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Trotz Einladungen

„Allein sein, heißt nicht einsam sein“: Seniorin aus Stutensee feiert Weihnachten ohne Familie

Die wenigsten Menschen haben es sich ausgesucht, Weihnachten allein zu verbringen. Hilde Hönniger muss nicht, doch sie entscheidet sich bewusst dazu.

Eine Frau steht neben einem Christbaum
80 Jahre alte Dekoration: Der Weihnachtsschmuck, der die Tanne von Hilde Hönniger schmückt, gehörte einst ihren Eltern. Foto: Kübra Deveci

Kränze aus Tannenzweigen, eine ganze Sammlung an Engel-Figuren und Kerzenschein, wohin das Auge blickt. Alles erstrahlt in grünen und roten Farben. Bei Hilde Hönniger zu Hause weihnachtet es seit dem ersten Advent. „Es darf für mich bunt und hell sein – manch andere würden sagen, das ist kitschig“, sagt die 75-Jährige.

Die Seniorin aus Stutensee ist die jüngste von sieben Geschwistern. „Solange unsere Eltern noch gelebt haben, war Weihnachten immer ein Treffpunkt“, sagt Hönniger. „Als Kind war das immer sehr spannend.“ Damals habe man oft das geschenkt bekommen, was man brauchte. „Ein Kleid, einen Teddybär oder einen Ball. Darüber habe ich mich gefreut“, erinnert sie sich.

Eines bleibt seit ihrer Kindheit unverändert: der mehr als 80 Jahre alte Weihnachtsschmuck an ihrem Christbaum. Sterne, die mit bunten Perlen verziert sind, hängen an der zierlichen Tanne im Wohnzimmer. Es ist ein kleines, aber für Hönniger umso bedeutsameres Erbe von ihren Eltern.

Postkarten erinnern die Seniorin an ihre Familie

Viele weitere Dinge in ihrer Wohnung erinnern sie an ihre Familie. An ihren einzigen Neffen, vier Nichten und wiederum deren Kinder: darunter ein selbst gebastelter Kalender mit Fotos sowie etliche Postkarten, die gesammelt an einer Wand hängen. „So fühle ich mich nie allein“, sagt die Seniorin.

Frau zeigt ihre Postkartensammlung, die an der Wand hängt.
Hilde Hönniger empfängt, schreibt aber auch selbst gern Postkarten. Jede Einzelne hat dabei ihren Platz. Foto: Kübra Deveci

Vor 24 Jahren starb ihr Ehemann Wolfgang an Krebs. Seither lebt die Witwe für sich. Kinder hat sie keine. Ihre Verwandten wohnen alle verstreut: in Kempten, München, Schwäbisch Hall, listet sie auf. Niemand also in unmittelbarer Nähe.

Für Hönniger ist die Distanz allerdings kein Problem: „Ich finde, es kommt nicht darauf an, wie oft man sich sieht, sondern auf die innere Beziehung, die man zueinander hat.“ Die Seniorin entscheidet sich bewusst, Weihnachten allein zu verbringen. „Ich werde immer wieder eingeladen“, erzählt sie. Doch sie lehne ab.

„Ich möchte niemanden zur Last fallen.“ Über die Weihnachtszeit geht Hönniger gern in sich und lässt alte Erinnerungen lebendig werden – „dabei kann die ein oder andere Träne fließen“, erzählt die Mehrfachtante. „Ich bin dankbar, für die Dinge, für alles Schöne, was ich erleben durfte. Das gibt mir Trost“, so Hönniger.

Ich möchte niemanden zur Last fallen.
Hilde Hönniger
Seniorin

Mit ihren losgelösten Emotionen will sie niemanden in Sorge bringen, gleichzeitig ihren Gefühlen freien Lauf lassen. „Ich möchte mich nicht verbiegen“, sagt sie. In ihren eigenen vier Wänden funktioniere das am besten.

75-Jährige knüpft gern Kontakte auf Reisen

„Allein sein heißt nicht einsam sein“, findet die 75-Jährige. Sie genieße die Zeit mit sich selbst, unternehme und komme viel herum. Auch wenn die Seniorin ihre Reisen zunächst allein antritt, besonders dann sei sie kontaktfreudig: „Es sind viele Freundschaften entstanden“, erzählt Hönniger. Ihre Kontakte pflege sie dabei stets behutsam.

Die Seniorin beschreibt sich selbst als religiös, denn ihr christlicher Glaube schenke ihr Kraft. Hönniger engagiert sich in der katholischen Kirchengemeinde in Stutensee. Als alleinstehende Frau kommt sie im Ehrenamt unter Menschen, wie etwa bei der Tafel in Blankenloch, wo sie aushilft.

Seniorin lässt die Weihnachtszeit spontan auf sich zukommen

Für das anstehende Weihnachtsfest gibt es keinen festen Plan, sagt Hönniger. Und genau das sei der Punkt: „Ich möchte mich nicht binden. Es soll alles seinen Lauf nehmen, wie es kommt.“ So bleibe der Seniorin die Option, nach Lust und Laune zu entscheiden. Der Besuch am Grab ihres Mannes zähle zu den wenigen festen Routinen an Heiligabend. Und die Feier der Christmette um 22 Uhr.

Eine Frau zeigt die weihnachtliche Dekoration in ihrer Wohnung.
Mit der weihnachtlichen Dekoration ihrer vier Wände beginnt Hilde Hönniger schon im November. Foto: Kübra Deveci

Auch wenn sie an Weihnachten nicht strikt verplant ist, mit ihren Vorbereitungen auf die gesamte Zeit beginnt sie schon im November. Hier geht sie strukturiert vor: In einem Ordner sammelt sie sämtliche Unterlagen, darunter ihre Einkaufsliste mit allen nötigen Zutaten für Weihnachtsgebäck wie Stollen und Plätzchen – erzählt Hönniger.

Acht Pakete mit diversen Plätzchensorten verschickt sie schließlich an Freunde und Familie. Die sortiert sie vorher ganz individuell nach den Vorlieben der Empfänger. Denn: „Ein Geschenk soll Freude machen“, findet die Seniorin. „So schenke ich ihnen meine Zeit.“ Auch Hönniger hat einen Weihnachtswunsch und es ist nichts Materielles: „Ich wünsche mir Gesundheit, um weiterhin selbstständig zu bleiben und noch lang in der Lage zu sein, anderen zu helfen.“

Ein Geschenk soll Freude machen.
Hilde Hönniger
Seniorin
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