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Verhaltener Start

Der Karlsruher Weihnachtsmarkt ist eröffnet – so früh wie nie und mit 2G

In Karlsruhe ist der Christkindlesmarkt so früh wie noch nie in die Weihnachtssaison gestartet. Vor Corona war der traditionelle Starttermin der Donnerstag vor dem ersten Adventswochenende. So lief die Eröffnung am Montag.

Das nasskalte Wetter und der für viele ungewohnte Auftakt bereits am Montag bremsten das Geschäft. Foto: Jörg Donecker

Voller Vorfreude warten schon die ersten Besucher neben der Kirche St. Stephan. Es ist wenige Minuten nach 11 Uhr, der Karlsruher Weihnachtsmarkt soll jetzt öffnen. Es dauert noch einen Moment, dann darf man hinein in die Budenstadt.

Auf drei Plätzen stehen die Hütten in diesem Jahr verteilt. Es duftet nach Glühwein und gebrannten Mandeln. Und auch die Einkaufsstraßen leuchten. Bunte Kugeln, Christbäume, Lichterketten – die Stadt strahlt, die Menschen fotografieren.

Den Greif zum Beispiel, der vor der BNN-Redaktion in der Lammstraße bei Einbruch der Dunkelheit illuminiert wird.

Abstand und breite Wege beim Weihnachtsmarkt Karlsruhe

Bei St. Stephan kommen vor allem Familien auf ihre Kosten. „Ich bin glücklich, dass es das in der Weihnachtszeit gibt. Wir alle brauchen doch etwas positive Motivation“, sagt die Mutter, die mit ihrem zwei Jahre alten Sohn zu den ersten Besuchern am Morgen zählt. Beide zieht es zum Bähnchen. Weitere Mütter und Väter kommen mit dem Nachwuchs auf das Areal.

Zwillingsbrüder laufen zum Kinderkarussell, besetzen den Schlitten mit dem Nikolaus und das Feuerwehrauto. „Es ist schön, glückliche Kinder zu sehen“, sagt Sarina Michel, die selbst zweifache Mutter ist und im Kartenhäuschen sitzt. Sie ist froh, dass der Weihnachtsmarkt jetzt läuft. „Wir sind guter Hoffnung, dass das bis zum Ende möglich ist“, sagt die Schaustellerin.

Die Leute haben Verständnis für die Kontrollen.
Max Langner, Baron Sicherheit

Karlsruhe setzt auf Abstand zwischen den Hütten und auf breite Wege. Auf allen drei Plätzen gilt Maskenpflicht. Die Bereiche, in denen es Essen und Trinken gibt, sind zugangskontrolliert. Es gilt die 2G-Regel, jeder muss sich zudem per Zettel oder Luca-App einchecken. Nur eine begrenzte Zahl an Menschen darf gleichzeitig auf das Areal.

Gegen 12 Uhr bildet sich eine kleine Schlange am Friedrichsplatz. Wer von der Seite Ettlinger Tor kommt, muss warten. Ruhiger geht es einige Meter weiter beim Zugang von St. Stephan her zu.

„Die Leute haben Verständnis für die Kontrollen“, berichtet Max Langner vom Unternehmen Baron Sicherheit. Der Mann fügt hinzu: „Auf der Mess’ und vor Festhallen habe ich das schon anders erlebt, da wurde mit uns diskutiert.“

Verständnis für 2G bei Besuchern auf dem Christkindlesmarkt

Zwei Männer aus Graben-Neudorf wollen nicht diskutieren. Sie zeigen ihren Impfausweis. „Ich freue mich, dass hier 2G gilt. Wir schützen die Ungeimpften, indem sie draußen bleiben“, sagt der Vater, der sich mit seinem Sohn einen frühen Glühwein gönnt. Beide sind sich einig: „Wir fühlen uns auf dem Gelände sicher.“

Bratwurst, Langos oder Lachsnudeln: Zum Mittagessen kommen mehr Besucher. Paare nehmen in den Holzhütten Platz. Doch es läuft langsam an an diesem nasskalten Tag. Traditionell öffnet der Karlsruher Christkindlesmarkt donnerstags. Um den Schaustellern zu helfen, geht es jetzt schon am Montag los. „Das wissen nicht alle“, ist Susanne Filder sicher.

Die Stimmung ist verhalten.
Michael Koffler, Schausteller

Der Vorsitzenden der Karlsruher Schausteller gefällt das Areal. Die Buden sind festlich geschmückt. Über dem Brunnen leuchtet die Eispyramide, die Klassiker wie die Skandihütte oder Kofflers sind da. „Die Stimmung ist verhalten“, sagt Betreiber Michael Koffler. Auch er meint: „Der Platz ist sehr schön und eben auch sehr groß. Das ist der Vorteil.“ Aber klar: „Wir wissen nicht, was kommt.“

Peter Amend treibt der Rest an Unsicherheit ebenfalls um. Er steht am Marktplatz in der Bude der Buchbinde-Manufaktur. Seit 33 Jahren ist dieser Stand auf dem Christkindlesmarkt vertreten. In diesem Jahr ist er wie die anderen, die kein Essen, sondern Waren verkaufen, im frei zugänglichen Bereich zu finden.

„Von mir aus hätten wir hier auch 2G machen können“, sagt Amend. Doch ähnlich wie auf Wochenmärkten kann jeder zu den Ständen gehen, die Honig, Kerzen, Socken oder anderes verkaufen.

Sternlestor auf dem Marktplatz

Im offenen Areal findet sich das Sternlestor, auch das ist ein beliebtes Fotomotiv. Marina Rübe verkauft wenige Schritte weg davon Schokoküsse, 15 Sorten sind im Angebot – deutlich weniger als sonst. Mehr konnte sie nicht bestellen, der Lieferant winkte ab. „Wir haben wochenlang rumtelefoniert.“

Beliebtes Fotomotiv: Vor der BNN-Redaktion in der Lammstraße leuchtet bei Einbruch der Dunkelheit der Greif. Foto: Jörg Donecker

Lebkuchenherzen gibt es, Lebkuchentafeln aber nicht. Eine Frau deckt sich derweil bei Mußlers Backstube mit Plätzchen ein. Die Mitarbeiterin zählt auf: „Vanillekipferl, Spritzgebäck, Hilda, Buttergebäck, Springerle – wir haben die Klassiker dabei. Und die Zimtsterne sind so gut, da braucht man Security.“

Die Kundin lacht. „Meine zwei Männer daheim, da ist das alles schnell weg. Aber ich komme wieder.“

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