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Kapazitäten zum Teil schon erschöpft

Zweite Corona-Welle füllt Intensivstationen: Karlsruher Kliniken an der Schmerzgrenze

Mit voller Wucht trifft die zweite Welle der Pandemie die Karlsruher Krankenhäuser. Bei den ViDia Kliniken sind die Kapazitäten zum Teil schon erschöpft.

An der Belastungsgrenze: Die Krankenhäuser sind am Limit. Die extrem aufwendige Behandlung der Covid-Patienten auf den Intensivstationen fordert das Personal enorm. Foto: Luca Bruno

Covid-19 bringt die Karlsruher Krankenhäuser an ihre Grenzen: Das „Diakonissen“ ist von Covid-Patienten überlaufen, die momentanen Kapazitäten im „Vincenz“ auch bald erschöpft. „Die Lage ist sehr angespannt, sie hat sich in der vergangenen Woche verschlechtert“, sagt Karl-Jürgen Lehmann, Vorstand der ViDia Kliniken Karlsruhe. Man schramme aber noch an einem Katastrophenszenario vorbei. „Wir bewegen uns unverändert auf einem sehr hohen Belastungsniveau“, erklärt für das Städtische Klinikum dessen Geschäftsführer Michael Geißler.

Infektionszahlen trotz Teil-Lockdown stabil hoch

Kaum Zeichen der Besserung sehen die Experten angesichts der trotz fünf Wochen Teil-Lockdown immer noch stabil hohen Infektionszahlen. Stattdessen rechnen sie bis Weihnachten und im Winter darüber hinaus mit einer gleichbleibenden Problematik: Engpässe in den Krankenhäusern wegen vieler schwerkranker Covid-Patienten, hohe Infektionszahlen, zumal bei Lockerungen wie an Weihnachten, und vorerst über 400 Covid-Tote am Tag in Deutschland.

Am Städtischen Klinikum waren am Freitag alle zehn Betten auf der für Covid-Patienten eingerichteten Intensivstation belegt. Der Betrieb auf den Normalstationen läuft auf der Pandemie-Stufe Drei. Dies bedeutet Einschränkungen bei anderen Leistungen, ist aber unterhalb des Katastrophenfalls angesiedelt. „So lange das so bleibt, können wir das gut stemmen“, versichert Geißler. Lehmann berichtet für die ViDia Kliniken von 63 Covid-Patienten.

Mit 32 stationären Covid-Kranken, darunter fünf von sieben Intensivpatienten beatmet, „ist das Diakonissen klar überfordert“, sagt Lehmann. In Rüppurr herrsche nun Aufnahmestopp für Covid-Patienten. Das Vincentius springe komplett ein, was wiederum dort die Lage extrem anspanne. Das Virus habe den ViDia Kliniken „in dieser Woche zwei Niederlagen“ beigebracht, bekennt Lehmann: „Das OP-Programm wird um 30 Prozent reduziert, wir sind da jetzt an der Schmerzgrenze.“ Außerdem reagieren jetzt auch die ViDia Kliniken notgedrungen mit einem Besuchsverbot auf die zweite Welle der Pandemie.

Sterberate gesunken - weil sich viele Patienten anders verhalten

Während die ViDia-Kliniken „weiter sehr hohe Fehlbestände“ beim Personal und besonders in der Intensivpflege beklagen, hat sich auf diesem Feld die Lage im Städtischen Klinikum etwas entspannt. „Die Krankmeldungen sind deutlich zurückgegangen“, berichtet Pflegedirektor Josef Hug. Für das Klinikum gibt es weitere Lichtblicke: Es sterben dort weniger Covid-Patienten bezogen auf ihre Gesamtzahl als in der ersten Pandemiewelle im Frühjahr. „Die Sterberate ist von 25 auf 10,5 Prozent zurückgegangen“, berichtet Geißler.

Klinikdirektor Martin Bentz macht dafür „extrem beeindruckende medizinische Fortschritte bei der Behandlung“ verantwortlich. Noch nie in seinem Berufsleben habe er eine so rasante Veränderung dank des enormen Zuwachses an Wissen über eine Krankheit gegeben, die doch erst vor einem Jahr in Wuhan aufgetreten ist.

Dass inzwischen zwei Drittel dieser Patienten auf Normalstationen und nur ein Drittel auf der Intensivstation sterben, macht Geißler auch an einem veränderten Patientenverhalten fest: Mehr betagte und vorbelastete Menschen verzichten mittlerweile bei einer schweren Covid-Erkrankung auf intensivmedizinisches Eingreifen. Aus diesem Grund sterben viele Covid-Kranke, die gar nicht mehr in die Klinik wollen, in den Pflegeheimen oder zu Hause.

„Alle notwendigen Operationen können bis Weihnachten vorgenommen werden“, garantiert Geißler. Man habe sogar wieder zwei Säle öffnen können. Auch Bentz appelliert an alle Notfallpatienten und Schwerkranken, unbedingt in die Klinik zu kommen. Sie würden versorgt und gingen kein Infektionsrisiko ein, weil Covid-Patienten separat aufgenommen werden. „Alle für akute Fälle notwendigen Herzkatheter-Untersuchungen finden statt“, versichert Geißler.

Abstriche gebe es nur bei aufschiebbarer Diagnostik. Bei der Krebs-Behandlung mache man wie bei der Versorgung von Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall überhaupt keine Abstriche, unterstreicht er.

Andreas Ruf, Leiter der Transfusionsmedizin am Städtischen Klinikum, übernimmt die ärztliche Leitung des zentralen Impfzentrums für die Region in der Messe Karlsruhe. Bis 15. Dezember soll die aus dem Boden gestampfte Einrichtung betriebsbereit sein. Voraussichtlich werden ab Januar täglich 1.500 Menschen in den Messehallen gegen Corona geimpft.

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