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Keine Pappe mehr

Karlsruher Altpapier-Firma will, dass Vereine nur noch Zeitungen sammeln

Wegen eines weltweiten Preisverfalls für Altpapier stehen die ehrenamtlichen Sammlungen vielerorts auf der Kippe - auch in der Region. Nun schlägt die Recycling-Firma Kühl aus Karlsruhe einen möglichen Ausweg aus der Altpapier-Krise vor.

Gemischtes Altpapier ist kaum mehr etwas wert. Foto: dpa

Angesichts massiver Preiseinbrüche auf dem Altpapiermarkt stehen die ehrenamtlichen Sammlungen in einigen Städten und Gemeinden der Region auf der Kippe. Viele Vereine haben dabei bisher mit der Kühl Entsorgung & Recycling Südwest GmbH zusammengearbeitet. Doch seit Jahresbeginn zahlt Kühl für das eingesammelte Altpapier kein Geld mehr. Es sei denn, es handelt sich um fein säuberlich getrenntes Zeitungs- und Zeitschriftenpapier.

Verpackungskartons, so die Vorstellung der Recyclingfirma, sollen künftig nur noch in die Altpapiertonne kommen. Kühl bietet solche Tonnen als kostenlosen Service für Privathaushalte an.

„Wir lassen die Vereine nicht im Regen stehen, sondern bleiben weiterhin deren Partner“, sagt Matthias Gutheil, Geschäftsführer des Karlsruher Unternehmens, das zur bayrischen Kühl-Gruppe gehört. „Aber der Preis für gemischtes Altpapier ist in den vergangen acht Wochen so stark gesunken, dass wir dafür keine Vergütung mehr zahlen können.“ Diese Entwicklung sei „wie ein Tsunami“ über die Branche hereingebrochen.

Bis Ende März werde Kühl die bereits zugesagten Altpapiersammlungen der Vereine mit Pressfahrzeugen unterstützen, versichert Gutheil. „Auch wenn es wirtschaftlich beinahe unmöglich ist.“ Die Vereine bekommen dann zwar kein Geld für das gesammelte Papier, müssen aber auch nichts für den Wagen und Fahrer bezahlen. Wie es ab April weitergeht, stehe noch nicht fest. „Wir analysieren den Markt und sprechen mit den Papierfabriken. Aber ich gehe davon aus, dass der Preiseinbruch langfristig ist“, so der Geschäftsführer.

Altpapier-Überschuss in Europa

Andere Abnehmer garantieren den Vereinen zumindest noch bis Jahresende stabile Preise. Sie lagen in der Vergangheit unter dem Niveau, das Kühl geboten hat, machten dies aber durch längere Laufzeiten wett. Das zahlt sich nun aus. Ursache der drastischen Marktentwicklung ist eine Importdrosselung für Altpapier durch China und weitere asiatische Länder. „Wir haben in Europa deshalb einen Überschuss von acht Millionen Tonnen Altapier“, sagt Gutheil.

Den Papier sammelnden Vereinen bietet sein Unternehmen nun ein neues Modell an: die Sortentrennung. Für sogenanntes Deinking-Altpapier zahlt Kühl ihnen weiterhin Geld: derzeit 50 Euro pro Tonne. Es sind Papiersorten, aus denen sich die Druckfarbe entfernen lässt, vor allem Zeitungen, Illustrierte und Büropapier. Sortenrein ist es deutlich besser zu vermarkten als das bisher übliche gemischte Altpapier.

Firma Kühl bietet blaue Tonne an

Geschäftsführer Gutheil stellt sich das künftige Papiersammel-Modell nun so vor: „Den Vereinen könnte man die Zeitungs- und Zeitschriftenbündel überlassen, die Verpackungskartons aber in unsere blaue Tonne geben.“ Sein Unternehmen bietet diese Altpapiertonne im gesamten Landkreis Karlsruhe an. Im Stadtgebiet Karlsruhe dominiert inzwischen die kommunale Altpapiertonne.

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