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Ein Pilotprojekt

ZKM-Fahrstuhl als digitaler „Experimentier-Kasten“

Nicht nur das ZKM in Karlsruhe ist ein Erlebnis, sondern auch das Fahrstuhlfahren dort.

Im ZKM-Fahrstuhl werden auf einem Monitor Ausschnitte einer Ausstellung gezeigt. Foto: Rake Hora

750 Kilogramm oder sechs Personen sind in dem Fahrstuhl im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe zugelassen, den sowohl Besucher als auch Mitarbeiter nutzen können. Statt sechs dürfen wegen Corona derzeit nur zwei Personen gleichzeitig den Lift nutzen. Das alles ist noch nicht spektakulär.

Von außen sieht der Lift auch eher unscheinbar aus, von innen folgt dann eine Überraschung und die Fahrt wird zum Erlebnis. Denn seit Februar ziert ihn ein 85 Zoll großer Monitor, der mit verschiedenen Programmen bespielt werden kann. Das kann ein Hinweis auf neue Programme oder auch ein Ausschnitt einer Installation sein, die in einer Ausstellung zu sehen ist.

Inzwischen sind die wechselnden Motive und Programme des Fahrstuhls schon zum Thema geworden. „Wenn Dinge im Fahrstuhl funktionieren, ist auch denkbar, dass diese in eine Ausstellung integriert werden oder umgekehrt“, sagt Dominika Szope, Leiterin des Bereichs Kommunikation und Marketing im ZKM.

Noch nicht von Influencern entdeckt

Das ein oder andere Selfie wurde daraus schon geteilt. Da es derzeit nur ein Pilotprojekt ist, wurde der Fahrstuhl von den sogenannten Elevator Influencern noch nicht entdeckt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Fahrstuhl-Selfies scheinen nicht aus der Mode zu kommen. Einzelne Mitfahrer zücken jedenfalls schon jetzt ab und an das Smartphone.

Wir wünschen, unterwegs Informationen zu erhalten, ohne in der Flut an Informationen zu ersticken
Dominika Szope, Leiterin des Bereichs Kommunikation und Marketing im ZKM

Was macht man im Fahrstuhl normalerweise? Man wird von A nach B befördert, trifft vielleicht andere Menschen und tauscht sich kurz aus. Im Alltag haben wir oftmals wenig Zeit. „Wir wünschen, unterwegs Informationen zu erhalten, ohne in der Flut an Informationen zu ersticken“, so Szope. Sie betrachtet den kleinen Raum als Experimentierfläche und lebendigen Ort. „Menschen kommen und es wird Wissen eingeblendet.“

Im Erdgeschoss können die Gäste von zwei Seiten einsteigen und dann in die erste und zweite Besucher-Etage, aber auch in den dritten Stock fahren, wo sich die Büroräume befinden. Hier dürfen sich nur Mitarbeiter bewegen.

Neben dem Monitor sind auch eine Soundanlage und ein Infoterminal enthalten. Letzteres erklärt, was in welcher Etage ist und das ebenfalls bespielt werden kann. Manuel Weber, technischer Leiter im Bereich Veranstaltungstechnik am ZKM, achtet bei den Motiven darauf, dass sie nicht zu grell und unruhig sind.

Er betont, dass alles noch ein Testbetrieb ist und erklärt, dass die aktuelle Geschwindigkeit und Höhe des Fahrstuhls angezeigt werden. Der Sensor geht bis auf einen halben Millimeter genau. Auch denkbar sei, dass draußen beispielsweise als Kunstprojekt eine Drohne fliegen könnte und der Flug dann innen übertragen werden könne.

Zwei ZKM-Köpfe: Manuel Weber, Technischer Leiter im Bereich Veranstaltungstechnik, und Dominika Szopae, Leiterin des Bereichs Kommunikation und Marketing. Foto: Rake Hora

Schlecht soll dabei den Mitfahrenden jedoch nicht werden. Deshalb sei eine schnelle, sich bewegende 3D-Zeichnung möglicherweise nicht geeignet. Der Testbetrieb läuft derzeit mit 30 Hertz, soll aber auf 60 Hertz gesteigert werden.

Eine Erkenntnis aus dem bisherigen Testlauf gibt es schon: Die Motive dürfen nicht zu hell sein, denn der Monitor produziert auch Wärme. Weber nennt den Fahrstuhl bereits liebevoll „einen nicht kuratierten digitalen Paternoster“.

Nach der Pilotphase in der in dem kleinen Raum weitere visuelle Dinge ausprobiert werden, könnte sich Weber auch audiovisuelle Elemente oder Kameras vorstellen – sofern das vom Datenschutz passt.

Die Kosten für das etwas andere Kunstprojekt im Museum halten sich gering. „Es ist nicht teurer als der 85 Zoll große Monitor“, sagt Weber.

Zur Geschichte des Lifts

Der Fahrstuhl existiert übrigens seit 1997, wurde häufiger schon repariert. Der ehemalige Kunsthistoriker Heinrich Klotz bezeichnete ihn bei einer langsamen Fahrt sogar als „Raum der Komplementation“. Daran kann sich Dominika Szope noch erinnern, die damals als Studentin mit ihm Lift gefahren ist.

Zuvor war an gleicher Stelle wohl ein Paternoster.

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