Skip to main content

Bußgeld von 150 Euro für Kothaufen

Zahl der Hunde in Karlsruhe wächst – und mit ihr die Konflikte

Zu den beliebten Rassen zählen Labrador und Französische Bulldogge. Das Zusammenleben von Mensch und Tier ist nicht immer problemlos: Radfahrer etwa beklagen sich über frei laufende Hunde.

Spaß im Grünen: In der Günther-Klotz-Anlage spielt Johann Osini mit seinem Hund Sam. Foto: Jörg Donecker

Wenn draußen Hitze herrscht, muss Britta Breitner ihrem Max schon mit Engelszungen zureden, bis der sich zu einer längeren Runde überreden lässt. Max ist acht Jahre alt und eine wilde Mischung: Riesenschnauzer, Königspudel, Deutscher Schäferhund - so genau kann noch nicht einmal die Hundehalterin sagen, das Blut welcher Rasse in seinen Adern fließt.

Der Rüde hat jedenfalls ein dickes Fell - und in diesen Tagen meist eine hängende Zunge. „Also wenn es im nächsten Jahr tatsächlich die Gassi-Verordnung geben sollte, bekomme ich im Sommer ein Problem”, sagt die Oststädterin halb ernst - halb belustigt.

Eine Million Euro Hundesteuer für Karlsruhe

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will nämlich dafür sorgen, dass jeder Hund mindestens zwei Mal täglich Auslauf bekommt – zumindest für jeweils 30 Minuten. Max allerdings hat an heißen Sommertagen schon nach zehn Minuten genug. Haustiere seien keine Kuscheltiere, findet die Ministerin. Und jede Kreatur habe eben ihre Bedürfnisse. Nur dass der Bewegungsdrang von Max im Hochsommer eher gering ausfällt.

Der Rüde von Britta Breitner ist einer von aktuell 9.052 Hunden in Karlsruhe. So viele sind jedenfalls bei der Stadtverwaltung gemeldet, ihre Halter demzufolge abgabenpflichtig. Rund eine Million Euro an so genannter Hundesteuer landet dadurch jährlich im Stadtsäckel.

Hunde als Haustiere erfreuen sich steigender Beliebtheit: Waren zum Jahresbeginn 2005 noch 6.920 Exemplare vom Chihuahua bis zum Bernhardiner aktenkundig, so stieg ihre Zahl bis Januar 2015 auf 7.910 Hündinnen und Hunde. Seither hat es einen weiteren Schub gegeben: Mehr als tausend Tiere kamen zwischenzeitlich dazu.

Was die beliebtesten Rassen in der badischen Metropole sind, lässt sich nur ungefähr sagen. Folgt man dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) liegen bundesweit Rassen wie Labrador, Französische Bulldogge oder auch Golden Retriever vorn. Auch Möpse werden gern genommen. Der größte Anteil entfällt aber wohl auf Mischlingshunde jeder Art und Größe.

Gegenseitige Vorwürfe

Die wachsende Hundezahl in der Stadt lässt auch die Zahl der Konflikte steigen, sollte man meinen. Doch Ute Donisi vom städtischen Ordnungsamt kann das nicht bestätigen. In den vergangenen Monaten habe es keine besondere Entwicklung gegeben, erklärt die Fachfrau – weder im Hinblick auf nicht eingesammelte Hundehaufen noch ansonsten beim Großthema der gegenseitigen Rücksichtnahme.

Was nicht heißt, dass das Zusammenleben immer problemlos gelingt: So gibt es laut Auskunft des Ordnungsamts Beschwerden über Hundekot in öffentlichen Anlagen, Radfahrer führen Klage wegen unzureichend gesicherter Hunde, und Hundehalter wiederum stören sich an rücksichtslosen Radfahrer, denen sie eine Gefährdung ihrer Tiere unterstellen. Für die Ordnungshüter ist das das tägliche Brot.

Einmal hat einer in voller Fahrt meinem Nero einen Tritt verpasst.
Renato Cammariere, Hundehalter

Renato Cammariere ist mit seinem Rhodesian Ridgeback namens Nero regelmäßig im Hardtwald nördlich des Adenauerrings unterwegs und sammelt dabei teils haarsträubende Geschichten. Besonders schlecht zu sprechen ist der Hundehalter auf Pedelec-Fahrer. Die seien in vielen Fällen zu schnell und zu rücksichtslos: „Einmal hat einer in voller Fahrt meinem Nero einen Tritt verpasst”, entrüstet sich der Hundehalter.

Hundehaltung in der Stadt erfordert Rücksicht und die Einhaltung von Regeln. Foto: Jörg Donecker

Und das, obschon er doch sämtliche Hinterlassenschaften seines beeindruckend großen vierjährigen Rüden unverzüglich per Plastikbeutel beseitige. Daran tut Renato Cammariere auch gut. Denn „festgestellte Verstöße werden in Karlsruhe derzeit mit einem Bußgeld von mindestens 150 Euro geahndet”, erklärt Ute Donisi vom Ordnungsamt.

Mit der möglicherweise bald geltenden Pflicht zum zweimaligen Gassigehen täglich hat Hundefreund Cammariere kein Problem. Schon heute liege sein Pensum weit oberhalb dieser Marke. Er sagt es nicht ohne Stolz.

In Karlsruhe gilt an vielen Stellen Leinenzwang

Sein Nero ist jetzt zwar angeleint, bei der Tritt-Attacke vor ein paar Monaten in der Grabener Allee allerdings war er es nicht. Was die Frage nahelegt, wie eigentlich regelkonform umzugehen ist mit dem Gängelband für den treuen Freund. Die städtische Polizeiverordnung lässt wenig Spielraum für Interpretationen: Laut Paragraf 7 der Verordnung müssen Hunde so gehalten und beaufsichtigt werden, dass von ihnen keine Gefahr ausgehen kann.

In Fußgängerzonen, Fußgänger-Unterführungen und verkehrsberuhigten Bereichen herrscht dem Regelwerk zufolge ebenso Leinenzwang wie in öffentlichen Verkehrsmitteln und an deren Haltestellen. Auch in Schulhöfen, Treppenhäusern, bei Menschenansammlungen und Volksfesten ist die Leine obligatorisch.

Hunden darf nur so viel Leine gelassen werden, dass Gefahren gebannt sind - „im Einzelfall jedoch bis zu höchstens zwei Meter Länge”, so die städtische Verordnung. Unbeschadet dessen gilt die Landesverordnung über das halten gefährlicher Hunde aus dem Jahr 2000.

nach oben Zurück zum Seitenanfang