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Gestohlenes Diadem

Wie Großherzogin Hilda von Baden zu ihrem Diadem kam

Der mysteriöse Diebstahl hatte vor drei Jahren international Schlagzeilen gemacht. Seither ist das millionenschwere Diadem Hildas, der letzten Großherzogin Badens, verschollen. Was ist über die Historie der Preziose bekannt, was über die einstige Eigentümerin?

Legendäres Diadem: Die 1952 verstorbene Großherzogin Hilda von Baden trägt das millionenschwere Schmuckstück, das 2017 spurlos aus dem Badischen Landesmuseum verschwand. Foto: BNN

Als Gustav V., der König von Schweden, im Juni 1938 seinen 80. Geburtstag beging, trug Großherzogin Hilda von Baden ein eindrucksvolles Diadem.

Die Pforzheimer Schmuckwarenfabrik Schmidt-Staub hatte es um 1906 in Gold und Platin und mit mehreren hundert Brillanten gefertigt – wahrscheinlich anlässlich der Krönung von Großherzog Friedrich II., ihrem Gemahl.

79 Jahre nach dem rauschenden Fest war das Diadem weg. Geklaut aus dem Karlsruher Schloss.

Großherzogin bleibt auch nach ihrem Tod in Baden präsent

Dass die letzte Großherzogin Badens das edle Stück anlässlich der skandinavischen Feierlichkeiten trug – der Schwedenkönig hatte immerhin 1881 Prinzessin Viktoria von Baden geehelicht – kündet von der herausragenden Bedeutung des Diadems. Erst recht, zumal die Großherzogin selbst von ihren Zeitgenossen als zurückhaltend-bescheidene Landesmutter geschildert wurde, als Großherzogin von großem Kunstsinn, die mit sicherem Gespür Echtes von Kitsch zu scheiden wusste.

Am 8. Februar 1952 starb die letzte badische Großherzogin in Badenweiler. Wenige Wochen zuvor hatte die Volksabstimmung um den geplanten Südweststaat stattgefunden. In der „Badischen Heimat“, einer Zeitschrift für „Volkskunde und ländliche Wohlfahrtspflege“, schrieb Ada von Frisching im Todesjahr der Großherzogin: „Nie sprach sie über die Entscheidung der Länderwahl, aber als Baden aufhörte zu sein, ist seine letzte Großherzogin still hinübergegangen in die Ewigkeit.“

Im Gegensatz zum Diadem ist seine einstige Besitzerin in der Stadt noch sehr präsent. Nach ihrem Tod transportierte ein Zug den mit den badischen Farben geschmückten Sarg gen Karlsruhe. In den Ortschaften entlang des Wegs läuteten die Glocken, ehrfurchtsvoll säumten die Bewohner den Weg. In der Großherzoglichen Grabkapelle ruht seither diese badische Königin der Herzen. Ihr verdankt die Stadt die beiden Hildapromenaden, einen Gutteil ihrer gelassen-kunstsinnigen Identität, und die Menschheit die Gebäckspezialität der „Hildabrödle“.

Jahrzehnte zuvor, bald nach ihrer Eheschließung mit Erbgroßherzog Friedrich, lebte Hilda in Freiburg. Auf dem dortigen Schlossberg traf sie eines Tages auf den alemannischen Dichter Heinrich Hansjakob. Adelshäusern vermochte der charismatische Theologe und Literat nichts abzugewinnen. „Ich lese ihre Geschichten gerne“, ließ ihn die Großherzogin wissen, „sie können uns aber scheint’s gar nicht leiden.“

Der alte Herr, meist mit Hut unterwegs, soll geschmunzelt haben. „Vielleicht“, versetzte er. „Wenn uns aber eine solch liebliche Prinzessin entgegenkommt, schmilzt auch ein hart gesottenes Demokraten-Herz.“ Da durfte die Adlige sich zusätzlich geadelt fühlen.

Spurensuche führt nach Bern

Ob zu diesem Zeitpunkt das Diadem bereits gefertigt war oder nicht, bleibt im Dunkel der Geschichte. Fest steht hingegen, dass lange nach dem Tod der Großherzogin das in der schweizerischen Hauptstadt Bern ansässige Auktionshaus Stuker mit dem Schmuckstück zu tun hatte: Im Jahr 1973 wurde es dort für mindestens 250.000 Schweizer Franken angeboten. Stuker befand: „Außerordentlich feine Arbeit, die Auswahl der Steine für jene Zeit von bemerkenswerter Qualität.“

Zu welchem Preis es damals veräußert wurde, ist nicht mehr zu klären. Soviel aber ist gesichert: Das Haus Baden gab die Preziose in den Kunsthandel, und das Land Baden-Württemberg erwarb sie laut Auskunft des Landesmuseums 1983. Dann war das Diadem im Karlsruher Schloss untergebracht. Bis es 2017 auf bislang unerklärliche Weise verschwand.

Ab 1902 residierten Hilda und ihr Gemahl im Erbgroßherzoglichen Palais, dem heutigen Domizil des Bundesgerichtshofs an der Kriegsstraße, später zogen sie nach Freiburg. Dort erlebte Hilda von Baden auch die dramatischen Tage des Zweiten Weltkriegs. Ihr Freiburger Palais verließ sie erst, als anlässlich eines großen Bombenangriffs der Dachstuhl in Flammen stand. Das Diadem befand sich dem Vernehmen nach seit der Nachkriegszeit bis zu seinem Verkauf 1983 in Schloss Salem am Bodensee.



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