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Treffpunkt wird 50

„Zweites Wohnzimmer für die Leute“: Was die AWO-Begegnungsstätte in Karlsruhe besonders macht

Die Räume in der Karlsruher Wilhelmstraße waren eine halbe Ruine. Doch mit viel Herzblut und Arbeit wurde daraus ein Treff für Jung und Alt. Nun feiert die AWO-Begegnungsstätte runden Geburtstag.

Weihnachtlich geschmückt feiert die AWO-Begegnungsstätte in der Südstadt ihren 50. Geburtstag. Margot Braun, Mathilde Mainhardt, Renate Tamburlin, Monika Storck, Martin Braun und Erich Weichsel (von links) erzählen aus ihren Erfahrungen.
Die AWO-Begegnungsstätte feiert ihren 50. Geburtstag. Margot Braun, Mathilde Mainhardt, Renate Tamburlin, Monika Storck, Martin Braun und Erich Weichsel (von links) erzählen von ihren Erfahrungen. Foto: Jörg Donecker

Man fühlt sich wohl und auf schwer erklärbare Weise zu Hause, betritt man die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Karlsruher Südstadt. Ein „zweites Daheim“ war und ist sie für viele Menschen, wird es auch weiterhin sein.

Gemütlich ist es in dem freundlichen Raum in der Wilhelmstraße 47 in einem denkmalgeschützten Haus der Volkswohnung. Ein Haus mit AWO-Geschichte: Die AWO-Begegnungsstätte feiert am Montag, 18. Dezember, ihren 50. Geburtstag mit Mitgliedern und Freunden. Anlass für einen Blick zurück.

Und da wiederum spielt Mathilde Mainhardt eine große Rolle, die Gründerin der Begegnungsstätte. Eigentlich damals im Waldheim aktiv, wurde sie anlässlich einer Hauptversammlung in der „Deutschen Eiche“ von ihrer Wahl zur Vorsitzenden des AWO-Stadtbezirks Südstadt vollkommen überrascht.

Ehemalige AWO-Vorsitzende erinnert sich an Anfänge der Begegnungsstätte

„Wie die Jungfrau zum Kind“, sei sie zu dieser Ehre gekommen. Doch einmal gewählt, so erinnert sich die heute 90-Jährige schmunzelnd, habe sie dann auch angepackt. Zusammenkünfte und Treffen hat sie organisiert, doch immer in Gaststätten, was für die Menschen in diesen Jahren oftmals zu teuer war.

Zehn Jahre vergingen, bis ihr der ehemalige AWO-Geschäftsführer Nobert Vöhringer bei einer Feier im Januar 1973 verkündete: „Damit du endlich ruhig bist: Jetzt hast du deine eigenen Räumlichkeiten.“ Die Immobilie in der Wilhelmstraße musste aber erst einmal Instand gesetzt werden.

Das war eine halbe Ruine.
Margot Braun
ehemalige AWO-Vorsitzende

„Das war eine halbe Ruine“, erinnert sich auch Margot Braun, die Mathilde Mainhardt später als Vorsitzende AWO-Südstadt ablöste. 14 Schuttmulden hätten vor dem Haus gestanden und fünf Männer schufteten an den Samstagen, um in einjähriger Arbeit die Räume herzurichten.

Ein Schreiner verwandelte die Tür gratis in einen Torbogen: Heute noch heißt der Eingang deshalb „Pfeifferbogen“. Das Geschirr suchte man sich irgendwie zusammen und für Wärme sorgten zwei Gasöfen. Bevor Mathilde Mainhardt morgens zur Arbeit ging, zündete sie schnell noch die Öfen an, damit es mittags warm war. Denn dann kamen die Gäste, an drei Nachmittagen. Männer, die Karten spielten, und handarbeitende Frauen. Kaffee gab es immer „aufs Haus“ und Kuchen wurde mitgebracht.

Das war das zweite Wohnzimmer für die Leute.
Erich Weichsel
ehemaliger AWO-Geschäftsführer

Ein Hauch von alter Südstadtromantik weht durch den Raum, bei diesen Erzählungen. „Das war das zweite Wohnzimmer für die Leute“, bestätigt auch Erich Weichsel, der bis 2006 hauptamtlicher Geschäftsführer der AWO Karlsruhe-Stadt war und sich auch heute noch verbunden fühlt. Denn, und dazu nickt die ehrenamtliche Helferin und Schriftführerin Renate Tamburlin: „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft.“

Mietzuschuss der Stadt Karlsruhe läuft 2023 aus

Das heißt aber nicht, dass „andere“ nicht willkommen wären. Im Gegenteil. Die AWO war immer schon offen gegenüber anderen Gruppierungen und wird es auch in Zukunft sein müssen. Denn der Mietzuschuss der Stadt Karlsruhe wird nur noch 2023 gewährt. Danach muss die Begegnungsstätte, wie andere auch, auf eigenen Füßen stehen.

Zwei Tage in der Woche sind die Räumlichkeiten in der Wilhelmsstraße bewirtschaftet – an den Tagen und in den Stunden, in denen sie leer stehen, können sie gegen Gebühr von anderen Gruppen und Vereinen genutzt werden. Es gibt eine Küche und Toiletten.

AWO-Vorsitzende blickt optimistisch in die Zukunft

Monika Storck, ehrenamtliche Vorsitzende des AWO-Kreisverbands Karlsruhe-Stadt, sieht optimistisch in die Zukunft. „Das Konzept stimmt, und wir sind ja untereinander verbunden. Auch aus anderen Stadtteilen können Menschen zu uns kommen, die das Gespräch und das Miteinander suchen. Für neue Ideen und Besucher sind wir immer dankbar.“

Auch junge Menschen sind willkommen. Deshalb hat man nun Wi-Fi in den Räumen, sodass auch ein Computer mitgebracht werden kann.

„Leider haben Jüngere weniger Zeit, sich bei uns einzubringen“, sagt Storck und weiß sich da einer Meinung mit Martin Braun, dem derzeit kommissarischen Vorsitzenden des AWO-Stadtbezirks Südstadt. Er macht nämlich weiter, bis ein Nachfolger gefunden ist.

„Es fehlen ein wenig diejenigen um die 60, die bei uns mitmachen wollen.“ Und doch geht das Programm erst einmal weiter. Es gibt montags ab 14 Uhr Bingo und Spiele, mittwochs Tischkegeln und an jedem zweiten Donnerstag im Monat einen Ausflug.

„Aber die Aktivitäten sind nur eine Sache“, stellt Weichsel fest und alle am Tisch nicken übereinstimmend: „Das Wichtige ist das Zusammensein und das Reden. Gegen die Einsamkeit.“

Service

Die Feier zum 50. Geburtstag der AWO Südstadt findet am Montag, 18. Dezember, von 14 bis 17 Uhr in der Wilhelmstraße 47 statt. Wer sich ins Vereinsleben einbringen und die AWO-Gemeinschaft erleben möchte, kann sich per E-Mail an kreisverband@awo-karlsruhe.de wenden.

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