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Beseelte Klangkörper

Warum singen im Chor? Spurensuche auf dem Chorfest Baden in Karlsruhe führt zu tiefen Gefühlen

Der Gesang im Chor, auch im Kirchenchor, löst besondere Impulse bei den Menschen aus. Das große Chorfest Baden der evangelischen Landeskirche in Karlsruhe macht deutlich, was Sängerinnen und Sänger aller Altersklassen eint und beseelt.

© Jodo-Foto /  Joerg  Donecker//  1.07.2022 Chorfest Baden /  Foto:  Mitsingoratorium / von Ewigkeit zu Ewigkeit / Marktplatz, -Copyright - Jodo-Foto /  Joerg  Donecker Sonnenbergstr.4  D-76228 KARLSRUHE TEL:  0049 (0) 721-9473285 FAX:  0049 (0) 721 4903368  Mobil: 0049 (0) 172 7238737 E-Mail:  joerg.donecker@t-online.de Sparkasse Karlsruhe  IBAN: DE12 6605 0101 0010 0395 50,
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Ein riesiger Klangkörper: Vor der Bühne auf dem Marktplatz stimmten beim Chorfest Baden unzählige Menschen beim Mitsing-Oratorium freudig ein und waren weithin hörbar. Foto: Jörg Donecker

Singen, alleine oder auch im Chor – was gibt uns das? Gemeinschaft, innere Freude, gar Hochgefühle? Die Spurensuche auf dem Chorfest Baden führt zur Motivation des Gesangs, die eine weite Altersspanne vom Kleinkind bis zum Greis erfassen kann. Ganz zufällig Feuer gefangen hat Linde Petersen.

Eigentlich ist sie nur wegen der Tiny-House-Messe in Karlsruhe aus dem hohen Norden angereist. Jetzt steht sie hier vor der großen Bühne beim Mitmach-Oratorium und hat Noten in der Hand. „Vorsicht, wenn Sie direkt vorm Sopran sitzen“, warnt sie noch und legt dann los. So hoch, davon können Männer nur träumen.

Landeskantor macht erfolgreich Mut

Es ist das Einsingen für den Auftritt des kunterbunten Klangkörpers wenig später. Und Landeskantor Achim Placke ist schon beschwingt. „Ob die Dame da hinten ein G statt A gesungen hat, darauf kommt es nicht an.“

Die Stuhlreihen vor der Bühne sind beschriftet: Bass, Tenor, Sopran und so weiter. Chorsänger und Spontanbegeisterte nehmen Platz. „Seit ich 15 bin singe ich im Chor“, erzählt Petersen. Rund 35 Jahre später singt sie immer noch. „Es ist eine fremde Stadt, und im Gesang ist man sofort mit dabei.“ Singen verbindet offenbar.

Das im Chor geht viel mehr ins Getriebe.
Michael Kopka, Chorsänger aus Heidelberg

Diese Gemeinschaft hat gefehlt, das wird immer wieder deutlich. Sopranistin Petersen aus Rotenburg an der Wümme hätte nicht gedacht, dass sie heute zusammen mit Bass Michael Kopka aus Heidelberg-Wieblingen Passagen aus „Die Schöpfung“ von Haydn anstimmt.

„Es ist Energie“, beschreibt Bass Michael Kopka Gesang im evangelischen Kirchenchor. Ein Gefühl wie beim Fußballspiel oder bei Gitarrenmusik am Lagerfeuer? „Nein, das im Chor geht viel mehr ins Getriebe“, betont er. Nach einem Auftritt mit dem Chor könne er drei, vier Stunden keinesfalls einschlafen. So erfüllt und aufgeladen sei er.

Statt „Dornbusch“ nun Marktplatz-Chor

Das Mitmach-Oratorium mit Best Of aus fünf Oratorien ist erfolgreich. „Die Wege des Herrn sind manchmal ziemlich rutschig und unergründlich“, sinniert Landesbischöfin Heike Springhart in einer Liedpause von der Bühne. Der Blick in die weite Welt, auf Kriege und Corona-Nöte ist das eine, doch hier scheint sich gerade ausgesprochene Harmonie zu entfalten.

