Skip to main content

Advent 2017

Karlsruher Eiszeit-Prozess: Verteidiger räumen Unterstützung des IS ein

Am Montagvormittag wurden am Oberlandesgericht Stuttgart die letzten Worte vor dem Urteil gesprochen, auf das Karlsruhe schaut. Dort muss sich Dasbar W. verantworten.

Die Eiszeit vor dem Karlsruher Schloss als Tatort? In dem Prozess am Oberlandesgericht ging es auch um mögliche Anschlagspläne des Angeklagten. Foto: Jörg Donecker

Aus Sicht der Anklage ist er Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staates (IS), in dem Verfahren ging es auch darum, ob er 2017 kurz vor Weihnachten einen Anschlag auf die Karlsruher Eiszeit geplant hatte.

Am Montag sprachen vor Abschluss Prozess nochmals ausführlich W. Verteidiger. Sie räumten die Unterstützung des IS durch W. ein. In einem Chat mit dem IS nahestehenden Personen soll er Sprachaufnahmen zu einem Video verarbeitet haben. Darauf zu hören, so Verteidiger Marc Jüdt, „war religiöser Bullshit, das war schwer zu ertragen“.

Jüdt betonte aber: „Er hat seine Sympathien lediglich vorgetäuscht.“ Es sei W. darum gegangen, letztlich gegen den IS zu arbeiten. Im Hinblick auf den Gewinn für die Terrormiliz durch den Chat erklärte Jüdt: „Ich glaube nicht, dass das große Auswirkungen gehabt hat.“

Dass der 31-jährige W. IS-Mitglied sein soll, dementierten seine beiden Verteidiger vehement.

Bei ihren Erklärungen kritisierten sie die Ermittlungsarbeit des Landeskriminalamts scharf. Die Ermittlungen stützen sich vor allem auf die Arbeit einer Vertrauensperson (VP) – eines Mannes, der sich mit W. anfreundete und den Beamten anschließend berichtete.

Vertrauensperson berichtet von Gefährlichkeit des Angeklagten

Die Vertrauensperson berichtete schon nach den ersten Treffen mit W. von dessen Gefährlichkeit. Unter anderem heißt es in den Protokollen: „Auf mich wirkt er wie ein Terrorist, der aber aktuell nichts machen kann.“ Auch infolgedessen wurde die Wohnung von W. in Rüppurr abgehört. Die Ermittler deuteten seine Bewerbung als Paketfahrer als weiteres Anzeichen dafür, er wolle mit einem Transporter einen Anschlag auf die Eiszeit verüben.

Angesichts der verschiedenen Vorstrafen der VP sagte Jüdt: „Die VP konnte ein völlig bizarres Bild des Angeklagten zeichnen.“ Der Mann sei „ein verlogener Widerlang, der das erzählt hat, was der VP-Führer hören wollte“. Die Berichte des Mannes seien nicht ausreichend hinterfragt worden.

Sein Vorgesetzter aus dem Landeskriminalamt, der VP-Führer, hatte im Laufe des Prozesses betont, dass man schon lange und gut mit dem Mann zusammenarbeitete.

Nach dem letzten Verhandlungstag soll nun am 2. Dezember das Urteil verkündet werden. W. sitzt seit zwei Jahren und elf Monaten in Untersuchungshaft. „Anschlagspläne wurden nicht bewiesen“, sagte Verteidiger Jüdt. Er und sein Kollege fordern auch im Falle einer Verurteilung für die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung die Freilassung.

„Die Schuld ist mehr als gesühnt“, betonte Jüdt. Geht der Richter von einer IS-Mitgliedschaft aus, dürfte das Strafmaß über den bisher in Untersuchungshaft verbrachten zwei Jahren und elf Monaten liegen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang