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Tiere weichen aus

Wildschweine am Karlsruher Adenauerring: Auftauchen könnte mit Corona zusammenhängen

Zahlreiche Wildschweine sind am westlichen Adenauerring in Karlsruhe aufgetaucht. Das könnte mit der Corona-Pandemie zu tun haben: Weil es sehr viele Menschen in den Hardtwald zieht, weichen die Tiere zurück.

Schwarzkittel: Wildschweine sind mehrfach nahe einem Wohngebiet am westlichen Adenauerring aufgetaucht. Foto: Jörg Donecker

Erneut hat eine Rotte Wildschweine am Freitag entlang des westlichen Adenauerrings Anwohner und Autofahrer in Atem gehalten.

Wie bereits am Mittwoch lagerten wieder mehrere erwachsene Tiere und gut ein Dutzend Frischlinge in einem Waldstreifen auf Höhe der Von-Beck-Straße.

Mutmaßlich handelte es sich um dieselbe Gruppe wie zwei Tage zuvor. Während die stadtnahe Präsenz der Schwarzkittel namentlich Laien überrascht, ist die Anwesenheit der Tiere für Experten im dortigen Bereich erklärlich.

Pandemiebedingt gibt es in Karlsruhe wohl mehr Spaziergänger

Einen bedeutenden Grund für das Auftauchen des Schwarzwildes in diesem Gebiet nennt Martin Schmidt, der zuständige Verwaltungsleiter von ForstBW für den Forstbezirk des Staatswaldes: Als Folge der Corona-Pandemie frequentierten mehr Menschen als sonst den Hardtwald rund um den Adenauerring.

Die Wildschweine gingen ihnen aus dem Weg und nutzten jede Möglichkeit, sich zu verstecken, erklärt Schmidt. Es mutet paradox an, scheint aber gut möglich: Ausgerechnet in dem schmalen Wäldchen fühlten sich die Schwarzkittel offenbar vorübergehend wohl.

Ohnehin ist der Hardtwald rund um den Adenauerring ein attraktiver Lebensraum für die nicht ungefährlichen Tiere. Hier gibt es Bestände alter Eichen und Buchen, und entsprechend sind im Erdboden schmackhafte Eicheln und Bucheckern aus dem vergangenen Herbst zu finden, erläutert Schmidt.

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Appell an Jogger und Spaziergänger: Wege nicht verlassen

Sein Appell an Jogger und Spaziergänger: Sie sollten unbedingt auf den Wegen bleiben, um Wildsauen und andere Tiere nicht aufzuschrecken. Oft verschanzen sich die Rotten tagsüber in schwer zugänglichem, aus Brombeer bestehenden Dickicht.

Auch wenn der Hardtwald traditionell Lebensraum von Wildschweinen ist – die Präsenz der Rotte mit den zahlreichen Jungtieren, vor allem aber die Folgen für den Verkehrsfluss, waren aus Sicht der Polizei dennoch ungewöhnlich, wie Sprecher Dieter Werner deutlich macht.

„Die Wildschwein-Population in den Jagdrevieren der Jagdgenossenschaft Stadt Karlsruhe und in den Eigenjagdrevieren im Stadtkreis steigt tendenziell“, sagt zur Einordnung Stefan Lenhard. Der beim städtischen Forstamt tätige Wildtierbeauftragte nennt das gute Nahrungsangebot, die zuletzt milden Winter und die geringe Sterblichkeit der Jungtiere als Gründe.

Das Wildschwein wird stark bejagt.
Martin Schmidt, ForstBW

Doch die Waldbewohner erleiden dennoch Verluste: durch Verkehrsunfälle und durch die Hand der Jäger. „Das Wildschwein wird stark bejagt“, bestätigt Martin Schmidt von ForstBW. 55 Stück Schwarzwild wurden demnach in der aktuellen Jagdsaison seit April in seinem Forstbezirk Hardtwald zur Strecke gebracht.

Bachen mit Frischlingen am Waldrand sind ungewöhnlich

Aus Sicht des Wildtierbeauftragten Stefan Lenhard ist es grundsätzlich nicht ungewöhnlich, dass Wildschweine am Waldrand unterwegs sind – selbst zwischen Adenauerring und der Siedlung wie in dieser Woche.

Sehr wohl ungewöhnlich sei aber, was die Polizei berichtet hatte: Dass sich nämlich eine ältere und zwei jüngere Bachen inklusive Frischlingen, die noch gesäugt werden, in genau diesem Waldrand-Bereich aufhalten, wo es doch viele Störungen durch Menschen, Hunde und Straßenverkehr gibt.

„Wenn die Leitbache in diesem Waldrandbereich die Wohnstube – den sogenannten Kessel – für die Frischlinge angelegt hat, wird die Wildschwein-Rotte dieses Gebiet erst verlassen, wenn die Frischlinge nicht mehr gesäugt werden“, mutmaßt der Experte.

Anwohner beschweren sich über Wildschweine

Insbesondere zu Beginn der Pandemie-Zeit hatten sich die Beschwerden von Anwohnern am Waldrandbereich der Nordstadt über die Schwarzkittel gemehrt. Es kam zu umgewühlten Rasenflächen und nächtlichen Begegnungen mit den Tieren. Gerade der Rasen zwischen Wohnhäusern ist attraktiv für Wildschweine.

Dort finden sie das ganze Jahr über Nahrung im Boden – vor allem dann, wenn die sandigen Böden im angrenzenden Waldgebiet wegen fehlender Niederschläge trocken sind. Schäden und Meldungen über Sichtungen gab es namentlich zwischen Adenauerring und Tennesseeallee. „Weiter in die Siedlung sind die Wildschweine nach unserer Kenntnis nicht vorgedrungen“, sagt Wildtierexperte Lenhard.

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