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„I hätt do mol e Frog”

Warum das Abfall-Chaos im Karlsruher Schlossgarten kaum zu bewältigen ist

Auf der Suche nach Essbarem durchstöbern Krähen oft und gerne die Abfallbehälter im Schlossgarten und hinterlassen rundherum unansehnliche Müllfelder. Um das zu verhindern, wurden eigens spezielle Mülleimer mit verkleinerter Deckelöffnung beschafft. Die Krähen stört das herzlich wenig - doch sind sie wirklich die einzigen „Müllsünder” in Karlsruhes zentraler Parkanlage?

Loch ohne Boden: Ein Abfalleimer beim Schlossgartensee besteht nur noch aus Halterung und Deckel-Ring. BNN-Leser Gerhard Kuhn möchte wissen, warum er nicht ersetzt wird. Foto: Jörg Donecker

Gerhard Kuhn wundert sich. Der Organisationsprogrammierer wohnt in direkter Nachbarschaft des Schlossgartens, genießt hin und wieder einen Spaziergang durch die morgendlich-kühle Parkanlage. „Mit dem einsamen Ring vorne am See fing es an”, erzählt er: „Wir wollten etwas wegwerfen, aber da war gar kein Mülleimer dran an dem Ring.”

Der Ring ist eigentlich eine Art Deckel des Abfalleimers, der durch sein verkleinertes Wurfloch Krähen und andere Vögel davon abhalten soll, die Abfälle herauszuziehen und auf der Suche nach Essbarem alles in der Parkanlage zu verteilen. „Das tun sie aber genau trotzdem”, sagt Kuhn.

Mehrere defekte Mülleimer im Schlossgarten

Kuhn und seine Freundin fanden auf ihrer Suche nach einem intakten Abfallbehälter weitere Mängelexemplare: Teils sind die Tonnen aus ihrer Halterung gerutscht und hängen nur noch an einem Drahtseil schräg nach vorne – was es wiederum Krähen noch leichter macht, an den Inhalt zu kommen.

Teils haben die Tonnen auch schon jeden Halt verloren, stehen direkt am Boden, natürlich fehlt auch hier die Vogelblockade in Form des ringförmigen Deckels. „Wir dachten okay, das wird bestimmt bald repariert”, sagt Kuhn. Wurde es aber nicht. „Und so fiel uns das immer mehr auf.”

Kuhn wandte sich mit dem Thema unter der Rubrik „I hätt do mol e Frog” an die BNN-Redaktion. „Wieso lässt man so etwas schief in der Gegend rumhängen?”, fragt er. „Es kann nicht so teuer und so schwer sein, die Abfalleimer mal auszutauschen.”

In Schieflage: Dieser Abfalleimer wurde aus seiner Halterung gelöst. Foto: Jörg Donecker

Früh morgens, bevor die erste Aufräum-Tour der Schlossverwaltung beginnt, könne man größere Müll-Kreise um jeden Abfalleimer herum beobachten – genauso wie die Vögel, die Kuhn als Hauptverantwortliche für das Abfall-Chaos ausgemacht hat.

Sigrid Seifert-Förster sieht das etwas anders. „Schlimmer ist, dass die Leute alles liegen lassen”, erklärt die Leiterin der Abteilung Gebäudemanagement bei dem für das Schloss zuständigen Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Tatsächlich hätten vor der Anschaffung der Abfalleimer mit dem Ring-Deckel die Krähen regelmäßig „den Müll ausgeräumt”.

Deshalb wurden die jetzigen Behälter angeschafft. Die Wahl des Modells sei ein damals für gut befundener Kompromiss zwischen Funktionalität und Ästhetik gewesen. „Nach dem Corona-Lockdown haben wir festgestellt, dass die Krähen immer noch oben auf den Mülleimern sitzen”, räumt Seifert-Förster ein.

Gibt’s da noch was zu holen? Der Inhalt der Mülleimer im Schlossgarten ist für Krähen ein gefundenes Fressen. Foto: Jörg Donecker

„Sie bleiben am Rand und beobachten die Passanten genau. Und wenn die Leute Müll hinterlassen, freuen die Krähen sich.” Denn sobald der Müll im Behälter eine gewisse Füllhöhe erreicht, kommen die schlauen Vögel wieder bequem heran. Besonders viel Abfall landet in den Behältern entlang der Hauptwege.

„Und wenn die voll sind, wird’s halt daneben geschmissen”, sagt Seifert-Förster. Nach der Wiederöffnung des Schlossgartens habe das Müllaufkommen „ganz massiv zugenommen”, und man beobachte auch deutlich mehr Krähen als bisher. Wie jeden Sommer habe man auch dieses Jahr zusätzliche Mülltonnen aus Plastik mit Standard-Klappdeckel aufgestellt.

Diese würden allerdings von nächtlichen Parkbesuchern gerne mal umgeworfen. „Da freuen sich die Krähen wieder und zerren den Müll durch die Gegend”, so Seifert-Förster. Man habe bereits überlegt, die zusätzlichen Mülltonnen wieder abzuräumen – denn mit der Verdoppelung der Müllentleerung seien auch die Kosten gestiegen.

Rund um diesen Mülleimer liegt allerlei Verpackungsmüll. Zwischendrin spaziert eine Krähe herum. Foto: Jörg Donecker

Pro Tag kostet die Entsorgung des Mülls im Schlossgarten etwa 130 Euro – rund 140.000 Euro im Jahr. „Die unterstützenden Arbeiten der Gärtner im Notfall sind hier nicht mit eingerechnet. Die Kosten für die Zusatztonnen ebenfalls noch nicht.”

Was die „abgehängten” oder ganz fehlenden Müllbehälter angeht, so sieht Seifert-Förster hier die Ursache ebenfalls ganz klar beim Menschen. „Das ist Vandalismus”, sagt sie. Die Bauabteilung werde sich der Sache annehmen. Verhindern lasse sich die Schieflage bei den Müllbehältern künftig aber nicht. „Gegen diese Mutwilligkeit, etwas zu zerstören, sind mir die Hände gebunden.”

Appell an die Karlsruher Bürger

Als kurzfristige Lösung für das Müllproblem in Karlsruhes zentraler Parkanlage appelliert sie an das Verantwortungsgefühl der Bürger: „Die Leute sollten darauf achten, die Abfallbehälter nicht komplett voll zu machen. Ein paar Schritte weiter gibt es immer Tonnen, die noch nicht voll sind.” Zudem solle man den Müll im Zweifelsfall lieber wieder mitnehmen und zuhause entsorgen.

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