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TV-Geschichte: Wie es früher war

Warum man in den 60er-Jahren Münzen zum Fernsehen brauchte

Wie war das damals bei den Anfängen, als es die ersten Fernsehgeräte gab? Der Karlsruher Ingenieur und Fernsehtechniker Detlev Blaßmann blickt zurück.

Detlev Blaßmann von Fernseh Blaßmann mit einem alten TV-Gerät und einer Anbringung zum Münzeinwurf. Foto: Rake Hora

Noch in den 1960er und 1970er-Jahren konnten sich viele Menschen keine eigenen Fernsehgeräte leisten. Deshalb gab es in Nebenzimmern von Gaststätten oder Hotels Fernsehgeräte mit einem Anbaukasten für den Einwurf von Münzen – erst dann startete der Fernseher.

Detlev Blaßmann von Fernseh Blaßmann aus Karlsruhe-Mühlburg bot früher auch solche Geräte in seinem Unternehmen an. „Mit einer D-Mark konnte man eine oder zwei Stunden schauen“, sagt er. „Man musste immer schauen, dass man eine ganze Schale Münzen hatte.“ Denn sonst hätte es sein können, dass es für das Ende eines Films nicht mehr reichte.

Wer Fernsehen wollte, musste in den 60er-Jahren bei manchen Fernsehern hier eine Mark einwerfen. Foto: Rake Hora

Vorrichtungen wurden nachträglich angebracht

Blaßmann erinnert sich, dass diese Münzeinwurf-Vorrichtungen nachträglich an den Geräten angebracht worden. Bis Mitte der 70er seien diese Apparate nachgefragt worden. Sein eigenes Unternehmen existiere seit Mitte der 1960er-Jahre.

Bei deutschen Markenherstellern wie Blaupunkt, Siemens, Loewe oder Grundig stand damals noch Qualität dahinter. Viele der Traditionsmarken seien verkauft worden, erzählt er. Bei TechniSat-Geräten könne man auch heute noch von guter Qualität ausgehen.

Blaßmann beobachtet, dass die Kunden heute eher ein neues Gerät kaufen, als ein altes zu reparieren. Er selbst habe sich mit 17 oder 18 Jahren selbstständig gemacht und seither nicht nur verkauft, sondern auch selbst repariert.

1954 gab es 61 TV-Geräte in Karlsruhe

Mitte der 1950er wurden die ersten Fernseher In Karlsruhe angemeldet. Im Sommer 1954 waren es beispielsweise 61 registrierte Geräte in Karlsruhe, zum Jahresende bereits 534, wie alte BNN-Artikel aus dem Archiv verraten. Damals kam ein Fernsehapparat auf 500 Einwohner.

Detlev Blaßmann mit einem alten Fernsehgerät und einer Anbringung zum Münzeinwurf. Foto: Rake Hora

Die meisten standen in Gaststätten oder Kaufhäusern. Fernsehen war damals ein Gemeinschaftserlebnis und nahm rasant zu. Schon im Jahr 1960 standen 18.000 Apparate in den Karlsruher Haushalten. 1980 waren es rund 103.000 Haushalte mit einem angemeldeten „Flimmerkasten“, wie sie damals auch genannt wurden.

Seit 1967 wird das Fernsehprogramm farbig ausgestrahlt. Während der „Farbfernsehwelle“ waren im Hochsommer 1972 während Olympia besonders gefragte Modelle ausverkauft und die Lager der Einzelhändler restlos geräumt.

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