„Der gemeinsame Klang ist was anders als allein.“ Brigitta Meyer-Zentner und ihre Freundin sind aus Offenburg gekommen. Heute ist nicht die Kirchenband „Dornbusch“ Klangkörper. Nun fügen sie ihre Stimmen hier auf dem Marktplatz geschmeidig ein. Es folgt das kraftvolle „Halleluja“ aus unzähligen Stimmen – und Gänsehaut beim Zuhören.

© Jodo-Foto /  Joerg  Donecker//  1.07.2022 Chorfest Baden /  Foto:  Kinderkonzert / Musical  "Kunterbunt" in der Lutherkirche,    -Copyright - Jodo-Foto /  Joerg  Donecker Sonnenbergstr.4 
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Kinder unterm Regenbogen: Beim einstudierten Musical „Kunterbunt“ waren in der Lutherkirche junge Sänger aus ganz Baden dabei. Rechts Kirchenmusikdirektorin Dorothea Lehmann-Horsch. Foto: Jörg Donecker

Und das Singen scheint auch die Kinder zu beseelen, das wird in der Lutherkirche klar, wo rund 150 Kinder aus ganz Baden das Musical „Kunterbunt“ aufführen. Bis Samstagmorgen kannten sich die Kinder noch nicht. „Bist du froh, farbenfroh, ist dein Leben ebenso“, singt der Nachwuchs vom Lutherana-Chor mit neuen Freunden aus Mannheim oder Bad Dürrheim.

In nur einer Probe am Samstagmorgen hat Angela Betz die jungen Protagonisten geeint und scheint zusammen mit Kirchenmusikdirektorin Dorothea Lehmann-Horsch selbst überrascht, wie gut das gelang. „Kinder sind ziemlich mutig, die kann man rein werfen“, meint Betz.

Und Lehmann-Horsch kennt diese Unbefangenheit und zugleich die Fähigkeit, tiefe Eindrücke aufzunehmen. „Manche hatten Tränen in den Augen. Das hier nehmen die Kinder mit fürs Leben.“ Prägend scheint der Chorgesang also ebenfalls zu sein. Geprägt vom Chor und von der Familie ist der elfjährige Patrick Meier.

Mutter, Vater, seine zwei Geschwister, alle singen in Chören. Warum? Kindlich einfach die Antwort: „Es ist einfach schön.“ Und scheint die katholisch-evangelische Familie zu einen, ist aus den Worten seiner Mutter Anja zu schließen. „Zu einem Geburtstag haben wir letztens das Halleluja vierstimmig gesungen.“

Max singt, seit er laufen kann.
Oma Rita Lang, Zuhörerin

Alle Altersklassen scheinen hier Gesang zu leben. Und als der Projekt-Kinderchor später auf dem Marktplatz die Musical-Lieder unter Applaus darbietet schließt sich die Klammer. Im Publikum winkt Oma Rita Lang wie wild zur Bühne.

Enkel Max (10) steht dort oben. „Max singt, seit er laufen kann.“ Ihre Freundin Regina Geißler unterstreicht: „Das Singen befreit auch uns Erwachsene.“

Plötzlich wird im Schlossgartenbähnchen gesungen

Und dann muss Oma Rita eine Anekdote zum Enkel erzählen. Wie sie letztens im Schlossgartenbähnchen saßen, „als plötzlich ein Vater mit seinen drei Kindern vor uns ,Geh aus mein Herz und suche Freude’ zu singen anfing“.

Das gemeinsame Gesang bei dieser Fahrt sei so wunderbar gewesen. Und da stimmen sie, ihre Freundin und eine fremde Frau eine Reihe dahinter das Lied an und strahlen. „Unisono – vielstimmig eins“ ist das Motto des Chorfests in Karlsruhe. Das hat an diesem Samstag funktioniert.

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