Skip to main content

Am Freitagmorgen

Zehn Wildschweine vereiteln Festnahme: Karlsruher Polizei machtlos

Eine Wildschweinrotte hat am frühen Freitagmorgen möglicherweise die polizeiliche Festnahme eines Tatverdächtigen in Karlsruhe vereitelt. Die Tiere hatten sich zwischen Häusern im Wohngebiet aufgehalten.

Wildschweine sind im Wald in Rotten unterwegs. (Archivbild) Foto: Franz Lechner

Dass eine Verfolgungsjagd der Polizei in einem Wohngebiet in der Nordstadt von einer Rotte Wildschweine gestoppt wurde, hat Ulrich Kienzler bereits bei der Fahrt ins Büro erfahren.

„Ein bisschen hat mich das gewundert. Es kommt zwar immer wieder vor, dass Schwarzwild durch die Stadt marodiert, aber eine Zeitlang hatten wir in der Stadt keine größeren Vorfälle mehr“, sagt der Leiter des städtischen Forstamts.

Ein Lob verteilt er an die Polizisten. „Die haben sich richtig verhalten und die Tiere weiträumig umlaufen“, sagt Kienzler. Dass der Fahrradfahrer, der am Freitag morgens um vier in der Erzbergerstraße ohne Licht unterwegs war und dank der tierischen Hilfe entkommen konnte, um ein Bußgeld herumkam, sei leichter zu verschmerzen als der direkte Kontakt mit einem Wildschwein.

Wildschweine immer häufiger in Wohngebieten anzutreffen

Komplett überraschend sind Meldungen über Schwarzkittel im Stadtgebiet für den erfahrenen Forstmann aber nicht. Seit mehreren Jahren machen sich Wildschweine immer wieder in den Wohngebieten und Sportanlagen in der Nähe des Hardtwalds sowie auf dem Hauptfriedhof breit.

Erst im März sorgte eine Rotte in der Nähe des Adenauerrings für Aufsehen. Weil sich die Wildschweine in der Nähe der Hochschule eingenistet hatte, mussten von der Stadt sogar verkehrsberuhigende Maßnahmen ergriffen werden. Und die Tiere fühlten sich mitten im Stadtgebiet offenbar sehr wohl.

Mehrere Sauen wurden am 19. März am helllichten Tag vor dem Schloss bei einer Aktion von Fridays for Future gesichtet. Kurz zuvor war ein Frischling in eine Gruppe Grundschüler gerannt und hatte drei Kinder zu Boden geworfen. Verletzt wurde auch bei diesem Zusammenstoß zwischen Menschen und Tieren niemand.

Wildschweine greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen

Angst muss wegen der regelmäßigen Schwarzwild-Sichtungen in der Stadt nach Kienzlers Einschätzung aber niemand haben. „Das Risiko einer Begegnung ist nach wie vor sehr gering“, sagt der Förster. Außerdem würden Wildschweine nur angreifen, wenn sie sich bedroht fühlten oder verängstigt seien. Blickkontakt vermeiden und ganz ruhig weggehen, lautet im unwahrscheinlichen Fall der Fälle die Devise.

Einen konkreten Handlungsbedarf sieht Kienzler wegen der jüngsten Vorfälle nicht. Im Hardtwald werde das Schwarzwild ohnehin intensiv bejagt. „Mehr können wir auch personell nicht leisten“, sagt der Forstamtschef. Dass die Sauen immer wieder den Weg vom Hardtwald in die Stadt suchen, hat für Kienzler übrigens einen einfachen Grund, nämlich das üppige Essensangebot.

Auf Sportplätzen und in Gärten finden die Allesfresser Insekten und Larven, in der Nähe von Wohnanlagen und in Grünanlagen die Überreste von Picknicks oder sorglos weggeworfene Lebensmittel. Auch Komposthäufen und Katzenfutterstellen laden Sauen zum Festmahl ein. „Was man auf keinen Fall darf, ist Wildtiere aus falsch verstandener Tierliebe füttern“, sagt Kienzler. Dann würden sie ihre Scheu vor den Menschen verlieren und noch weiter im Stadtgebiet ausbreiten.

nach oben Zurück zum Seitenanfang