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Im Notfall Verlegung möglich

Weniger Operationen: So reagiert das Städtische Klinikum Karlsruhe auf die angespannte Corona-Lage

Auf dem Scheitelpunkt der zweiten Welle scheint das Lazarettschiff „Städtisches Klinikum Karlsruhe“ die Versorgung der akut Schwerkranken ohne Abstriche unter Kontrolle zu haben. Bei aller Kritik an den Lockerungen auch für Silvester ist das Klinikum optimistisch, die Herausforderungen zu meistern.

Im Ausnahmezustand: Die Krankenhäuser operieren in der zweiten Welle der Pandemie weniger als sonst, damit die Covid-Schwerkranken versorgt werden können. Foto: Sven Hoppe

„Die Lage ist unter Kontrolle, bleibt aber unverändert angespannt“, so berichtet Geschäftsführer Michael Geißler von der aktuellen Corona-Situation im Städtischen Klinikum Karlsruhe. Die hohe Auslastung bei 42 Covid-19-Patienten insgesamt, davon neun auf der Intensivstation und fünf von ihnen beatmet, ist stabil.

Es gilt die Stufe drei im Pandemie-Betrieb, was man eigentlich mit allen Mitteln vermeiden wollte, was aber „für uns mit großem Aufwand zu stemmen ist“. Der Regelbetrieb ist laut Geißler „um 20 bis 30 Prozent in den Leistungen eingeschränkt“, viele Operationen und invasive Untersuchungen werden verlegt.

Man schiebe schon einen Berg vor sich her, mit Auswirkungen über Monate. Dabei stellt er klar: „Die Schwerkranken sind nicht unterversorgt.“ Karlsruhes Klinikum erfülle also auch in der akuten Corona-Krise seinen Auftrag als Maximalversorger für Stadt und Region. „Wir schaffen es gerade, es darf aber nicht schlimmer werden“, erklärt der Medizinische Geschäftsführer.

Im Notfall Verlegung möglich

Sieben von 19 OP-Sälen und vier von 76 Normalstationen sind geschlossen. Eine Intensivstation ist komplett für Covid-Patienten umgewidmet. Demnach belegen die Covid-Patienten ein Sechstel der Intensivkapazität.

Sollte man in Karlsruhe in zwei Wochen bei steigendem Bedarf kein Intensivbett mehr haben, könnten Patienten zu anderen Krankenhäusern in weniger belasteten Regionen verlegt werden. Geißler berichtet: „Wir haben jetzt in Baden-Württemberg unter den großen Kliniken einen Verbund gegründet, damit wir uns aushelfen können.“

Sorgen bereitet Pflegedirektor Josef Hug der anhaltend hohe Krankenstand beim ohnehin knappen Pflegepersonal. Aktuell fehlen 184 Kräfte: 33 Pflegerinnen sind positiv auf SARS-CoV-2 getestet und in Isolation, weitere 77 befinden sich in Quarantäne wegen Infektionen in ihrer persönlichen Umgebung.

„Das Infektionsrisiko für unsere Mitarbeiter ist momentan außerhalb der Klinik einfach zu hoch“, klagt Geißler.

Kritik an Lockern zum Böllern

„Die zweite Welle ist abgeflacht, aber nicht gebrochen“, sagt Klinikums-Chef Geißler. Der Teil-Lockdown wirke, aber das reiche keineswegs. „Wir müssen deutlich runter mit den Fallzahlen“, betont er. Geißler lobt die Politik für den gerade bis Weihnachten bekräftigten Kurs.

Er ist optimistisch, dass die Infektionszahlen bald deutlich auf den Inzidenzwert 70 sinken. Das Klinikum sei „gut aufgestellt“ diese Situation zu meistern, obgleich ein Inzidenzwert von unter 50 das Erstrebenswerte mit dann kaum eingeschränkten Leistungen sei. Geißler erwartet aber nicht mehr, dass sich die Situation bis Weihnachten so günstig entwickelt.

Der Mediziner hätte es lieber gesehen, wenn die Politik zum Weihnachtsfest keine Lockerungen beschert hätte. „Die Gesellschaft hätte es in der Pandemie ein Mal ausgehalten“, meint er. Gleichwohl hält er die Lockerungen zum Fest politisch für „verständlich und vertretbar“. Dagegen kritisiert er die Öffnung zum Böllern und Feiern in Sektlaune zu Silvester scharf.

Viele Covid-Schwerkranke sterben zu Hause

Martin Bentz, Direktor der Medizinischen Klinik III und damit der Covid-Spezialist im Klinikum, geht davon aus, dass die inzwischen auf rund 400 pro Tag gewachsene Zahl der Covid-Toten in Deutschland noch wenige Wochen weiter erhöhen wird.

Dabei ist zu beobachten, dass sehr viele alte und vorgeschädigte Menschen auf den Gang ins Krankenhaus zur intensivmedizinischen Behandlung verzichten und dann zu Hause oder im Pflegeheim sterben. Trotz aller Fortschritte in der Behandlung gegenüber der ersten Welle im Frühjahr stirbt auch jetzt immer noch jeder vierte Covid-Patient, der im Klinikum auf die Intensivstation kommt.

Die Sterberate bei Intensivpatienten liege sonst um zehn Prozent, erklärt Josef Hug. Laut Bentz sind im Städtischen Klinikum bislang insgesamt 34 Covid-Patienten gestorben, davon 19 seit Oktober in der zweiten Welle.

Große Impfaktion am Klinikum

Zum kommenden Impfzentrum Karlsruhe will sich Geißler noch nicht konkret äußern. Er versichert nur, dass das Klinikum „intensiv an der Planung beteiligt“ sei. Schon in zwei Wochen werde vieles klar sein. „Der Impfstoff kommt früher als erwartet, und er ist sicher“, freut sich der Experte.

Er plädiert für eine große „Aufklärungskampagne“, um „Befürchtungen in der Bevölkerungen über Nebenwirkungen auszuräumen, damit wir auch eine hohe Impfquote bekommen“. Das Städtische Klinikum will zudem in zwei Wochen bereit sein, „um die 5.000 Mitarbeiter selbst zu impfen“, versichert Hug.

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