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I hätt do mol e Frog

Winterpause der Karlsruher Eisdielen wird immer kürzer

Im Winter vermisst Franz-Josef Hesselmann die zahlreichen Eisdielen in der Karlsruher Innenstadt. „Was machen die Eisverkäufer eigentlich in der kalten Jahreszeit?“, hat Hesselmann die Redaktion der BNN gefragt. Natürlich Urlaub, lautet ein Teil der Antwort. Aber mittlerweile verläuft die Winterpause anders als noch vor einigen Jahren.

Süßes für den Winter: In den Räumen der Eisdiele Casal werden während der Adventszeit Nürnberger Lebkuchen verkauft. Foto: Jörg Donecker

Auf dem Weg in die Innenstadt kommt Franz-Josef Hesselmann fast jeden Tag an der Eisdiele Arte Dolce in der Kaiserallee vorbei. Dabei ist ihm der Abholservice für selbst gemachtes Speiseeis aufgefallen. Dreimal pro Woche können Kunden die gefrorenen Kreationen von Eismacher Thavakumar Maniam in praktischen Boxen mit nach Hause nehmen. „Dann müssen meine Stammkunden im Winter nicht auf ein schönes Eis verzichten“, sagt Maniam. Doch nicht alle Eisdielen versorgen ihre Kunden auch im Dezember mit Spezialitäten, und deshalb wandte sich Hesselmann mit folgender Leserfrage an die BNN: „Was machen die Eisdielenbetreiber eigentlich während der kalten Jahreszeit?“

Saison läuft von Februar bis November

Entweder sie arbeiten weiter oder sie machen Urlaub, lautet die einfache Antwort. Trotzdem lohnt sich auch hier ein genauerer Blick in die einzelnen Eisdielen und die Geschichte der Gelatieri in Deutschland. Pino Cimino von der Eisdiele Cassata in der Oststadt macht derzeit Winterpause. Normalerweise verkaufen die Ciminos in der Vorweihnachtszeit noch Eistorten für Familienfeste. „Weil man im Corona-Winter nicht feiern darf, lohnt sich das für uns in diesem Jahr aber nicht“, sagt der Betreiber des Traditionsbetriebs in der Georg-Friedrich-Straße. Auch die Besuche der Familie in Italien fallen der Pandemie zum Opfer.

Auch in den meisten anderen Eisdielen wird der Straßenverkauf spätestens Anfang Dezember eingestellt. Dann sind die Rollladen entweder heruntergezogen, oder die Räumlichkeiten werden anderweitig genutzt wie bei der Eisdiele Casal in der Kaiserstraße, wo in der Vorweihnachtszeit Nürnberger Süßwaren der Firma Lebkuchen Schmidt verkauft werden. Doch allzu lange müssen Schleckermäuler im neuen Jahr nicht auf das erste Waffel-Eis warten. Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Leute wieder nach draußen treiben, öffnen auch die Eisdielen ihre Pforten. Und das ist seit einigen Jahren oft schon im Februar oder spätestens im März der Fall.

Aus Gastarbeitern wurden Gelatieri

„Weil es in Deutschland von Jahr zu Jahr wärmer wird, machen die Eisdielenbetreiber nur noch wenige Wochen Winterpause“, sagt auch Pressesprecherin Annalisa Carnio von der Union der italienischen Speiseeishersteller (Uniteis). Allerdings gebe es auch zahlreiche regionale Unterschiede. In ländlichen Gebieten machen Eisdielen früher dicht als in Innenstädten. In Einkaufszentren haben manche Filialen der Eismacher das ganze Jahr über geöffnet.

Die ersten Gelatieri kamen Ende der 1950er Jahre als Gastarbeiter nach Karlsruhe. Weil die Arbeitsverträge in den meisten Fabriken jedoch befristet waren, machten sich einige der Italiener mit Eisdielen selbstständig. „Am Anfang wurde das Eis nur im Frühjahr und im Sommer verkauft. Im Herbst zog es die Eismacher wieder nach Italien zu ihren Familien“, blickt Carnio zurück in die Geschichte. Doch ab den 1960er Jahren holten die italienischen Eismacher ihre Familien mit nach Deutschland und wurden hier sesshaft. „Die ältere Generation verbringt bis heute ihren Winterurlaub bei den Familienmitgliedern in Italien“, sagt Carnio. „Aber die jüngeren Leute zieht es über Weihnachten eher auf die Kanaren oder in die Südsee.“

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