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Zukunft der Manufaktur offen

Wie lange fließen noch städtische Zuschüsse in die Karlsruher Majolika?

Der Karlsruher Gemeinderat hat bisher gesperrte 150.000 Euro für die Majolika freigegeben. Doch es gibt Streit über die Frage, wie es weitergehen soll.

Betrieb mit Tradition: Die Karlsruher Majolika ist derzeit auf städtische Unterstützung angewiesen. Foto: Jörg Donecker

Am Scheideweg steht die Karlsruher Majolika gefühlt seit Jahrzehnten. Nun gibt es wieder einmal die Hoffnung, dass in absehbarer Zeit der große Durchbruch gelingt. Wenn im Dezember der städtische Doppelhaushalt 2022/23 verabschiedet wird, wollen die Stadträte nämlich eine Grundsatzentscheidung treffen: Wie viel Geld sind sie bereit, jedes Jahr in die Manufaktur zu pumpen?

Für dieses Jahr ist diese Frage beantwortet. 100.000 Euro flossen schon im Januar. Nun gab der Gemeinderat nicht einstimmig, aber mit großer Mehrheit, weitere 125.000 Euro: Dieser Betrag stand für dieses Jahr bereits im Haushalt, war aber mit einem Sperrvermerk versehen.

Man sollte bei einer Investorenlösung den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen.
CDU-Stadträtin Rahsan Dogan

Die Kommunalpolitiker wollten ein schlüssiges Konzept sehen, bevor sie der zweiten Finanzspritze zustimmen. Es kam anders: „Es können noch keine verlässlichen und aussagekräftigen Wirtschaftlichkeitsberechnungen erfolgen, ohne die das beabsichtigte Konzept sowohl im Hinblick auf die künstlerische, aber auch auf die unternehmerische Ausrichtung der Majolika nicht gesichert beurteilt werden kann“, fasst die Stadtverwaltung den Sachstand zusammen. Allerdings wird dies begründet mit der Corona-Lage.

Deshalb will man der Majolika nochmals Zeit geben, einen Neuanfang zu schaffen. Die Rede ist von „gut begründeten Chancen auf unternehmerischer und künstlerischer Basis“. Sowohl für 2022 als auch für 2023 will die Verwaltung 150.000 Euro bereitstellen, aber auch diese mit Sperrvermerk versehen.

Doch Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) macht klar, dass es dabei absehbar nicht bleibt. „Wenn wir über die Sanierungskosten reden, kommen wir in ganz andere Dimensionen. Wir können auch nicht immer auf das Prinzip Hoffnung setzen.“

AfD fordert ein Ende der Zuschüsse

Einige Stadträte haben indessen die Sorge, dass es genau darauf hinauslaufen könnte. „Offenbar haben einige einen wirtschaftlichen Erfolg der Majolika abgeschrieben und es wird ein dauerhafter Zuschussbetrieb. Genau das wollten wir all die Jahre verhindern“, erklärte AfD-Stadtrat Paul Schmidt in einer hitzig geführten Debatte.

Sein Kollege Oliver Schnell will der Majolika nicht mehr „für wolkige Versprechen Geld in den Rachen werfen“. Und auch Friedemann Kalmbach von der Gruppierung „Für Karlsruhe“ wurde deutlich: Es gebe zu viele nicht erfüllten Vorhersagen. „Die Nachfrage nach den Produkten ist zu gering, als dass der Betrieb überlebensfähig wäre. Dann muss Schluss sein.“

Zuletzt hatte der neue Majolika-Geschäftsführer auf Töpferkurse, Projekträume für Künstler und eine Keramik-Edition zum Klimawandel gesetzt. „Künstlerische Weiterbildung, Schulungen, Seminare und Veranstaltungen erweitern das kreative Spektrum der Majolika und öffnen diese einzigartige Institution einem breiten Publikum“, hatte Klaus Gutowski angekündigt.

Der zeitweise diskutierte Einstieg der Zeller Keramikmanufaktur ist seiner Darstellung zufolge hingegen kein Thema mehr – was wiederum der CDU nicht so richtig schmeckt. „Man sollte bei einer Investorenlösung den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen“, so CDU-Stadträtin Rahsan Dogan.

Insgesamt müsse man über die Zukunft der Majolika sprechen – was SPD-Stadträtin Elke Ernemann eben beim Doppelhaushalt tun möchte.

Konzept wird vorgestellt

Dabei sieht Renate Rastätter von den Grünen eine Abkehr von der gewerblichen Ausrichtung und eine Entwicklung hin zu einer reinen Kultureinrichtung. „Man muss sehen, ob das perspektivisch tragfähig ist.“ Aus ihrer Sicht zeichnet sich aber nach einem Tal der Tränen ein Silberstreifen am Horizont ab.

Annette Böringer von der FDP wünscht sich ebenfalls eine „tragfähige Lösung als Teil der Kultur“. Wie diese Lösung aussehen könnte, soll der Majolika-Geschäftsführer nun den Stadträten darlegen, die in einem Begleitgremium sitzen. Dies forderte Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste. Und Kulturbürgermeister Albert Käuflein (CDU) stellt in Aussicht, dass dies noch im Oktober geschieht.

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