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Freibadsaison endet mit Minus

Wegen Corona: Karlsruher Bäder kauften Kugelschreiber für 2.500 Euro

Die Karlsruher Freibadsaison stand lange auf der Kippe. Am 6. Juni gingen dann aber doch noch die Türen auf. Der eingeschränkte Badespaß ist für die städtischen Bäderbetriebe ein teurer. Trotzdem ist man unter dem Strich zufrieden.

Letzte Gelegenheit genutzt: Am Sonntag ging im Rheinstrandbad die unter außergewöhnlichen Bedingungen gelaufene Freibadsaison zu Ende. Foto: Peter Sandbiller

Wenige Schritte vor dem Wellenbecken im Rheinstrandbad bauen am Sonntagmittag Marco Knebel und Santina Schulz ihre Liegen auf. Die beiden sind mit ihrem siebenjährigen Sohn Nevio aus Straubenhardt nach Karlsruhe gekommen. Der Junior ist ein talentierter Wasserspringer, im Rheinstrandbad kann er nebenbei trainieren. „Außerdem müssen wir hier nicht vorab reservieren“, erklärt Papa Marco die Anreise. „Und durch die Einlassbeschränkung ist es oft sogar entspannter als in den vergangenen Jahren.“

270.000 Besucher in der Freibadsaison

Was manche Besucher freut, reißt allerdings ein deutliches Loch in die Kasse der Karlsruher Bädergesellschaft. Man rechnet mit rund fünf Millionen Euro zusätzlichem Verlust. Der rund einen Monat spätere Start der Freibadsaison und die Corona-Einschränkungen trüben die Bilanz deutlich. „Weniger Arbeit hatten wir durch die Auflagen nicht“, sagt Bäderchef Oliver Sternagel. „Dafür aber nur die Hälfte der Besucher.“ Unter dem Strich ist er trotzdem zufrieden. 270.000 Menschen strömten seit Anfang Juni in die Bäder. „Wir haben schnell reagiert und hatten anders als die Kollegen in anderen Städten überhaupt offen. Das ist das Wichtigste“, so Sternagel.

Marco Knebel und seine Familie haben regelmäßig an den Wochenenden die rund 35 Kilometer lange Strecke ins Rheinstrandbad auf sich genommen. Dort registrierte man in diesem Jahr ohnehin ungewöhnlich viele Gäste mit weiter Anreise. „Zu Beginn kamen die Menschen teils aus Stuttgart, Offenburg oder dem Elsass, weil sie dort keine Möglichkeit hatten“, erzählt der stellvertretende Betriebsleiter Thorsten Greiner.

Kugelschreiber für 2.500 Euro gekauft

Für zusätzliches Gedränge sorgte die überregionale Nachfrage nicht, nur an wenigen Tagen erreichte das Bad seine Kapazitätsgrenze. Das weitläufige Gelände war für bis zu 6.000 Menschen zugelassen. Die Besucherampel stand meist aber schon bei etwas mehr als der Hälfte auf Rot. „Wir haben gemerkt, dass es sonst zu langen Schlangen vor den Becken kommt. Dort dürfen in der Summe maximal 600 Besucher gleichzeitig rein“, so Greiner. Viel schwieriger ist die Lage hingegen für das Europabad. Höchstens 500 Menschen sind zugelassen, an vielen Tagen ist diese Zahl schon am Vormittag erreicht. „Das ist extrem bitter“, sagt Sternagel.

Neben den zusätzlichen Diskussionen macht uns die ganze Logistik extrem viel Arbeit
Oliver Sternagel, Bäderchef Karlsruhe

Die Zulassungsbeschränkungen waren eines der größten Diskussionsthemen der vergangenen Monate, berichten viele Bademeister. Im Rheinstrandbad stehen Absperrgitter um die Becken, es gibt jeweils nur einen Ein- und Ausgang. „Neben den zusätzlichen Diskussionen macht uns die ganze Logistik extrem viel Arbeit“, sagt Bäderchef Sternagel. Allein für die Erfassung der Besucherdaten haben die Bäder Kugelschreiber für 2.500 Euro gekauft. Viele Besucher nahmen sie trotz Bitte um Rückgabe einfach mit. Kistenweise stapeln sich Erfassungsbögen. „Nach vier Wochen muss die Frühschicht sie dann nebenbei schreddern“, sagt der Bäderchef. Bisher wurden noch keine Daten zur Rückverfolgung von Kontakten eines Corona-Infizierten benötigt.

