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Aus der Innenstadt an die Türe

Karlsruher Einzelhändler beliefern ihre Kunden in Zeiten des Coronavirus

Die Corona-Krise und die damit verbundenen Ladenschließungen bereiten den Einzelhändlern existenzielle Sorgen. Um die Umsatzeinbußen abzufedern, werben Karlsruher Ladenbetreiber nun mit Telefonberatung und Versand um Kunden.

Karlsruher Einzelhändler beliefern ihre Kunden auch in der Corona-Krise Foto: jodo

Die Corona-Krise und die damit verbundenen Ladenschließungen bereiten den Einzelhändlern existenzielle Sorgen. Um die Umsatzeinbußen abzufedern, werben Karlsruher Ladenbetreiber nun mit Telefonberatung und Versand um Kunden - und sagen damit gewissermaßen auch Amazon und Co. den Kampf an.

Ein kurzer Bummel durch die Innenstadt erscheint während der Corona-Krise wegen der zahllosen geschlossenen Ladengeschäfte nicht sinnvoll. Doch der Blick in die Schaufenster und auf die zugesperrten Eingangstüren kann sich beim täglichen Frischluft-Schnappen trotzdem lohnen.

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„Wenn du gerade vor unserer Tür stehst, dann brauchst du wahrscheinlich ein Geschenk, ein Spiel oder einfach ein Stück Glück für Dich. Und wir brauchen Dich“, steht auf einem grünen Pappschild an der Eingangstür des Spielwarengeschäfts Spiele-Pyramide zu lesen.

Deshalb könnten sich Kunden entweder per Mail oder telefonisch an die Spiele-Spezialisten wenden.

Stammkunden zeigen sich solidarisch

„Einige Kunden zeigen sich solidarisch und bestellen ihre Spielsachen auf diesem Weg“, sagt Geschäftsführer Thorsten Brombas. Die Umsatzeinbußen durch die behördlich verordnete Ladenschließung kann er damit zwar nicht kompensieren.

Aufgeben komme allerdings nicht in Frage und deshalb müsse man aus der verfahrenen Situation das Beste machen.

"Trotz der Einschränkungen sind wie für Sie da"

Auch andere Einzelhändler wie Papier Fischer, Bürowelt Erhardt oder Kinderglück bieten der Krise sowie den Internetgiganten von Amazon oder Ebay mit einem Verweis auf Telefonberatung und Versand die Stirn.

Zum Thema: Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Beim Buchladen Stephanus steht an der Eingangstür der Hinweis „Trotz der Einschränkungen durch das Coronavirus sind wir für sie da“.

Bei der Buchhandlung am Kronenplatz wird die Möglichkeit einer Bücherlieferung sogar mit dem Slogan „24 h geöffnet und lieferfähig“ beworben. Mit einem 24-Stunden-Lieferservice wirbt auch die Buchhandlung Mächtlinger in der Durlacher Pfinztalstraße.

Die Versorgung der Kundschaft mit ausgefallenen Ostergeschenken sicher stellen will ein paar Schritte weiter das Einrichtungshaus Eco. Dort können die Leute telefonisch ebenso einen Beratungstermin vereinbaren wie beim Modegeschäft Nagel.

Vier von 40 Mitarbeitern harren aus

Hatice Kammerer hat für ihren Stoffladen ebenfalls einen kostenfreien Lieferservice eingerichtet. „Die Situation ist, wie sie ist. Aber es wird, was wir daraus machen“, begründet Kammerer ihre Initiative.

Auch wer das Internet auf der Suche nach Karlsruher Einzelhändler durchstöbert, stößt schnell auf die entsprechenden Angebote. Im Outdoor-Geschäft Basislager halten derzeit noch vier von 40 Mitarbeitern die Stellung und kümmern sich um Bestellungen und Versand.

„Wenn Euch etwas an Eurem Lieblingsladen liegt, kauft nicht bei den üblichen Online-Händlern, sondern deckt Euren Bedarf weiter bei uns“, lautet der Aufruf zur Solidarität. Wer aktuell weder Kleider noch Campingsachen brauche, könne das Basislager auch mit dem Kauf eines Solidaritätsgutscheins unterstützen und diesen später einlösen.

Im Bedarfsfall kommt der Gin halt nach Hause

Auf der Internetseite des Feinkostladens „El Corazon“ springt den Besuchern der Schriftzug „Bleibt daheim, aber vergesst den Genuss nicht“ ins Auge. Karlsruher Gin wird im Bedarfsfall ebenso nach Hause verschickt wie spanischer Wein. „Bisher haben wir nur Eigenmarken online gestellt“, sagt Ladenchefin Gabriele Schwebe. Künftig soll das Lieferangebot aber ausgebaut werden.

Man freut sich schon über einen Tag mit fünf Kunden

Gabriele Schwebe vom Feinkostladen "El Corazon", der noch offen hat

Der Feinkostladen in der Waldstraße hat zwar noch geöffnet, auf Kunden wartet Schwebe tagsüber aber meist vergeblich. „Man freut sich schon über einen Tag mit fünf Kunden“, sagt die Geschäftsfrau. Deshalb wolle sie die Krise als Chance begreifen und durch eine Werbeoffensive neue Kunden für ihre Produkte begeistern.

City-Iniative will Radkuriere für Versand einsetzen

Nachahmer sind dabei willkommen. Am liebsten würde Schwebe mit anderen Einzelhändlern eine Corona-Offensive starten. Bei der City Initiative Karlsruhe (CIK) stieß sie mit ihrem Enthusiasmus auf offene Ohren. Beim Karlsruher Einzelhändlerverband sollen in den kommenden Wochen Radkuriere für die Auslieferung der bestellten Sachen sorgen.

Immer aktuell:

Die Kosten für die Radkuriere werden von der CIK übernommen. Neben ihr fordert auch die Einzelhändlervereinigung Durlacherleben die Leute auf, in Krisenzeiten die lokalen Geschäfte nicht zu vergessen und zu unterstützen.

Lieferservice für Essen und Gebrauchsgegenstände

Peter Joas will aus diesem Grund in Durlach sogar einen Lieferservice für Essen und Gebrauchsgegenstände ausbauen.

Dem Betreiber der Event-Location Hubraum und der Gaststätte Hubräumle wurde durch die Corona-Krise quasi das komplette Geschäft lahmgelegt. Aufgeben kommt für den umtriebigen Unternehmer allerdings nicht in Frage.

„Ich bin gesund, meinen Kindern geht es gut, was soll ich jammern“, sagt Joas. In den kommenden Tagen wolle er die Infrastruktur aufbauen und möglichst viele Durlacher Einzelhändler für das Ausschöpfen von Synergie-Effekten ins Boot holen.

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