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„Eine Banane für drei Euro“

Karlsruher Mess': Schausteller geben Backstage Auskunft über ihr Gewerbe

Der Karlsruher Schausteller "Adi" Gronen veranstaltet auf allen Jahrmarktsplätzen, die er in Süd- und Westdeutschland besucht, seit rund 15 Jahren Führungen hinter die Kulissen. Die Mess‘ in Karlsruhe war als einer der Jahrmärkte dabei, der Besuchern die Möglichkeit geboten hat, einmal hinter die Kulissen zu schauen.

In luftige Höhen können sich die Mess’-Besucher mit dem Riesenrad wagen. Foto: Jodo

„Warum muss eine schokolierte Banane am Süßwarenstand auf der Mess‘ drei Euro kosten?“ Nach der Erklärung von Adolf „Adi“ Gronen sind die Gäste des Backstage-Rundgangs auf der Frühjahrs-Mess‘ mit der Preisfindung einverstanden. „Eigentlich müsste sie sogar noch viel teurer sein, denn wir verwenden nur biologisch erzeugte Frischware. Und was abends nicht verkauft ist, geht an die Tafeln“, versichert Gronen.

Von unserem Mitarbeiter Rüdiger Homberg

Der Karlsruher Schausteller veranstaltet auf allen Jahrmarktsplätzen, die er in Süd- und Westdeutschland besucht, seit rund 15 Jahren Führungen hinter die Kulissen und heißt daher bei seinen Kollegen „Mr. Backstage“. Die Mess‘ in Karlsruhe war als einer der Jahrmärkte dabei, der Besuchern die Möglichkeit geboten hat, einmal hinter die Kulissen zu schauen.

Welche Kosten sind zu bewältigen?

Gronen wie alle anderen besuchten Schausteller rechnen den Gewinnern bei einer Medien-Verlosung vor, welche Kosten zu bewältigen sind. Materialeinsatz, Personal, Investitionen und vieles mehr. So hat etwa Gronens vor zwei Jahren neu gebauter Stand immerhin 300 000 Euro gekostet und im Lager steht ein weiterer für 70 000 Euro mit weihnachtlichem Dekor, den er daher nur auf dem Christkindlesmarkt nutzen kann. Zum ersten Mal steht die niederländische Geisterbahn „Spuk“ auf dem Messplatz. Ein kleiner Junge, der unter den Gästen war, hat sich als beeindruckender Kenner der Jahrmarkts-Szene entpuppt. Er wusste etwa sehr gut Bescheid über das Riesenrad und über die Achterbahn. Und er war total begeistert davon gezeigt, „dass diese Geisterbahn endlich mal nach Karlsruhe gekommen ist.“ Er musste sie wohl aus dem weltweiten Netz kennen.

Keine Angst vor Geistern

Schausteller Richard Spikema hat das damals zehn Jahre alte Geschäft vor zwölf Jahren gekauft. In Italien gebaut, habe es einstmals umgerechnet 1,5 Millionen D-Mark gekostet. Aber jedes Jahr sei etwas Neues dazugekommen. Daraus ließe sich sehr leicht errechnen, dass sie heute keinesfalls für den umgerechneten Betrag von 750 000 Euro zu bekommen wäre. Ob er keine Angst vor Geistern habe, wurde er scherzhafterweise gefragt. Und er hat in der gleichen Stimmung mit breitem Lächeln geantwortet: „Ich hab‘ abends die Hexe neben mir im Bett.“

Achterbahn wurde immer wieder modernisiert

Die „Alpina“-Achterbahn, mit der Angela Bruch erstmals seit elf Jahren wieder in Karlsruhe gastiert, würde neu nach ihrer Schätzung mindestens 15 Millionen Euro kosten. Die Bahn ist zwar 20 Jahre alt, wurde aber, wie die Geisterbahn „Spuk“, immer wieder modernisiert und muss, überlegt Bruch, noch weitere rund zehn Jahre halten.

Die Gäste erfahren dies, während sie mitten in der Anlage zwischen etwa zehn Kilometern Kabel und unter rund einem Kilometer Schienen stehen und die Züge an ihnen vorbeisausen. 620 Tonnen wiege die Anlage, sagt Bruch. Als ein Gast „26 Tonnen“ versteht, lacht sie: „Dann bräuchte ich keine 40 Transporte für den Umzug vom einen auf den anderen Festplatz.

Inmitten der "Alpina"-Achterbahn: Schaustellerin Angela Bruch (rechts) gibt den Gewinnern der Backstage-Tour bereitwillig Auskunft. Foto: Jodo

Hinter den Kulissen eines Pizza-Standes

Patrick Neigert, stellvertretender Vorsitzender des Schaustellerverbandes Karlsruhe, hatte die Gäste hinter die Kulissen seines Pizza-Standes geführt und sie gefragt, warum das Geschäft wohl wie eine Ziehharmonika auseinandergezogen sei. Tourteilnehmer Ralf Paul Ness aus der Weststadt wusste die Antwort sofort: „Das ist wegen der Wärme, die in dem Stand entwickelt wird.“ Neigert war zunächst baff und meinte, dann brauche er ja nichts mehr zu erklären. Es stellte sich dann aber raus, das Ness von Beruf Sicherheitsingenieur ist und mit solchen und ähnlichen Dingen täglich zu tun hat.

„Die Schausteller, die sind schon ein eigenes Völkchen“, bemerkt eine Besucherin aus Rheinstetten. Und bewundert die Leistung und den Zusammenhalt auf dem Festplatz. Auf die Frage, was bei dem Rundgang oder auf der Mess‘ überhaupt nicht gefallen hat, bekommt das Marktamt, das einen Beurteilungsbogen ausgeteilt hat, kaum eine Antwort, bei der Begeisterung der Teilnehmer. Und alle freuten sich über einen kleinen Teddybär in Karlsruher Mess-Ausstattung, den sie mit nach Hause nehmen durften.

INMITTEN DER „ALPINA“-ACHTERBAHN: Schaustellerin Angela Bruch (rechts) gibt den Gewinnern der Backstags-Tour bereitwillig Auskunft.

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