Schwimmer gehören zu den Gewinnern der Corona-Regeln.
Kai Karll, Bademeister

Am letzten Öffnungstag sind die Beschränkungen trotz sommerlicher Temperaturen kein Thema. Auf den Rasenflächen bleibt es so leer, dass zur Mittagszeit sogar die Wellenmaschine läuft. „Das machen wir seit einigen Wochen in den Randzeiten, in denen kein Gedränge zu befürchten ist“, erklärt Greiner. Auch ein paar Kilometer entfernt im Rüppurrer Freibad ist am Sonntag nicht mehr viel los. Ein paar Schwimmer ziehen in Ruhe ihre Bahnen. „Die gehören zu den Gewinnern der Corona-Regeln“, erzählt Bademeister Kai Karll lachend. „Für Schwimmer sind die perfekt, für Chiller nicht.“

Früher war im Becken oft der Rand blockiert, in diesem Jahr darf nur rein, wer wirklich schwimmen will. „Wegen mir darf das gerne auch nächstes Jahr so bleiben“, bestätigt Bernhard. Dreimal die Woche schwimmt er für gut 30 Minuten. Meistens in Durlach – aber am Sonntag ist er mit der Familie nach Rüppurr geradelt. „Eigentlich geht es nach der Sommersaison im Weiherhofbad weiter“, sagt der Schwimmer.

Hallenbäder ab dem 14. September geöffnet

Möglich ist das auch in diesem Jahr, denn das Durlacher Stadtteilbad öffnet am 14. September wie die Bäder in Neureut, Grötzingen und das Vierortbad seine Türen. Betriebsleiter Heiko Schnürer und seine Mannschaft haben die vergangenen Tage für letzte Vorbereitungen genutzt. Am Freitag kam noch eine große Lieferung mit Desinfektions- und Reinigungsmitteln.

Ein paar Fragezeichen sind aber geblieben. „Die Anpassung der Corona-Verordnung hat bis zuletzt gefehlt. Sollte es da große Überraschungen geben, müssen wir adhoc reagieren“, sagt er.

Zu uns kommen zum Beispiel viele ältere Menschen, die im Sommer gar nicht im Bad waren.
Heiko Schnürer, Betriebsleiter Weiherhofbad

Aktuell plant das Weiherhofbad mit maximal knapp 80 Besuchern – etwas weniger als sonst durchschnittlich zu dieser Jahreszeit. Besonders zu Beginn rechnet er mit großem Redebedarf. „Wir haben eine andere Klientel. Zu uns kommen zum Beispiel viele ältere Menschen, die im Sommer gar nicht im Bad waren, weil sie das Gedränge nicht mögen“, erzählt Schnürer.

Vorbereitung zur Eröffnung der Hallenbadsaison im Weiherhofbad in Durlach. Foto: Peter Sandbiller

Im Weiherhofbad müssen sie das wohl kaum fürchten. Schnürer geht davon aus, dass maximal 31 Menschen ins Schwimmerbecken dürfen. Im Planschbecken sind gerade einmal zwei zugelassen.

Sonnenbad bleibt bis zum 1. Advent offen

Eine Verlängerung der Freibadsaison stand in Karlsruhe nicht zur Debatte, auch wenn die Temperaturen nochmal über 30 Grad klettern sollen. „Einerseits ist die Nachfrage nicht groß genug, andererseits ist es auch personell nicht zu stemmen“, sagt Bäderchef Sternagel. Viele Mitarbeiter würden nun in den Hallenbädern gebraucht, Verträge der Saisonkräfte sind ausgelaufen.

Ganz auf Freiluft-Baden muss man in der Stadt dennoch nicht verzichten. In dem vom Förderverein getragenen Freibad in Wolfartsweier kann man noch bis zum 20. September schwimmen.

Und auch das Sonnenbad bleibt dank der Betriebskosten-Zuschüsse des Freundeskreises wie in den vergangenen Jahren bis zum 1. Advent geöffnet.

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