katze Probleme macht?

Ohne Hausbesuch geht nichts

Am Anfang einer Behandlung steht immer und grundsätzlich ein Hausbesuch. „Nur direkt vor Ort kann ich mir ein Bild über die Lebensumstände des Tieres machen.“ Und ganz oft sind die Probleme ziemlich schnell erkannt. „Sehr oft liegt es zum Beispiel an den Katzentoiletten“, sagt die Psychologin. „Es gibt sehr viel hartes Katzenstreu oder sogar welches, das duftet. Das mögen die nicht.“

Viele Menschen wissen nicht, dass die andere Katze erst einmal trauern muss
Barbara Johanna Heller, Tierpsychologin

Auch sogenannte Haubentoiletten seien oft ein Grund für schlecht gelaunte Stubentiger. So einfach ist es jedoch nicht immer. „Ein Klassiker ist der Fall, wenn jemand zwei Katzen hatte, von denen eine starb. Da wird dann oft viel zu schnell eine neue, zweite angeschafft. Denn viele Menschen wissen nicht, dass die andere Katze erst einmal trauern muss. Das kann bis zu einem Jahr dauern. Diese Zeit sollte man abwarten, bis man sich eine neue Katze zulegt.“ Während ihrer Hausbesuche versucht die Tierpsychologin, „die Wohnung mit den Augen der Katze zu sehen. Wo steht was und was findet sie vielleicht nicht schön?“

Der letzte Ausweg

„Wenn die Menschen zu mir kommen, haben sie oft schon einen langen Leidensweg hinter sich“, sagt Heller. Für viele ist das dann der letzte Ausweg. Oft wäre es aber eher dringend geboten, einen Tierarzt aufzusuchen. Das Problem der Katze kann zwar auch seelisch bedingt sein, hat häufig aber ganz einfach medizinische Erklärungen. Eine Futterunverträglichkeit beispielsweise. Oder eine Allergie.

„Keine Katze wird aggressiv geboren. Wenn eine aggressiv ist, dann ist das eigentlich immer menschgemacht“, weiß die Tierpsychologin. Viele Katzen haben leider kein schönes Leben, sondern wohnen – zum Teil mit Dutzenden von anderen Katzen – in Haushalten, die schlicht überfordert sind. Und dann gibt’s vom Besitzer womöglich Schläge. „Dabei ist schon der kleinste Klaps, den sie einer Katze ‚zur Bestrafung“ geben, Tierquälerei.“ Wie überhaupt Strafen grundsätzlich abzulehnen seien, denn diese zerstören das Verhältnis zwischen Tier und Halter. Zudem lösen Bestrafungen sehr oft Ängste und Angstverhalten aus, was dann wieder zusätzliche Problematiken mit sich bringt.

Kann man als sagen, dass die meisten „psychischen“ Probleme der Katzen nur durch falsche Behandlung entstehen? „Ja“, sagt die Expertin, „das ist zumindest sehr oft der Fall.“ Das mag für manchen Besitzer bitter zu hören sein, aber er kann es auch positiv sehen: Wenn er sein Verhalten ändert, ändert auch das Tier sein Verhalten. Doch damit es soweit kommt, bedarf es oft der Einschätzung des Tierpsychologen, der gelernt hat, tierisches Verhalten besser einzuschätzen als „Otto Normalverbraucher“. „Hopplahopp“ geht die Behandlung, bei der es einen ausgetüftelten Therapieplan gibt, allerdings nicht. „Das kann“, so Heller, „auch schon mal ein Jahr dauern.“

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