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"Homosexualität ist Krankheit"

Karlsruher Helios-Klinik beendet nach homophoben Äußerungen Zusammenarbeit mit Arzt

Der türkische Herzchirurg, der auf Twitter Homo- und Transsexualität als Krankheiten bezeichnet hatte, wird nicht länger an der Karlsruher Helios-Klinik arbeiten. Der Geschäftsführer erklärte am Mittwoch auf BNN-Anfrage, die Zusammenarbeit beendet zu haben.

Die Helios-Klinik hat die Zusammenarbeit mit dem Arzt beendet. Foto: Hora

Der türkische Herzchirurg, der auf Twitter Homo- und Transsexualität als Krankheiten bezeichnet hatte, wird nicht länger an der Karlsruher Helios-Klinik arbeiten. Ein Geschäftsführer erklärte am Mittwoch auf BNN-Anfrage, die Zusammenarbeit beendet zu haben.

"Als Arzt möchte ich hier erwähnen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind“: Diese Aussage, auf Türkisch verfasst und über das Internet von Tausenden Menschen gelesen, sorgte vor zwei Wochen an der Karlsruher Helios-Klinik für Aufruhr .

Der Herzchirurg mit türkischen Wurzeln, der den Beitrag verfasst hatte, war zunächst beurlaubt worden. Nach vielen Beschwerden und einem großen Medienecho wurde der Post inzwischen gelöscht. Der Arzt wird nicht weiter an der Klinik arbeiten, wie BNN-Recherchen nun ergaben.

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, wir halten das Vorgehen aber für den richtigen Schritt.
David Assmann, Klinikgeschäftsführer

"Nach eingehender Prüfung und auch nach mehreren Gesprächen mit dem Arzt haben wir uns entschlossen, die Zusammenarbeit ab sofort zu beenden. Wir bedauern den Vorfall sehr und haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, wir halten das Vorgehen aber für den richtigen Schritt", so Klinikgeschäftsführer David Assmann am Mittwoch.

Äußerungen stimmen nicht mit Grundsätzen der Klinik überein

„Die fraglichen Äußerungen des Mitarbeiters haben uns erschüttert. Sie stimmen in keiner Weise mit unseren Handlungsgrundsätzen, unseren Ansichten und mit dem ‚Geist‘, der in unserem Unternehmen herrscht, überein."

Der Herzchirurg, der sich gegenüber den BNN nicht äußern wollte, sei seit 20 Jahren im Unternehmen beschäftigt gewesen. Auch deshalb habe die Äußerung große Betroffenheit ausgelöst und viele Mitarbeitende verunsichert.

Wir begegnen allen unseren Patienten selbstverständlich offen und vorurteilsfrei.
David Assmann, Klinikgeschäftsführer

"Für uns als Arbeitgeber ist der klare medizinische Kontext des Posts sehr irritierend, denn wir begegnen allen unseren Patienten selbstverständlich offen und vorurteilsfrei", stellt Geschäftsführer Assmann klar.

"Als Klinikleitung ist es uns ein Anliegen, dass ein Klima des guten Miteinanders und des gegenseitigen Respekts herrscht. Unterschiedlichkeit und Vielseitigkeit machen uns als Team aus und sind ein wichtiger Teil unseres Erfolges.“

Eine Regenbogenflagge wirbt in der Karlsruher Innenstadt für Diversität. Foto: Hora

Diese Haltung entspreche auch dem "Helios Kodex Compliance", in dem festgehalten ist: „Wir achten die persönliche Würde, die Privatsphäre und die Persönlichkeitsrechte jedes Einzelnen. Wir tragen dafür Sorge, dass Benachteiligungen aufgrund von Abstammung, Geschlecht, Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität bei Helios keinen Raum finden.“

Karlsruher Klinikmitarbeiter setzten spontan Zeichen für Vielfalt

Der Post des Arztes hatte in der Belegschaft zu einer intensiven Diskussion geführt. Spontan hatten sich Mitarbeitende der Karlsruher Klinik noch in derselben Woche für eine Fotoaktion unter dem Motto „Wir stehen für Vielfalt“ zusammengefunden. Innerhalb von wenigen Stunden hatte die diensthabende Belegschaft damit ein Statement für Diversität und Inklusion gesetzt.

Die Klinikgeschäftsführung will sich in dieser Woche zu Gesprächen mit Vertretern der  LSBTI-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle) treffen. Mehrere Verbände hatten die Aussagen kritisiert und Konsequenzen gefordert.

Staatsanwaltschaft prüft, ermittelt aber momentan nicht

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe prüft momentan, ob gegen den Arzt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Als Tatbestände in Frage kämen laut einem Sprecher Volksverhetzung und Beleidigung. Ein erstes Prüfverfahren habe zwar ergeben, dass kein Anfangsverdacht besteht. Nach der Anzeige eines Bürgers werde nun aber erneut geprüft.

Sollte er wegen einer Straftat verurteilt werden, aus der sich die Unzuverlässigkeit oder Unwürdigkeit zur Ausübung des Ärzteberufs ergibt, könnte dem Chirurgen sogar die Approbation entzogen werden. Unabhängig von strafrechtlichen Konsequenzen muss er sich eventuell auch vor dem Berufsgericht der Ärztekammer verantworten.

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