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Ankündigung im Gemeinderat

Karlsruhe will Erhalt der Kulturszene in Coronakrise sichern

Die kulturellen Angebote von Karlsruhe werden von den Menschen in Stadt und Umland sehr geschätzt. Das zeigt eine Umfrage vom vergangenen Sommer. Bekannt geworden sind diese Ergebnisse nun zu einer Zeit, in der viele dieser Angebote durch die Coronakrise bedroht sind. Viele Künstler zeigen im Internet bereits Eigeninitiative. Nun hat auch die Stadt weitreichende Unterstützung angekündigt.

Stillgelegt sind derzeit die Kultureinrichtungen in der Region wie hier im Theaterhaus Karlsruhe. Teilweise wenden sich die Bühnen derzeit per Internet an ihr Publikum. Foto: Jüttner

Welch hohen Wert die kulturellen Angebote von Karlsruhe für die Menschen in Stadt und Umland haben, zeigen die Ergebnisse einer Umfrage vom vergangenen Sommer. Bekannt geworden sind diese Ergebnisse nun ausgerechnet zu einer Zeit, in der viele dieser Angebote durch die Coronakrise bedroht sind. Um die bestehenden Strukturen nicht zu gefährden, hat Kulturbürgermeister Albert Käuflein vor dem Gemeinderat städtische Unterstützung angekündigt.

Dem Bericht „Nutzung kultureller Angebote und Einrichtungen in Karlsruhe 2019“, so der Titel der dreibändigen Auswertung, ist unter anderem zu entnehmen, dass 82,8 Prozent der Befragten Kunst und Kultur persönlich als sehr wichtig oder wichtig einstufen. Für die Allgemeinheit halten sogar 88,9 Prozent der Befragen das Thema Kultur für sehr wichtig oder wichtig. In beiden Punkten bedeutet das eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber 2009, so die Studie.

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Hohe Zufriedenheit mit großem Angebot

Hingewiesen wird auf die hohe Zufriedenheit mit dem Angebot (90,5 Prozent) und auf die breite Aufstellung dieses Angebots. Dieses umfasst rund zehn Theater, 30 Museen, Archiven und Sammlungen, vier Kinos, mehreren soziokulturelle Zentren, Kulturräume und Musikclubs sowie neun Bibliotheken.

In diesen Tagen gehen solche Ergebnisse allerdings einher mit der Frage, ob und wie sich diese Kulturlandschaft über die Krise retten lässt. Die Bundesregierung hat mit dem milliardenschweren Hilfspaket, das die Unterstützung Solo-Selbstständiger im Kulturbereich mit einschließt, ein Signal gesetzt.

Mieten werden gestundet

Auch vor Ort ist Hilfe geplant. In der Gemeinderatssitzung erklärte Kulturbürgermeister Albert Käuflein, dass die Stadt und die städtischen Gesellschaften die Miete der Kultureinrichtungen bis zum 30. Juni stunden werden. Zudem könnten Einrichtungen, die städtische Förderung erhalten, einen Antrag stellen, dass Raten vorgezogen werden. Maximal könne die Summe des gesamten Jahres beantragt werden.

Förderung für Online-Angebote

Neben diesen Maßnahmen zum Erhalt der institutionellen Strukturen gibt es auch direkte Unterstützung für die Künstler selbst. „Wir wissen, dass hier Existenzen bedroht sind“, sagt Kulturamtsleiterin Susanne Asche gegenüber den BNN. „Alle Fördertöpfe bleiben geöffnet“, betont Asche. „Auch für Angebote, die Live-Publikum benötigen, kann es Förderung geben, sofern sie online zugänglich gemacht werden.“ Als Beispiele nennt Asche Lesungen von Schauspielerin oder Wohnzimmerkonzerte von Musikern.

Wir wissen, dass Existenzen bedroht sind.
Susanne Asche, Leiterin des Karlsruher Kulturamts

„Die Szene geht ja bereits mit vielen Angeboten online“, so Asche. „In unserer Kulturkonzeption wird das Recht auf Kultur als Grundrecht gefordert. Da sind solche Projekte die bestmögliche Umsetzung.“ Als zentrale Präsentationsstelle für diese Angebote wurde die Internetseite karlsruhe-tourismus.de/smartathome eingerichtet.

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Direkte Finanzierung eines extern kuratierten „Online-Kultur-Festivals“ für Karlsruhe, das bereits angeregt wird, könne sie derzeit nicht zusagen,  so Asche. „Wir wollen den Kulturschaffenden einerseits sofort helfen, aber wir müssen das auch auf lange Sicht durchhalten.“

Impuls für "Online-Festival"

Beteiligt am Impuls des Online-Festivals ist unter anderem das Filmboard Karlsruhe, das sein für April geplantes Festival „Independent Days“ verschieben musste und derzeit täglich einen Kurzfilm online veröffentlicht . „Wir sehen das als Initiative gegen eine kulturelle Verödung“, erklärt Filmboard-Leiter Oliver Langewitz auf BNN-Anfrage.

Die Idee sieht vor, dass sich Kunstschaffende mit Ideen bewerben, die sie zu Hause mit einer Kamera umsetzen können. Wichtig ist den Initiatoren, dass die Künstler eine kleine Entlohnung erhalten. Mit diesem Beitrag will man verhindern, dass mit der Aufgabe von Ateliers und Arbeitsmitteln die Grundlagen für künstlerisches Arbeiten wegfallen. „Da geht es auch um die Signalwirkung: Wir vergessen euch nicht.“

Bühnenkünstler im Netz

Bühnen wie das Kammertheater oder das Sandkorn haben ihren freischaffenden Künstlern bereits ein Online-Forum geschaffen. Das Kammertheater hatte als Internet-Vorreiter in der Region bereits die letzte Aufführung von „Comedian Harmonists“ vor leerem Saal über Baden TV gesendet und über Facebook gestreamt. Über die gleichen Kanäle ist der Live-Mitschnitt „Winnetou“ vom Figurentheater marotte hinzugekommen.

Die große Solidarität des Publikums hilft uns sehr.
Bernd Gnann, Geschäftsführer Kammertheater Karlsruhe

Auch der Verkauf von Spendentickets sei ermutigend, so Kammertheater-Chef Bernd Gnann: „Die große Solidarität des Publikums hilft uns sehr, auch für die Stimmung im Haus.“ Er sehe sich in der Pflicht, die engagierten Künstler nicht hängen zu lassen, sagt Gnann. „Um die Verträge zu erfüllen, müssen wir im Monat rund 80.000 Euro aufbringen.“

Wie das Kammertheater veröffentlicht auch das Sandkorn täglich ein Kurzvideo von Künstlern , die dem Haus verbunden sind. „Dank des Sponsoring von drei Firmen können wir den Künstlern dafür einen kleinen Obolus weitergeben“, sagt der künstlerische Leiter Erik Rastetter.

Wiedereinstieg ist noch fraglich

Auch hier werde das Angebot von Spendentickets angenommen. „Das baut auf“, so Rastetter. „Alles andere ist in diesen Tagen doch sehr offen.“ Nicht zuletzt die Frage, ob der Kulturbetrieb tatsächlich wie derzeit anvisiert nach dem 19. April wieder in Gang kommt. „Wir arbeiten an einem Notfallspielplan. Aber im Moment ist nichts realistisch zu kalkulieren.“

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