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Ganz andere Ferien in und um Karlsruhe

Was tun mit den Kindern im Corona-Sommer? - Mütter erzählen

Sommer! Das klingt nach Urlaub, Eis und Entspannung am Baggersee. Doch das war vor Corona. Mütter erzählen, wie sie diesen Sommer mit ihren Kindern in und um Karlsruhe erleben.

Carolin Welte und ihre Tochter Leni haben im Corona-Sommer bei der Suche nach einen Platz am Wasser eine wahre Odyssee erlebt. Foto: Sarah Nagel

Von unserer Mitarbeiterin Sarah Nagel

Die Corona-Epidemie hat vieles verändert. Steigt das Thermometer, sind die Plätze am Wasser hart umkämpft. Viele Baggerseen im Südwesten sind momentan derart gut besucht, dass regelmäßig die Polizei einschreiten muss , um den Verkehr zu regeln oder Hygieneregeln durchzusetzen.

Auch andere Familien-Hotspots wie Spielplätze oder die einschlägigen Ausflugsziele sind heillos überlaufen. Vielerorten ist Abstand halten längst nicht mehr möglich.

Und so graut es besonders den Eltern von kleinen Kindern vor der kommenden Zeit. Schließlich sind die Kitas, die erst Ende Juni endgültig für alle Kinder öffneten, nun schon wieder teils wochenlang geschlossen. Was tun mit dem Nachwuchs?

Carolin Welte schaut mit Anspannung auf die nächsten Wochen. Gleich am ersten Ferientag hatte die Sozialpädagogin ein Erlebnis, das ihr die Augen dafür öffnete, dass dieser Sommer ein ganz anderer wird als jeder zuvor.

„Es waren 38 Grad und ich wollte mit meiner zweijährigen Tochter Leni an den Baggersee in Linkenheim“, erinnert sie sich. „Ich dachte, dort sei es nicht so überfüllt wie in einem Freibad.“ Doch das war ein Trugschluss, denn der Ausflug entwickelte sich zu einer wahren Odyssee.

Tränen wegen Corona-Einschränkungen statt Baggersee

„Vor Ort war es heillos überlaufen. Es war längst ein absolutes Verkehrschaos entstanden, obwohl es sogar Ordner gab”, erzählt Carolin Welte. Lange ging es weder vor noch zurück, im Auto wurde es immer heißer, die verschwitzte Leni immer ungeduldiger. „Schließlich schnallte sie sich sogar ab brach in Tränen aus und forderte lautstark: ,See, See!’“, erzählt Carolin Welte.

Aber ganz wollte die Mama noch nicht aufgeben. Schließlich war das Auto bis oben hin mit Utensilien und Verpflegung bepackt. Von einer Bekannten ließ sich die 34-Jährige den Weg zu einem anderen Baggersee erklären. Doch auch das Experiment scheiterte.

„Nachdem ich ihn endlich gefunden hatte, lief ich mit Kind, Sack und Pack einen langen Weg in der gleißenden Sonne entlang. Doch dann standen wir plötzlich vor einem verschlossenen Tor.“ Dahinter glitzerte das Abkühlung versprechende Wasser – zu viel für Carolin Welte.

„Da bin auch ich in Tränen ausgebrochen“, gibt sie zu. Um 15 Uhr war das Mutter-Tochter-Duo gestartet, um 18 Uhr völlig entnervt zu Hause. Carolin Welte betont: „Für mich hat sich das Thema Baggersee auf jeden Fall erledigt.“

Der kleine Sohn versteht das Konzept des Abstandhaltens nicht

Ein Gefühl, das viele Eltern teilen. „Ich habe Baggerseen und Freibäder aus Angst vor einer Ansteckung bisher komplett gemieden“, berichtet Astrid Steurer aus Karlsruhe. „In der Familie haben wir einige Risikopatienten. Außerdem versteht mein Sohn Felix das Konzept des Abstandhaltens nicht, weil er erst zwei Jahre alt ist. Deswegen besuchen wir auch keine Spielplätze.“

Die dreiwöchige Schließzeit ihrer Kita bereitet Astrid Steurer allerdings kaum Kopfzerbrechen. Die Familie führt nun im Wesentlichen das fort, was sie schon während der Corona-Einschränkungen im Frühjahr praktizierte: Sie verwandelt die Wohnung mit Rutsche & Co. in ein Kinderparadies, fährt bei Regen Laufrad im großen Gemeinschaftskeller und ist bei gutem Wetter draußen im Kleingarten. „Der ist in der jetzigen Situation einfach Gold wert.“

Mit dem Lupenbecher in die Natur

Wer keinen Garten hat oder einfach einen Tapetenwechsel braucht, dem bleibt natürlich der Weg in die Natur. Ramona Horn hat zwei Kinder. Elisa ist sechs Jahre alt, Leopold fünf. „Wir werden in den nächsten Wochen viel draußen unterwegs sein. Und zwar überall dort, wo man relativ alleine ist oder gut Abstand halten kann“, erzählt die Durlacherin.

Da Tierbeobachtung momentan zu den Lieblingsbeschäftigungen ihrer Kids zählt, hat die 33-Jährige Lupenbecher gebastelt. Damit erforschen die beiden die Fauna an verschiedenen schattigen Waldlehrpfaden rund um Karlsruhe oder im Oberwald. Ins Freibad Wolfartsweier, „Wölfle” genannt, gesehen sie, wenn es etwas kühler ist. „Da ist dann nicht so viel los“, betont Ramona Horn.

Die Freunde haben einen Pool

Isabel Zöllin nimmt die Situation ähnlich gelassen, und das, obwohl die KiTa ihres zweijährigen Sohnes Kian insgesamt drei Wochen lang zu und sie im achten Monat schwanger ist. „Wenn man frühzeitig geht, kommt man noch gut ins Schwimmbad, zum Beispiel in Rüppurr“, hat die 32-Jährige festgestellt.

„Ansonsten gibt es am Fliederplatz in Mühlburg einen kleineren, wenig frequentierten Wasserspielplatz, wo Kian gut matschen kann. Und: Wir laden wir uns gerne bei Freunden ein, die einen Pool haben“, grinst sie. „Die meisten sind seit Corona ja mit solchen Sachen sehr gut ausgestattet.“

Carolin Welte, die mit der Baggersee-Odyssee, hat keinen Pool – und auch keinen Garten. Natürlich geht sie mit der kleinen Leni ebenfalls viel raus und macht Ausflüge. Aber ein paar Nachmittage am Wasser, irgendwo in der Natur, zu verbringen, wäre der gebürtigen Pfälzerin nun mal lieber gewesen.

Nach ihrem Albtraum-Erlebnis gab es übrigens nur eine Methode, um die Stimmung von Mutter und Tochter wieder zu heben. „Ich habe uns ein riesengroßes Spaghetti-Eis gekauft.“ Immerhin etwas, was in diesem Sommer noch normal ist.

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